The Project Gutenberg EBook of Die Räuber, by Friedrich Schiller This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org/license Title: Die Räuber Ein Schauspiel Author: Friedrich Schiller Release Date: January 1, 2015 [EBook #47804] Language: German Character set encoding: ISO-8859-1 *** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RÄUBER *** Produced by Jana Srna, Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned images of public domain material from the Google Print project.) +------------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Kursiver Text ist als _kursiv_ markiert, gesperrter Text ist als | | ~gesperrt~ markiert, Bühnenanweisungen sind als (_Anweisung_) | | markiert, und Antiqua-Schrift ist als =Antiqua= markiert. | | | | Detaillierte Informationen über Änderungen und Fehler befinden | | sich am Ende des Texts. | +------------------------------------------------------------------+ Die Räuber ein Schauspiel von Schiller. Neue verbesserte Auflage. Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1805. =_Hippocrates._= =Quæ medicamenta non sanant, _ferrum_ sanat, quæ ferrum non sanat, _ignis_ sanat.= Personen: ~Maximilian~, regierender Graf von Moor. ~Karl~, } } seine Söhne. ~Franz~, } ~Amalia~, von Edelreich. ~Spiegelberg~, } } ~Schweizer~, } } ~Grimm~, } } ~Razmann~, } } Libertiner, nachher Banditen. ~Schufterle~, } } ~Roller~, } } ~Kosinsky~, } } ~Schwarz~, } ~Herrmann~, Bastard von einem Edelmann. ~Daniel~, Hausknecht des Grafen von Moor. ~Pastor Moser~. Ein Pater. Räuberbande. Nebenpersonen. (Der Ort der Geschichte ist Teutschland, die Zeit ohngefähr zwei Jahre.) Vorrede. Man nehme dieses Schauspiel für nichts anderes, als eine dramatische Geschichte, die die Vortheile der dramatischen Methode, die Seele gleichsam bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen, benutzt, ohne sich übrigens in die Schranken eines Theaterstücks einzuzäunen, oder nach dem so zweifelhaften Gewinn bei theatralischer Verkörperung zu geitzen. Man wird mir einräumen, daß es eine widersinnige Zumuthung ist, binnen drei Stunden drei ausserordentliche Menschen zu erschöpfen, deren Thätigkeit von vielleicht tausend Räderchen abhänget, so wie es in der Natur der Dinge unmöglich kann gegründet seyn, daß sich drei ausserordentliche Menschen auch dem durchdringendsten Geisterkenner innerhalb vier und zwanzig Stunden entblössen. Hier war Fülle in einander gedrungener Realitäten vorhanden, die ich unmöglich in die allzuengen Pallisaden des Aristoteles und Batteux einkeilen konnte. Nun ist es aber nicht sowohl die Masse meines Schauspiels, als vielmehr sein Inhalt, der es von der Bühne verbannet. Die Oekonomie desselben machte es nothwendig, daß mancher Charakter auftreten mußte, der das feinere Gefühl der Tugend beleidigt, und die Zärtlichkeit unserer Sitten empört. Jeder Menschenmaler ist in diese Nothwendigkeit gesetzt, wenn er anders eine Kopie der wirklichen Welt, und keine idealischen Affektationen, keine Kompendienmenschen will geliefert haben. Es ist einmal so die Mode in der Welt, daß die Guten durch die Bösen schattirt werden, und die Tugend im Kontraste mit dem Laster das lebendigste Kolorit erhält. Wer sich den Zweck vorgezeichnet hat, das Laster zu stürzen, und Religion, Moral und bürgerliche Gesetze an ihren Feinden zu rächen, ein solcher muß das Laster in seiner nakten Abscheulichkeit enthüllen, und in seiner kolossalischen Grösse vor das Auge der Menschheit stellen -- er selbst muß augenblicklich seine nächtlichen Labyrinthe durchwandern, -- er muß sich in Empfindungen hineinzuzwingen wissen, unter deren Widernatürlichkeit sich seine Seele sträubt. Das Laster wird hier mit samt seinem ganzen innern Räderwerk entfaltet. Es lößt in Franzen all die verworrenen Schauer des Gewissens in ohnmächtige Abstraktionen auf, skeletisirt die richtende Empfindung, und scherzt die ernsthafte Stimme der Religion hinweg. Wer es einmal so weit gebracht hat, (ein Ruhm, den wir ihm nicht beneiden) seinen Verstand auf Unkosten seines Herzens zu verfeinern, dem ist das Heiligste nicht heilig mehr -- dem ist die Menschheit, die Gottheit nichts -- beide Welten sind nichts in seinen Augen. Ich habe versucht, von einem Mißmenschen dieser Art ein treffendes lebendiges Konterfey hinzuwerfen, die vollständige Mechanik seines Lastersystems auseinander zu gliedern -- und ihre Kraft an der Wahrheit zu prüfen. Man unterrichte sich demnach im Verfolg dieser Geschichte, wie weit ihr's gelungen hat -- Ich denke, ich habe die Natur getroffen. Nächst an diesem stehet ein anderer, der vielleicht nicht wenige meiner Leser in Verlegenheit setzen möchte. Ein Geist, den das äusserste Laster nur reitzet um der ~Grösse~ willen, die ihm anhänget, um der ~Kraft~ willen, die es erheischet, um der ~Gefahren~ willen, die es begleiten. Ein merkwürdiger wichtiger Mensch, ausgestattet mit aller Kraft, nach der Richtung, die diese bekömmt, nothwendig entweder ein Brutus oder ein Katilina zu werden. Unglückliche Konjunkturen entscheiden für das zweyte, und erst am Ende einer ungeheuren Verirrung gelangt er zu dem ersten. Falsche Begriffe von Thätigkeit und Einfluß, Fülle von Kraft, die alle Gesetze übersprudelt, mußten sich natürlicher Weise an bürgerlichen Verhältnissen zerschlagen, und zu diesen enthusiastischen Träumen von Größe und Wirksamkeit durfte sich nur eine Bitterkeit gegen die unidealische Welt gesellen, so war der seltsame Donquixote fertig, den wir im Räuber Moor verabscheuen und lieben, bewundern und bedauern. Ich werde es hoffentlich nicht erst anmerken dörfen, daß ich dieses Gemählde so wenig nur allein Räubern vorhalte, als die Satyre des Spaniers nur allein Ritter geisselt. Auch ist itzo der ~grosse Geschmack~, seinen Witz auf Kosten der Religion spielen zu lassen, daß man beinahe für kein Genie mehr passirt, wenn man nicht seinen gottlosen Satyr auf ihren heiligsten Wahrheiten sich herumtummeln läßt. Die edle Einfalt der ~Schrift~ muß sich in alltäglichen Assembleen von den sogenannten witzigen Köpfen mißhandeln, und ins Lächerliche verzerren lassen; denn was ist so heilig und ernsthaft, das, wenn man es falsch verdreht, nicht belacht werden kann? -- Ich kann hoffen, daß ich der ~Religion~ und der wahren Moral keine gemeine Rache verschafft habe, wenn ich diese muthwillige Schriftverächter in der Person meiner schändlichsten Räuber dem Abscheu der Welt überliefere. Aber noch mehr. Diese unmoralische Charaktere, von denen vorhin gesprochen wurde, mußten von gewissen Seiten glänzen, ja oft von Seiten des Geistes gewinnen, was sie von Seiten des Herzens verlieren. Hierin habe ich nur die Natur gleichsam wörtlich abgeschrieben. Jedem, auch dem Lasterhaftesten ist gewissermaßen der Stempel des göttlichen Ebenbilds aufgedrückt, und vielleicht hat der große Bösewicht keinen so weiten Weg zum großen Rechtschaffenen, als der kleine; denn die Moralität hält gleichen Gang mit den Kräften, und je weiter die Fähigkeit, desto weiter und ungeheurer ihre Verirrung, desto imputabler ihre Verfälschung. Klopstok's Adramelech weckt in uns eine Empfindung, worin Bewunderung in Abscheu schmilzt. Milton's Satan folgen wir mit schauderndem Erstaunen durch das unwegsame Chaos. Die Medea der alten Dramatiker bleibt bei all ihren Greueln noch ein großes staunenswürdiges Weib, und Shakespear's Richard hat so gewiß am Leser einen Bewunderer, als er auch ihn hassen würde, wenn er ihm vor der Sonne stünde. Wenn es mir darum zu thun ist, ~ganze~ Menschen hinzustellen, so muß ich auch ihre Vollkommenheiten mitnehmen, die auch dem Bösesten nie ganz fehlen. Wenn ich vor dem Tyger gewarnt haben will, so darf ich seine schöne blendende Fleckenhaut nicht übergehen, damit man nicht den Tyger beim Tyger vermisse. Auch ist ein Mensch, der ganz Bosheit ist, schlechterdings kein Gegenstand der Kunst, und äussert eine zurückstossende Kraft, statt daß er die Aufmerksamkeit der Leser fesseln sollte. Man würde umblättern, wenn er redet. Eine edle Seele erträgt so wenig anhaltende moralische Dissonanzen, als das Ohr das Gekrizel eines Messers auf Glas. Aber eben darum will ich selbst mißrathen haben, dieses mein Schauspiel auf der Bühne zu wagen. Es gehört beiderseits, beim Dichter und seinem Leser, schon ein gewisser Gehalt von Geisteskraft dazu: bei jenem, daß er das Laster nicht ~ziere~, bei diesem, daß er sich nicht von einer schönen Seite bestechen lasse, auch den häßlichen Grund zu schätzen. ~Meinerseits~ entscheide ein Dritter -- aber von meinen Lesern bin ich es ~nicht~ ganz gesichert. Der Pöbel, worunter ich keineswegs die Gassenkehrer allein will verstanden wissen, der Pöbel wurzelt, (unter uns gesagt) weit um, und gibt zum Unglück -- den Ton an. Zu kurzsichtig, mein ~Ganzes~ auszureichen, zu kleingeistisch, mein ~Grosses~ zu begreifen, zu boshaft, mein ~Gutes~ wissen zu wollen, wird er, fürcht' ich, fast meine Absicht vereiteln, wird vielleicht eine Apologie des Lasters, das ich stürze, darin zu finden meynen, und seine eigene Einfalt den armen Dichter entgelten lassen, dem man gemeiniglich alles, nur nicht Gerechtigkeit widerfahren läßt. Es ist das ewige =Dacapo= mit Abdera und Demokrit, und unsre guten Hippokrate müßten ganze Plantagen Nießwurz erschöpfen, wenn sie dem Unwesen durch ein heilsames Dekokt abhelfen wollten. Noch so viele Freunde der Wahrheit mögen zusammenstehen, ihren Mitbürgern auf Kanzel und Schaubühne Schule zu halten, der Pöbel hört nie auf, Pöbel zu seyn, und wenn Sonne und Mond sich wandeln, und Himmel und Erde veralten wie ein Kleid. Vielleicht hätt' ich, den Schwachherzigen zu frommen, der Natur minder getreu seyn sollen; aber wenn jener Käfer, den wir alle kennen, auch den Mist aus den Perlen stört, wenn man Exempel hat, daß Feuer verbrannt, und Wasser ersäuft habe, soll darum Perle -- Feuer -- und Wasser konfiscirt werden? Ich darf meiner Schrift, zufolge ihrer merkwürdigen Katastrophe, mit Recht einen Platz unter den moralischen Büchern versprechen; das Laster nimmt den Ausgang, der seiner würdig ist. Der Verirrte tritt wieder in das Geleise der Gesetze. Die Tugend geht siegend davon. Wer nur so billig gegen mich handelt, mich ganz zu lesen, mich verstehen zu wollen, von dem kann ich erwarten, daß er -- nicht den Dichter bewundere, aber den rechtschaffenen Mann in mir hochschätze. Geschrieben in der Ostermesse. ~1781~. Der Herausgeber. Erster Akt. Erste Scene. Franken. Saal im Moorischen Schloß. Franz. Der alte Moor. ~Franz.~ Aber ist euch auch wohl, Vater? Ihr seht so blaß. ~Der alte Moor.~ Ganz wohl, mein Sohn -- was hattest du mir zu sagen? ~Franz.~ Die Post ist angekommen -- ein Brief von unserm Korrespondenten in Leipzig -- ~D. a. Moor.~ (_Begierig._) Nachrichten von meinem Sohne Karl? ~Franz.~ Hm! hm! -- So ist es. Aber ich fürchte -- ich weiß nicht -- ob ich -- eurer Gesundheit? -- Ist euch wirklich ganz wohl, mein Vater? ~D. a. Moor.~ Wie dem Fisch im Wasser! Von meinem Sohne schreibt er? -- wie kommst du zu dieser Besorgniß? Du hast mich zweymal gefragt. ~Franz.~ Wenn ihr krank seyd -- nur die leiseste Ahnung habt, es zu werden, so laßt mich -- ich will zu gelegnerer Zeit zu euch reden, (_halb vor sich._) Diese Zeitung ist nicht für einen zerbrechlichen Körper. ~D. a. Moor.~ Gott! Gott! was werd' ich hören? ~Franz.~ Laßt mich vorerst auf die Seite gehn, und eine Thräne des Mitleids vergiessen um meinen verlornen Bruder -- ich sollte schweigen auf ewig -- denn er ist euer Sohn: Ich sollte seine Schande verhüllen auf ewig -- denn er ist mein Bruder. -- Aber euch gehorchen, ist meine erste traurige Pflicht -- darum vergebt mir. ~D. a. Moor.~ O Karl! Karl! wüßtest du wie deine Aufführung das Vaterherz foltert! Wie eine einzige frohe Nachricht von dir meinem Leben zehen Jahre zusetzen würde -- mich zum Jüngling machen würde -- da mich nun jede, ach! -- einen Schritt näher ans Grab rückt! ~Franz.~ Ist es das, alter Mann, so lebt wohl -- wir alle würden noch heute die Haare ausraufen über eurem Sarge. ~D. a. Moor.~ Bleib! -- Es ist noch um den kleinen kurzen Schritt zu thun -- laß ihm seinen Willen, (_indem er sich niedersetzt._) Die Sünden seiner Väter werden heimgesucht im dritten und vierten Glied -- laß ihns vollenden. ~Franz~ (_nimmt den Brief aus der Tasche._) Ihr kennt unsern Korrespondenten! Seht! Den Finger meiner rechten Hand wollt ich drum geben, dürft' ich sagen, er ist ein Lügner, ein schwarzer giftiger Lügner -- -- Faßt euch! Ihr vergebt mir, wenn ich euch den Brief nicht selbst lesen lasse -- Noch dörft ihr nicht alles hören. ~D. a. Moor.~ Alles, alles -- mein Sohn, du ersparst mir die Krücke. ~Franz~ (_liest._) »Leipzig vom 1sten May. -- Verbände mich nicht eine unverbrüchliche Zusage, dir auch nicht das geringste zu verhelen, was ich von den Schicksalen deines Bruders auffangen kann, liebster Freund, nimmermehr würde meine unschuldige Feder an dir zur Tyranninn geworden seyn. Ich kann aus hundert Briefen von dir abnehmen, wie Nachrichten dieser Art dein brüderliches Herz durchbohren müssen, mir ists als säh ich dich schon um den Nichtswürdigen, den Abscheulichen« -- -- (_Der alte Moor verbirgt sein Gesicht._) Seht, Vater! ich lese euch nur das Glimpflichste -- »den Abscheulichen in tausend Thränen ergossen,« ach sie flossen -- stürzten stromweis von dieser mitleidigen Wange -- »mir ist's, als säh ich schon deinen alten, frommen Vater todtenbleich« -- Jesus Maria! ihr seyd's, eh' ihr noch das Mindeste wisset? ~D. a. Moor.~ Weiter! Weiter! ~Franz.~ »Todtenbleich in seinen Stuhl zurücktaumeln, und dem Tage fluchen, an dem ihm zum erstenmal ~Vater~ entgegengestammelt ward. Man hat mir nicht alles entdecken mögen, und von dem Wenigen, das ich weiß, erfährst du nur weniges. Dein Bruder scheint nun das Maas seiner Schande gefüllt zu haben; ich wenigstens kenne nichts über dem, was er wirklich erreicht hat, wenn nicht sein Genie das meinige hierin übersteigt. Gestern um Mitternacht hatte er den großen Entschluß, nach vierzig tausend Dukaten Schulden -- ein hübsches Taschengeld, Vater -- nachdem er zuvor die Tochter eines reichen Banquiers allhier entjungfert, und ihren Galan, einen braven Jungen von Stand, im Duell auf den Tod verwundet, mit sieben andern, die er mit in sein Luderleben gezogen, dem Arm der Justiz zu entlaufen« -- Vater! Um Gotteswillen, Vater! wie wird euch? ~D. a. Moor.~ Es ist genug. Laß ab, mein Sohn! ~Franz.~ Ich schone eurer -- »man hat ihm Steckbriefe nachgeschickt, die Beleidigten schreyen laut um Genugthuung, ein Preiß ist auf seinen Kopf gesetzt -- der Name Moor« -- Nein! Meine armen Lippen sollen nimmermehr einen Vater ermorden! (_zerreißt den Brief._) Glaubt es nicht, Vater! glaubt ihm keine Sylbe! ~D. a. Moor~ (_weint bitterlich._) Mein Name! Mein ehrlicher Name! ~Franz~ (_fällt ihm um den Hals._) Schändlicher, dreimal schändlicher Karl! Ahnete mirs nicht, da er noch ein Knabe den Mädels so nachschlenderte, mit Gassenjungen und elendem Gesindel auf Wiesen und Bergen sich herumhezte, den Anblick der Kirche, wie ein Missethäter das Gefängniß, floh, und die Pfennige, die er euch abquälte, dem ersten dem besten Bettler in den Hut warf, während daß wir daheim mit frommen Gebeten und heiligen Predigtbüchern uns erbauten? -- Ahnete mirs nicht, da er die Abentheuer des Julius Cäsar und Alexander Magnus und anderer stockfinsterer Heiden lieber las, als die Geschichte des bußfertigen Tobias? -- Hundertmal hab' ichs euch geweissagt, denn meine Liebe zu ihm war immer in den Schranken der kindlichen Pflicht, -- der Junge wird uns alle noch in Elend und Schande stürzen! -- O daß er Moors Namen nicht trüge! daß mein Herz nicht so warm für ihn schlüge! Die gottlose Liebe, die ich nicht vertilgen kann, wird mich noch einmal vor Gottes Richterstuhl anklagen. ~D. a. Moor.~ O -- meine Aussichten! Meine goldenen Träume! ~Franz.~ Das weiß ich wohl. Das ist es ja, was ich eben sagte. Der feurige Geist, der in dem Buben lodert, sagtet ihr immer, der ihn für jeden Reiz von Größe und Schönheit so empfindlich macht; diese Offenheit, die seine Seele auf dem Auge spiegelt, diese Weichheit des Gefühls, die ihn bei jedem Leiden in weinende Sympathie dahinschmelzt, dieser männliche Muth, der ihn auf den Wipfel hundertjähriger Eichen treibet, und über Gräben und Pallisaden und reissende Flüsse jagt, dieser kindische Ehrgeitz, dieser unüberwindliche Starrsinn und alle diese schönen glänzenden Tugenden, die im Vatersöhnchen keimten, werden ihn dereinst zu einem warmen Freund eines Freundes, zu einem treflichen Bürger, zu einem Helden, zu einem ~grossen~, ~grossen~ Manne machen -- seht ihrs nun, Vater! -- der feurige Geist hat sich entwickelt, ausgebreitet, herrliche Früchte hat er getragen. Seht diese Offenheit, wie hübsch sie sich zur Frechheit herumgedreht hat, seht diese Weichheit, wie zärtlich sie für Koketten girret, wie so empfindsam für die Reitze einer Phryne! Seht dieses feurige Genie, wie es das Oel seines Lebens in sechs Jährgen so rein weggebrannt hat, daß er bei lebendigem Leibe umgeht, und da kommen die Leute, und sind so unverschämt und sagen: =c'est l'amour qui a fait ça!= Ah! seht doch diesen kühnen unternehmenden Kopf, wie er Plane schmiedet und ausführt, vor denen die Heldenthaten eines Kartouches und Howards verschwinden! -- Und wenn erst diese prächtigen Keime zur vollen Reife erwachsen -- was läßt sich auch von einem so zarten Alter Vollkommenes erwarten? -- Vielleicht, Vater, erlebet ihr noch die Freude, ihn an der Fronte eines Heeres zu erblicken, das in der heiligen Stille der Wälder residiret, und dem müden Wanderer seine Reise um die Hälfte der Bürde erleichtert -- vielleicht könnt ihr noch, eh' ihr zu Grabe geht, eine Wallfahrt nach seinem Monumente thun, das er sich zwischen Himmel und Erden errichtet -- vielleicht, o Vater, Vater, Vater -- seht euch nach einem andern Namen um, sonst deuten Krämer und Gassenjungen mit Fingern auf euch, die euren Herrn Sohn auf dem Leipziger Marktplatz im Portrait gesehen haben. ~D. a. Moor.~ Und auch du, mein Franz, auch du? O meine Kinder! Wie sie nach meinem Herzen zielen! ~Franz.~ Ihr seht, ich kann auch witzig seyn, aber mein Witz ist Skorpionstich. -- Und dann der trockne Alltagsmensch, der kalte, hölzerne Franz, und wie die Titelgen alle heissen mögen, die euch der Contrast zwischen ihm und mir mochte eingegeben haben, wenn er euch auf dem Schoose saß, oder in die Backen zwickte -- der wird einmal zwischen seinen Gränzsteinen sterben, und modern, und vergessen werden, wenn der Ruhm dieses Universalkopfs von einem Pole zum andern fliegt -- Ha! mit gefaltnen Händen dankt dir, o Himmel! der kalte, trockne, hölzerne Franz -- daß er nicht ist, wie dieser! ~D. a. Moor.~ Vergib mir, mein Kind; zürne nicht auf einen Vater, der sich in seinen Planen betrogen findet. Der Gott, der mir durch Karln Thränen zusendet, wird sie durch dich, mein Franz, aus meinen Augen wischen. ~Franz.~ Ja Vater, aus euren Augen soll er sie wischen. Euer Franz wird sein Leben dran setzen, das eurige zu verlängern. Euer Leben ist das Orakel, das ich vor allen zu Rathe ziehe, über dem, was ich thun will, der Spiegel, durch den ich alles betrachte -- keine Pflicht ist mir so heilig, die ich nicht zu brechen bereit bin, wenn's um euer kostbares Leben zu thun ist. -- Ihr glaubt mir das? ~D. a. Moor.~ Du hast noch große Pflichten auf dir, mein Sohn -- Gott segne dich für das, was du mir warst und seyn wirst! ~Franz.~ Nun sagt mir einmal -- Wenn ihr diesen Sohn nicht den euren nennen müßtet, ihr wär't ein glücklicher Mann? ~D. a. Moor.~ Stille, o stille! da ihn die Wehmutter mir brachte, hub ich ihn gen Himmel, und rief: Bin ich nicht ein glücklicher Mann? ~Franz.~ Das sagtet ihr. Nun habt ihr's gefunden? Ihr beneidet den schlechtesten eurer Bauren, daß er nicht Vater ist zu diesem -- Ihr habt Kummer, so lang ihr diesen Sohn habt. Dieser Kummer wird wachsen mit Karln. Dieser Kummer wird euer Leben untergraben. ~D. a. Moor.~ O! er hat mich zu einem achtzigjährigen Manne gemacht. ~Franz.~ Nun also -- wenn ihr dieses Sohnes euch entäussertet? ~D. a. Moor~ (_auffahrend._) Franz! Franz! was sagst du? ~Franz.~ Ist es nicht diese Liebe zu ihm, die euch all den Gram macht? Ohne diese Liebe ist er für euch nicht da. Ohne diese strafbare, diese verdammliche Liebe ist er euch gestorben -- ist er euch nie gebohren. Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen. Liebt ihr ihn nicht mehr, so ist diese Abart auch euer Sohn nicht mehr, und wär' er aus eurem Fleische geschnitten. Er ist euer Augapfel gewesen bisher, nun aber, ärgert dich dein Auge, sagt die Schrift, so reiß es aus. Es ist besser einäugig gen Himmel, als mit zwei Augen in die Hölle. Es ist besser kinderlos gen Himmel, als wenn beide, Vater und Sohn, in die Hölle fahren. So spricht die Gottheit! ~D. a. Moor.~ Du willst, ich soll meinen Sohn verfluchen? ~Franz.~ Nicht doch! Nicht doch! -- Euren Sohn sollt ihr nicht verfluchen. Was heißt ihr euren Sohn? -- dem ihr das Leben gegeben habt, wenn er sich auch alle ersinnliche Mühe gibt, das eurige zu verkürzen? ~D. a. Moor.~ O das ist allzuwahr! das ist ein Gericht über mich. Der Herr hat's ihn geheissen! ~Franz.~ Seht ihr's, wie kindlich euer Busenkind an euch handelt. Durch eure väterliche Theilnehmung erwürgt er euch, mordet euch durch eure Liebe, hat euer Vaterherz selbst bestochen, euch den Garaus zu machen. Seyd ihr einmal nicht mehr, so ist er Herr eurer Güter, König seiner Triebe. Der Damm ist weg, und der Strom seiner Lüste kann itzt freyer dahinbrausen. Denkt euch einmal an seine Stelle! Wie oft muß er den Vater unter die Erde wünschen -- wie oft den Bruder -- die ihm im Lauf seiner Excesse so unbarmherzig im Weg stehen. Ist das aber Liebe gegen Liebe? Ist das kindliche Dankbarkeit gegen väterliche Milde? Wenn er dem geilen Kitzel eines Augenblicks zehn Jahre eures Lebens aufopfert? wenn er den Ruhm seiner Väter, der sich schon sieben Jahrhunderte unbefleckt erhalten hat, in einer wollüstigen Minute aufs Spiel setzt? Heißt ihr das euren Sohn? Antwortet! heißt ihr das einen Sohn? ~D. a. Moor.~ Ein unzärtliches Kind! ach! aber mein Kind doch! mein Kind doch! ~Franz.~ Ein allerliebstes, köstliches Kind, dessen ewiges Studium ist, keinen Vater zu haben -- O daß ihr's begreifen lerntet! daß euch die Schuppen fielen vom Auge! aber eure Nachsicht muß ihn in seinen Liederlichkeiten bevestigen; euer Vorschub ihnen Rechtmäßigkeit geben. Ihr werdet freilich den Fluch von seinem Haupte laden, auf euch, Vater, auf euch wird der Fluch der Verdammniß fallen. ~D. a. Moor.~ Gerecht! sehr gerecht! -- Mein, mein ist alle Schuld! ~Franz.~ Wie viele Tausende, die voll gesoffen haben vom Becher der Wollust, sind durch Leiden gebessert worden! Und ist nicht der körperliche Schmerz, den jedes Uebermaas begleitet, ein Fingerzeig des göttlichen Willens? Sollte ihn der Mensch durch seine grausame Zärtlichkeit verkehren? Soll der Vater das ihm anvertraute Pfand auf ewig zu Grunde richten? -- Bedenkt, Vater, wenn ihr ihn seinem Elend auf einige Zeit preiß geben werdet, wird er nicht entweder umkehren müssen und sich bessern? oder er wird auch in der großen Schule des Elends ein Schurke bleiben, und dann -- wehe dem Vater, der die Rathschlüsse einer höheren Weisheit durch Verzärtlung zernichtet! -- Nun, Vater? ~D. a. Moor.~ Ich will ihm schreiben, daß ich meine Hand von ihm wende. ~Franz.~ Da thut ihr recht und klug daran. ~D. a. Moor.~ Daß er nimmer vor meine Augen komme. ~Franz.~ Das wird eine heilsame Wirkung thun. ~D. a. Moor~ (_zärtlich._) Bis er anders worden! ~Franz.~ Schon recht, schon recht -- Aber, wenn er nun kommt mit der Larve des Heuchlers, euer Mitleid erweint, eure Vergebung sich erschmeichelt, und morgen hingeht und eurer Schwachheit spottet im Arm seiner Huren? -- Nein, Vater! Er wird freywillig wiederkehren, wenn ihn sein Gewissen reingesprochen hat. ~D. a. Moor.~ So will ich ihm das auf der Stelle schreiben. ~Franz.~ Halt! noch ein Wort, Vater! Eure Entrüstung, fürchte ich, möchte euch zu harte Worte in die Feder werfen, die ihm das Herz zerspalten würden -- und dann -- glaubt ihr nicht, daß er das schon für Verzeihung nehmen werde, wenn ihr ihn noch eines eigenhändigen Schreibens werth haltet? Darum wird's besser seyn, ihr überlaßt das Schreiben mir. ~D. a. Moor.~ Thu' das, mein Sohn. -- Ach! es hätte mir doch das Herz gebrochen! Schreib ihm -- -- ~Franz~ (_schnell._) Dabei bleibt's also? ~D. a. Moor.~ Schreib ihm, daß ich tausend blutige Thränen, tausend schlaflose Nächte -- Aber bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung. ~Franz.~ Wollt ihr euch nicht zu Bette legen, Vater? Es griff euch hart an. ~D. a. Moor.~ Schreib ihm, daß die väterliche Brust -- Ich sage dir, bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung. (Geht traurig ab.) ~Franz~ (_mit Lachen ihm nachsehend._) Tröste dich, Alter, du wirst ihn nimmer an diese Brust drücken, der Weg dazu ist ihm verrammelt, wie der Himmel der Hölle -- Er war aus deinen Armen gerissen, ehe du wußtest, daß du es wollen könntest -- da müßt' ich ein erbärmlicher Stümper seyn, wenn ich's nicht einmal so weit gebracht hätte, einen Sohn vom Herzen des Vaters los zu lösen, und wenn er mit ehernen Banden daran geklammert wäre -- Ich hab' einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen, den er nicht überspringen soll -- Glück zu, Franz! Weg ist das Schooskind -- Der Wald ist heller. Ich muß diese Papiere vollends aufheben, wie leicht könnte jemand meine Handschrift kennen? (_er liest die zerrissenen Briefstücke zusammen._) -- Und Gram wird auch den Alten bald fortschaffen, -- und ihr muß ich diesen Karl aus dem Herzen reissen, wenn auch ihr halbes Leben dran hängen bleiben sollte. Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu seyn, und bei meiner Ehre! ich will sie geltend machen. -- Warum bin ich nicht der Erste aus Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum mußte sie mir diese Bürde von Häßlichkeit aufladen? gerade mir? Nicht anders, als ob sie bei meiner Geburt einen Rest gesetzt hätte? Warum gerade mir die Lappländersnase? Gerade mir dieses Mohrenmaul? Diese Hottentottenaugen? Wirklich, ich glaube, sie hat von allen Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen, und mich daraus gebacken. Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben, jenem dieses zu verleihen, und mir vorzuenthalten? Könnte ihr jemand darum hofiren, eh' er entstund? Oder sie beleidigen, eh' er selbst wurde? Warum gieng sie so partheylich zu Werke? Nein! Nein! Ich thu' ihr Unrecht. Gab sie uns doch Erfindungsgeist mit, setzte uns nackt und armselig ans Ufer dieses großen Ozeans, ~Welt~ -- Schwimme, wer schwimmen kann, und wer plump ist, geht unter! Sie gab mir nichts mit; wozu ich mich machen will, das ist nun meine Sache. Jeder hat gleiches Recht zum Grösten und Kleinsten, Anspruch wird an Anspruch, Trieb an Trieb, und Kraft an Kraft zernichtet. Das Recht wohnet beim Ueberwältiger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze. Wohl gibt es gewisse gemeinschaftliche Pakta, die man geschlossen hat, die Pulse des Weltcirkels zu treiben. Ehrlicher Name! -- Wahrhaftig eine reichhaltige Münze, mit der sich meisterlich schachern läßt, wer's versteht, sie gut auszugeben. Gewissen, -- o ja, freilich! ein tüchtiger Lumpenmann, Sperlinge von Kirschbäumen wegzuschröcken! -- auch das ein gut geschriebener Wechselbrief, mit dem auch der Bankerotirer zur Noth noch hinauslangt. In der That sehr lobenswürdige Anstalten, die Narren im Respekt und den Pöbel unter dem Pantoffel zu halten, damit die Gescheiden es desto bequemer haben. Ohne Anstand, recht schnackische Anstalten! Kommen mir für, wie die Hecken, die meine Bauren gar schlau um ihre Felder herumführen, daß ja kein Haase drüber setzt, ja beileibe kein Haase! -- Aber der gnädige Herr gibt seinem Rappen den Sporn, und galoppirt weich über der weiland Aerndte. Armer Haase! Es ist doch eine jämmerliche Rolle, der Haase seyn müssen auf dieser Welt -- Aber der gnädige Herr braucht Haasen! Also frisch drüber hinweg! Wer nichts fürchtet, ist nicht weniger mächtig, als der, den alles fürchtet. Es ist itzo die Mode, Schnallen an den Beinkleidern zu tragen, womit man sie nach Belieben weiter und enger schnürt. Wir wollen uns ein Gewissen nach der neuesten Façon anmessen lassen, um es hübsch weiter aufzuschnallen, wie wir zulegen. Was können wir dafür? Geht zum Schneider! Ich habe Langes und Breites von einer sogenannten ~Blutliebe~ schwatzen gehört, das einem ordentlichen Hausmann den Kopf heiß machen könnte -- Das ist dein Bruder! -- das ist verdollmetscht: Er ist aus eben dem Ofen geschossen worden, aus dem du geschossen bist -- also sey er dir heilig! -- Merkt doch einmal diese verzwickte Consequenz, diesen possierlichen Schluß von der Nachbarschaft der Leiber auf die Harmonie der Geister; von eben derselben Heimath zu eben derselben Empfindung; von einerley Kost zu einerley Neigung. Aber weiter -- es ist dein Vater! Er hat dir das Leben gegeben, du bist sein Fleisch, sein Blut -- also sey er dir heilig. Wiederum eine schlaue Consequenz! Ich möchte doch fragen, ~warum~ hat er mich gemacht? doch wohl nicht gar aus Liebe zu mir, der erst ein ~Ich~ werden sollte? Hat er mich gekannt, ehe er mich machte? Oder hat er an mich gedacht, wie er mich machte? Oder hat er mich gewünscht, da er mich machte? Wußte er, was ich werden würde? das wollt' ich ihm nicht rathen, sonst möcht' ich ihn dafür strafen, daß er mich doch gemacht hat? Kann ich's ihm Dank wissen, daß ich ein Mann wurde? So wenig, als ich ihn verklagen könnte, wenn er ein Weib aus mir gemacht hätte. Kann ich eine Liebe erkennen, die sich nicht auf Achtung gegen mein ~Selbst~ gründet? Konnte Achtung gegen mein Selbst vorhanden seyn, das erst dadurch entstehen sollte, davon es die Voraussetzung seyn muß? Wo stickt dann nun das Heilige? Etwa im Aktus selber, durch den ich entstund? -- Als wenn dieser etwas mehr wäre, als viehischer Proceß zur Stillung viehischer Begierden? Oder stickt es vielleicht im Resultat dieses Aktus, der doch nichts ist, als eiserne Nothwendigkeit, die man so gern wegwünschte, wenn's nicht auf Unkosten von Fleisch und Blut geschehen müßte. Soll ich ihm etwa darum gute Worte geben, daß er mich liebt? das ist eine Eitelkeit von ihm, die Schoossünde aller Künstler, die sich in ihrem Werk kokettiren, wär' es auch noch so häßlich. -- Sehet also, das ist die ganze Hexerey, die ihr in einen heiligen Nebel verschleyert, unsre Furchtsamkeit zu mißbrauchen. Soll auch ich mich dadurch gängeln lassen, wie einen Knaben? Frisch also! muthig an's Werk! -- Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt, daß ich nicht ~Herr~ bin. ~Herr~ muß ich seyn, daß ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht. (_ab_) Zweite Scene. Schenke an den Gränzen von Sachsen. Karl von Moor (_in ein Buch vertieft._) Spiegelberg (_trinkend am Tisch._) ~Karl v. Moor~ (_legt das Buch weg._) Mir eckelt vor diesem Tintenkleksenden Seculum, wenn ich in meinem Plutarch lese von großen Menschen. ~Spiegelberg~ (_stellt ihm ein Glas hin, und trinkt._) Den Josephus mußt du lesen. ~Moor.~ Der lohe Lichtfunke Prometheus ist ausgebrannt, dafür nimmt man itzt die Flamme von Berlappenmehl -- Theaterfeuer, das keine Pfeife Tabak anzündet. Da krabbeln sie nun, wie die Ratten auf der Keule des Herkules, und studiren sich das Mark aus dem Schädel, was das für ein Ding sey, das er in seinen Hoden geführt hat? Ein französischer Abbé docirt, Alexander sey ein Haasenfuß gewesen, ein schwindsüchtiger Professor hält sich bei jedem Wort ein Fläschgen Salmiakgeist vor die Nase, und liest ein Collegium über die ~Kraft~. Kerls, die in Ohnmacht fallen, wenn sie einen Buben gemacht haben, kritteln über die Taktik des Hannibals -- feuchtohrige Buben fischen Phrases aus der Schlacht bei Kannä, und greinen über die Siege des Scipio, weil sie sie exponiren müssen. ~Spiegelberg.~ Das ist ja recht Alexandrinisch geflännt. ~Moor.~ Schöner Preiß für euren Schweiß in der Feldschlacht, daß ihr jetzt in Gymnasien lebet, und eure Unsterblichkeit in einem Bücherriemen mühsam fortgeschleppt wird. Kostbarer Ersatz eures verpraßten Blutes, von einem Nürnberger Krämer um Lebkuchen gewickelt -- oder, wenn's glücklich geht, von einem französischen Tragödienschreiber auf Stelzen geschraubt, und mit Drahtfäden gezogen zu werden. Hahaha! ~Spiegelberg~ (_trinkt._) Lies den Josephus, ich bitte dich drum. ~Moor.~ Pfui! Pfui über das schlappe Kastraten-Jahrhundert, zu nichts nütze, als die Thaten der Vorzeit wiederzukäuen, und die Helden des Alterthums mit Kommentationen zu schinden und zu verhunzen mit Trauerspielen. Die Kraft seiner Lenden ist versiegen gegangen, und nun muß Bierhefe den Menschen fortpflanzen helfen. ~Spiegelberg.~ Thee, Bruder, Thee! ~Moor.~ Da verrammeln sie sich die gesunde Natur mit abgeschmakten Conventionen, haben das Herz nicht, ein Glas zu leeren, weil sie Gesundheit dazu trinken müssen -- beleken den Schuhputzer, daß er sie vertrete bei Ihro Gnaden, und hudeln den armen Schelm, den sie nicht fürchten. Vergöttern sich um ein Mittagessen, und möchten einander vergiften um ein Unterbett, das ihnen beim Aufstreich überboten wird. -- Verdammen den Sadduzäer, der nicht fleißig genug in die Kirche kommt, und berechnen ihren Judenzins am Altare -- fallen auf die Knie, damit sie ja ihren Schlamp ausbreiten können -- wenden kein Aug von dem Pfarrer, damit sie sehen, wie seine Perücke frisirt ist. -- Fallen in Ohnmacht, wenn sie eine Gans bluten sehen, und klatschen in die Hände, wenn ihr Nebenbuhler bankerott von der Börse geht -- -- So warm ich ihnen die Hand drückte -- »nur noch einen Tag« -- Umsonst! -- Ins Loch mit dem Hund! -- Bitten! Schwüre! Thränen (_auf den Boden stampfend._) Hölle und Teufel! ~Spiegelberg.~ Und um so ein paar tausend lausige Dukaten -- ~Moor.~ Nein, ich mag nicht daran denken. Ich soll meinen Leib pressen in eine Schnürbrust, und meinen Willen schnüren in Gesetze. Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre. Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freyheit brütet Kolosse und Extremitäten aus. Sie verpallisadiren sich ins Bauchfell eines Tyrannen, hofiren der Laune seines Magens, und lassen sich klemmen von seinen Winden. -- Ah! daß der Geist Herrmanns noch in der Asche glimmte! -- Stelle mich vor ein Heer Kerls, wie ich, und aus Deutschland soll eine Republik werden, gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster seyn sollen. (_Er wirft den Degen auf den Tisch, und steht auf._) ~Spiegelberg~ (_aufspringend._) Bravo! Bravissimo! du bringst mich eben recht auf das Chapitre. Ich will dir was in's Ohr sagen, Moor, das schon lang mit mir umgeht, und du bist der Mann dazu -- sauf Bruder, sauf -- wie wär's, wenn wir Juden würden, und das Königreich wieder auf's Tapet brächten? ~Moor~ (_lacht aus vollem Halse._) Ah! Nun merk' ich -- nun merk' ich -- du willst die Vorhaut aus der Mode bringen, weil der Barbier die deinige schon hat? ~Spiegelberg.~ Daß dich, Bärenhäuter! Ich bin freylich wunderbarerweis schon voraus beschnitten. Aber sag, ist das nicht ein schlauer und herzhafter Plan? Wir lassen ein Manifest ausgehen in alle vier Enden der Welt, und citiren nach Palästina, was kein Schweinefleisch ißt. Da beweis ich nun durch triftige Dokumente, Herodes, der Vierfürst, sey mein Großahnherr gewesen, und so ferner. Das wird ein Viktoria abgeben, Kerl, wenn sie wieder in's Trockene kommen, und Jerusalem wieder aufbauen dörfen. Itzt frisch mit den Türken aus Asien, weil's Eisen noch warm ist, und Cedern gehauen aus dem Libanon, und Schiffe gebaut, und geschachert mit alten Borten und Schnallen das ganze Volk. Mittlerweile -- ~Moor~ (_nimmt ihn lächelnd bei der Hand._) Kamerad! Mit den Narrenstreichen ist's nun am Ende. ~Spiegelberg~ (_stutzig._) Pfui, du wirst doch nicht gar den verlorenen Sohn spielen wollen? Ein Kerl, wie du, der mit dem Degen mehr auf die Gesichter gekritzelt hat, als drei Substituten in einem Schaltjahr in's Befehlbuch schreiben! Soll ich dir von der großen Hundsleiche vorerzählen? ha! ich muß nur dein eigenes Bild wieder vor dich rufen, das wird Feuer in deine Adern blasen, wenn dich sonst nichts mehr begeistert. Weißt du noch, wie die Herren vom Collegio deiner Dogge das Bein hatten abschiessen lassen, und du zur Revange liessest ein Fasten ausschreiben in der ganzen Stadt. Man schmollte über dein Rescript. Aber du nicht faul, lässest alles Fleisch aufkaufen in ganz L.., daß in acht Stund kein Knoch mehr zu nagen ist in der ganzen Rundung, und die Fische anfangen im Preiße zu steigen. Magistrat und Bürgerschaft düsselten Rache. Wir Pursche frisch heraus zu siebzehnhundert, und du an der Spitze, und Mezger und Schneider und Krämer hinterher, und Wirth und Barbierer und alle Zünfte, und fluchen, Sturm zu laufen wider die Stadt, wenn man den Purschen ein Haar krümmen wollte. Da gieng's aus, wie's Schiessen zu Hornberg, und mußten abziehen mit langer Nase. Du lässest Doktores kommen ein ganzes Concilium, und botst drei Dukaten, wer dem Hund ein Recept schreiben würde. Wir sorgten, die Herren werden zuviel Ehr im Leib haben und ~Nein~ sagen, und hattens schon verabredt, sie zu forciren. Aber das war unnöthig, die Herren schlugen sich um die drei Dukaten, und kam's im Abstreich herab auf drei Bazen, in einer Stund sind zwölf Recepte geschrieben, daß das Thier auch bald drauf verreckte. ~Moor.~ Schändliche Kerls! ~Spiegelberg.~ Der Leichenpomp wird veranstaltet in aller Pracht, Carmina gab's die schwere Meng' um den Hund, und zogen wir aus des Nachts gegen tausend, eine Laterne in der einen Hand, unsre Raufdegen in der andern, und so fort durch die Stadt mit Glockenspiel und Geklimper, bis der Hund beigesetzt war. Drauf gab's ein Fressen, das währt bis an den lichten Morgen, da bedanktest du dich bei den Herren für das herzliche Beileid, und liessest das Fleisch verkaufen ums halbe Geld. =Mort de ma vie=, da hatten wir dir Respekt, wie eine Garnison in einer eroberten Vestung -- ~Moor.~ Und du schämst dich nicht damit groß zu prahlen? Hast nicht einmal so viel Schaam, dich dieser Streiche zu schämen? ~Spiegelberg.~ Geh, geh. Du bist nicht mehr Moor. Weißt du noch, wie tausendmal du, die Flasche in der Hand, den alten Filzen hast aufgezogen, und gesagt: Er soll nur drauf los schaben und scharren, du wollest dir dafür die Gurgel absaufen. -- Weißt du noch? he? weißt du noch? O du heilloser, erbärmlicher Prahlhans! das war noch männlich gesprochen, und edelmännisch, aber -- ~Moor.~ Verflucht seyst du, daß du mich dran erinnerst! Verflucht ich, daß ich es sagte! Aber es war nur im Dampfe des Weins, und mein Herz hörte nicht, was meine Zunge prahlte. ~Spiegelberg~ (_schüttelt den Kopf._) Nein! nein! nein! das kann nicht seyn. Unmöglich, Bruder, das kann dein Ernst nicht seyn. Sag, Brüderchen, ist es nicht die Noth, die dich so stimmt? Komm, laß dir ein Stückchen aus meinen Bubenjahren erzählen. Da hatt' ich neben meinem Haus einen Graben, der, wie wenig, seine acht Schuh breit war, wo wir Buben uns in die Wette bemühten, hinüber zu springen. Aber das war umsonst. Pflumpf! lagst du, und ward ein Gezisch und Gelächter über dir, und wurdest mit Schneeballen geschmissen über und über. Neben meinem Haus lag eines Jägers Hund an einer Kette, eine so bißige Bestie, die dir die Mädels wie der Blitz am Rockzipfel hatte, wenn sie sichs versahn, und zu nah' dran vorbey strichen. Das war nun mein Seelengaudium, den Hund überall zu necken, wo ich nur konnte, und wollt' halb krepiren vor Lachen, wenn mich dann das Luder so giftig anstierte, und so gern auf mich losgerannt wär', wenn's nur gekonnt hätte. -- Was geschieht? Ein andermal mach' ich's ihm auch wieder so, und werf' ihn mit einem Stein so derb an die Ripp', daß er vor Wuth von der Kette reißt, und auf mich dar, und ich, wie alle Donnerwetter, reiß aus, und davon -- Tausend Schwernoth! Da ist dir just der vermaledeyte Graben dazwischen. Was zu thun? Der Hund ist mir hart an den Fersen und wüthig, also kurz resolvirt -- ein Anlauf genommen -- drüben bin ich. Dem Sprung hatt' ich Leib und Leben zu danken; die Bestie hätte mich zu Schanden gerissen. ~Moor.~ Aber wozu itzt das? ~Spiegelberg.~ Dazu -- daß du sehen sollst, wie die Kräfte wachsen in der Noth. Darum laß ich mir's auch nicht bange seyn, wenn's auf's äusserste kommt. Der Muth wächst mit der Gefahr; die Kraft erhebt sich im Drang. Das Schicksal muß einen großen Mann aus mir haben wollen, weil's mir so queer durch den Weg streicht. ~Moor~ (_ärgerlich._) Ich wüßte nicht, wozu wir den Muth noch haben sollten, und noch nicht gehabt hätten. ~Spiegelberg.~ So? -- Und du willst also deine Gaben in dir verwittern lassen? Dein Pfund vergraben? Meynst du, deine Stinkereyen in Leipzig machen die Gränzen des menschlichen Witzes aus? Da laß uns erst in die große Welt kommen. Paris und London! -- wo man Ohrfeigen einhandelt, wenn man einen mit dem Namen eines ehrlichen Mannes grüßt. Da ist es auch ein Seelenjubilo, wenn man das Handwerk in's Große prakticirt. -- Du wirst gaffen! Du wirst Augen machen! Wart, und wie man Handschriften nachmacht, Würfel verdreht, Schlösser aufbricht, und den Koffern das Eingeweid ausschüttet -- das sollst du noch von Spiegelberg lernen! Die Kanaille soll man an den nächsten besten Galgen knüpfen, die bei ~geraden~ Fingern verhungern will. ~Moor~ (_zerstreut._) Wie? du hast es wohl gar noch weiter gebracht? ~Spiegelberg.~ Ich glaube gar, du setzest ein Mißtrauen in mich. Wart, laß mich erst warm werden; du sollst Wunder sehen, dein Gehirnchen soll sich im Schädel umdrehen, wenn mein kreisender Witz in die Wochen kommt. -- (_steht auf, hitzig._) Wie es sich aufhellt in mir! Große Gedanken dämmern auf in meiner Seele! Riesenplane gähren in meinem schöpfrischen Schedel. Verfluchte Schlafsucht! (_Sich vor'n Kopf schlagend._) die bisher meine Kräfte in Ketten schlug, meine Aussichten sperrte und spannte; ich erwache, fühle, wer ich bin -- wer ich werden muß! ~Moor.~ Du bist ein Narr. Der Wein bramarbasirt aus deinem Gehirne. ~Spiegelberg~ (_hitziger._) Spiegelberg, wird es heissen, kannst du hexen, Spiegelberg? Es ist Schade, daß du kein General worden bist, Spiegelberg, wird der König sagen, du hättest die Oestreicher durch ein Knopfloch gejagt. Ja, hör' ich die Doktors jammern, es ist unverantwortlich, daß der Mann nicht die Medizin studirt hat, er hätte ein neues Kropfpulver erfunden. Ach! und daß er das Kamerale nicht zum Fach genommen hat, werden die Sully's in ihren Kabinetten seufzen, er hätte aus Steinen Louisd'ore hervorgezaubert. Und Spiegelberg wird es heissen in Osten und Westen, und in den Koth mit euch, ihr Memmen, ihr Kröten, indeß Spiegelberg mit ausgespreiteten Flügeln zum Tempel des Nachruhms empor fliegt. ~Moor.~ Glück auf den Weg! Steig du auf Schandsäulen zum Gipfel des Ruhms. Im Schatten meiner väterlichen Haine, in den Armen meiner Amalia lockt mich ein edler Vergnügen. Schon die vorige Woche hab' ich meinem Vater um Vergebung geschrieben, hab' ihm nicht den kleinsten Umstand verschwiegen, und wo Aufrichtigkeit ist, ist auch Mitleid und Hilfe. Laß uns Abschied nehmen, Moriz. Wir sehen uns heut und nie mehr. Die Post ist angelangt. Die Verzeihung meines Vaters ist schon innerhalb dieser Stadtmauren. Schweizer. Grimm. Roller. Schufterle. Razmann (_treten auf._) ~Roller.~ Wißt ihr auch, daß man uns auskundschaftet? ~Grimm.~ Daß wir keinen Augenblick sicher sind, aufgehoben zu werden? ~Moor.~ Mich wundert's nicht. Es gehe, wie es will! sah't ihr den Schwarz nicht? sagt er euch von keinem Brief, den er an mich hätte? ~Roller.~ Schon lang sucht er dich, ich vermuthe so etwas. ~Moor.~ Wo ist er, wo, wo? (_will eilig fort._) ~Roller.~ Bleib! wir haben ihn hieher beschieden. Du zitterst? -- ~Moor.~ Ich zittre nicht. Warum sollt' ich auch zittern? Kameraden! dieser Brief -- freut euch mit mir! Ich bin der Glücklichste unter der Sonne, warum sollt' ich zittern? Schwarz (_tritt auf._) ~Moor~ (_fliegt ihm entgegen._) Bruder, Bruder, den Brief! den Brief! ~Schwarz~ (_giebt ihm den Brief, den er hastig aufbricht._) Was ist dir? wirst du nicht wie die Wand? ~Moor.~ Meines Bruders Hand! ~Schwarz.~ Was treibt denn der Spiegelberg? ~Grimm.~ Der Kerl ist unsinnig. Er macht Gestus wie beim Sanct Veits-Tanz. ~Schufterle.~ Sein Verstand geht im Ring herum. Ich glaub' er macht Verse. ~Razmann.~ Spiegelberg! He Spiegelberg! -- Die Bestie hört nicht. ~Grimm~ (_schüttelt ihn._) Kerl! träumst du, oder? -- ~Spiegelberg~ (_der sich die ganze Zeit über mit den Pantomimen eines Projektmachers im Stubeneck abgearbeitet hat, springt wild auf._) =La Bourse ou la vie!= (_und packt Schweizern an der Gurgel, der ihn gelassen an die Wand wirft, -- Moor läßt den Brief fallen, und rennt hinaus. Alle fahren auf._) ~Roller~ (_ihm nach._) Moor! wonaus, Moor? was beginnst du? ~Grimm.~ Was hat er, was hat er? Er ist bleich wie die Leiche. ~Schweizer.~ Das müssen schöne Neuigkeiten seyn! Laß doch sehen! ~Roller~ (_nimmt den Brief von der Erde, und liest._) »Unglücklicher Bruder!« der Anfang klingt lustig. »Nur kürzlich muß ich dir melden, daß deine Hoffnung vereitelt ist -- du sollst hingehen, läßt dir der Vater sagen, wohin dich deine Schandthaten führen. Auch, sagt er, werdest du dir keine Hoffnung machen, jemals Gnade zu seinen Füssen zu erwimmern, wenn du nicht gewärtig seyn wollest, im untersten Gewölb seiner Thürme mit Wasser und Brod so lang traktirt zu werden, bis deine Haare wachsen wie Adlers-Federn, und deine Nägel wie Vogelsklauen werden. Das sind seine eigene Worte. Er befiehlt mir, den Brief zu schliessen. Leb wohl auf ewig! Ich bedaure dich -- ~Franz~ von ~Moor~.« ~Schweizer.~ Ein zuckersüsses Brüdergen! In der That! -- Franz heißt die Kanaille? ~Spiegelberg.~ (_sachte herbey schleichend._) Von Wasser und Brod ist die Rede? Ein schönes Leben! Da hab ich anders für euch gesorgt! Sagt' ichs nicht, ich müßt' am Ende für euch alle denken? ~Schweizer.~ Was sagt der Schafskopf? der Esel will für uns alle denken? ~Spiegelberg.~ Haasen, Krüppel, lahme Hunde seyd ihr alle, wenn ihr das Herz nicht habt, etwas Grosses zu wagen! ~Roller.~ Nun, das wären wir freylich, du hast recht -- aber wird es uns auch aus dieser vermaledeyten Lage reissen, was du wagen wirst? wird es? -- ~Spiegelberg~ (_mit einem stolzen Gelächter._) Armer Tropf! aus dieser Lage reissen? hahaha! -- aus dieser Lage reissen? -- und auf mehr raffinirt dein Fingerhut voll Gehirn nicht? und damit trabt deine Mähre zum Stalle? Spiegelberg müßte ein Hundsvott seyn, wenn er mit dem nur anfangen wollte. Zu Helden, sag ich dir, zu Freyherrn, zu Fürsten, zu Göttern wirds euch machen! ~Razmann.~ Das ist viel auf einen Hieb, wahrlich! Aber es wird wohl eine halsbrechende Arbeit seyn, den Kopf wirds wenigstens kosten. ~Spiegelberg.~ Es will nichts als Muth, denn was den Witz betrifft, den nehm ich ganz über ~mich~. Muth, sag ich, Schweizer! Muth, Roller, Grimm, Razmann, Schufterle! Muth! -- ~Schweizer.~ Muth? Wenn's nur das ist -- Muth hab ich genug um baarfuß mitten durch die Hölle zu gehn. ~Schufterle.~ Muth genug, mich unterm lichten Galgen mit dem leibhaftigen Teufel um einen armen Sünder zu balgen. ~Spiegelberg.~ So gefällt mir's! Wenn ihr Muth habt, tret einer auf, und sag: Er habe noch etwas zu verlieren, und nicht alles zu gewinnen! -- ~Schwarz.~ Wahrhaftig, da gäb's manches zu verlieren, wenn ich das verlieren wollte, was ich noch zu gewinnen habe! ~Razmann.~ Ja, zum Teufel! und manches zu gewinnen, wenn ich das gewinnen wollte, was ich nicht verlieren kann. ~Schufterle.~ Wenn ich das verlieren müßte, was ich auf Borgs auf dem Leibe trage, so hätt' ich allenfalls morgen nichts mehr zu verlieren. ~Spiegelberg.~ Also denn! (_Er stellt sich mitten unter sie mit beschwörendem Ton._) Wenn noch ein Tropfen deutschen Heldenbluts in euren Adern rinnt -- kommt! Wir wollen uns in den böhmischen Wäldern niederlassen, dort eine Räuberbande zusammen ziehen, und -- Was gafft ihr mich an? -- ist euer Bisgen Muth schon verdampft? ~Roller.~ Du bist wohl nicht der erste Gauner, der über den hohen Galgen weggesehen hat -- und doch -- Was hätten wir sonst noch für eine Wahl übrig? ~Spiegelberg.~ Wahl? Was? nichts habt ihr zu wählen! Wollt ihr im Schuldthurm stecken, und zusammenschnurren, bis man zum jüngsten Tag posaunt? Wollt ihr euch mit der Schaufel und Haue um einen Bissen trocken Brod abquälen? Wollt ihr an der Leute Fenster mit einem Bänkelsänger-Lied ein mageres Allmosen erpressen? oder wollt ihr zum Kalbsfell schwören -- und da ist erst noch die Frage, ob man euren Gesichtern traut -- und dort unter der milzsüchtigen Laune eines gebieterischen Korporals das Fegfeuer zum voraus abverdienen? oder bey klingendem Spiel nach dem Takt der Trommel spatzieren gehn, oder im Gallioten-Paradies das ganze Eisen-Magazin Vulkans hinterherschleifen? Seht, das habt ihr zu wählen, da ist es beysammen, was ihr wählen könnt! ~Roller.~ So unrecht hat der Spiegelberg eben nicht. Ich hab auch meine Plane schon zusammen gemacht, aber sie treffen endlich auf eins. Wie wär's, dacht' ich, wenn ihr euch hinsetztet, und ein Taschenbuch oder einen Almanach, oder so was ähnlichs zusammensudeltet, und um den lieben Groschen recensirtet, wie's wirklich Mode ist? ~Schufterle.~ Zum Henker! ihr rathet nah zu meinen Projekten. Ich dachte bey mir selbst, wie wenn du ein Pietist würdest, und wöchentlich deine Erbauungsstunden hieltest? ~Grimm.~ Getroffen! und wenn das nicht geht, ein Atheist! Wir könnten die vier Evangelisten auf's Maul schlagen, liessen unser Buch durch den Schinder verbrennen, und so gieng's reissend ab. ~Razmann.~ Oder zögen wir wider die Franzosen zu Felde -- ich kenne einen Doktor, der sich ein Haus von purem Quecksilber gebauet hat, wie das Epigramm auf der Hausthüre lautet. ~Schweizer.~ (_Steht auf und gibt Spiegelberg die Hand._) Moriz, du bist ein grosser Mann! -- oder es hat ein blindes Schwein eine Eichel gefunden. ~Schwarz.~ Vortreffliche Plane! honnete Gewerbe! Wie doch die grossen Geister sympathisiren! Izt fehlte nur noch, daß wir Weiber und Kupplerinnen würden, oder gar unsere Jungferschaft zu Markte trieben. ~Spiegelberg.~ Possen, Possen! Und was hinderts, daß ihr nicht das meiste in einer Person seyn könnt? Mein Plan wird euch immer am höchsten poussiren, und da habt ihr noch Ruhm und Unsterblichkeit! Seht arme Schlucker! Auch so weit muß man hinausdenken! Auch auf den Nachruhm, das süsse Gefühl von Unvergeßlichkeit -- ~Roller.~ Und oben an in der Liste der ehrlichen Leute! Du bist ein Meister-Redner, Spiegelberg, wenn's drauf ankommt, aus einem ehrlichen Mann einen Hollunken zu machen -- Aber sag doch einer, wo der Moor bleibt? -- ~Spiegelberg.~ Ehrlich, sagst du? Meynst du, du seyst nachher weniger ehrlich, als du izt bist? Was heist du ehrlich? Reichen Filzen ein Drittheil ihrer Sorgen vom Hals schaffen, die ihnen nur den goldnen Schlaf verscheuchen, das stockende Geld in Umlauf bringen, das Gleichgewicht der Güter wieder herstellen, mit einem Wort, das goldne Alter wieder zurückrufen, dem lieben Gott von manchem lästigen Kostgänger helfen, ihm Krieg, Pestilenz, theure Zeit und ~Doktors~ ersparen -- siehst du, das heiß ich ehrlich seyn, das heiß ich ein würdiges Werkzeug in der Hand der Vorsehung abgeben, -- und so bey jedem Braten, den man ißt, den schmeichelhaften Gedanken zu haben: den haben dir deine Finten, dein Löwenmuth, deine Nachtwachen erworben -- von groß und klein respektirt zu werden -- ~Roller.~ Und endlich gar bey lebendigem Leibe gen Himmel fahren, und trotz Sturm und Wind, trotz dem gefrässigen Magen der alten Urahne Zeit unter Sonn und Mond und allen Fixsternen schweben, wo selbst die unvernünftigen Vögel des Himmels, von edler Begierde herbeygelockt, ihr himmlisches Koncert musiciren, und die Engel mit Schwänzen ihr hochheiliges Synedrium halten? Nicht wahr? -- und wenn Monarchen und Potentaten von Motten und Würmern verzehrt werden, die Ehre haben zu dürfen, von Jupiters königlichem Vogel Visiten anzunehmen? -- Moriz, Moriz, Moriz! nimm dich in Acht! nimm dich in Acht, vor dem dreybeinigten Thiere! ~Spiegelberg.~ Und das schröckt dich, Hasenherz? ist doch schon manches Universal-Genie, das die Welt hätte reformiren können, auf dem Schind-Anger verfault, und spricht man nicht von so einem Jahrhunderte, Jahrtausende lang, da mancher König und Kurfürst in der Geschichte überhüpft würde, wenn sein Geschichtschreiber die Lücke in der Successions-Leiter nicht scheute, und sein Buch dadurch nicht um ein paar Oktavseiten gewönne, die ihm der Verleger mit baarem Gelde bezahlt -- Und wenn dich der Wanderer so hin und her fliegen sieht im Winde -- der muß auch kein Wasser im Hirn gehabt haben, brummt er in den Bart, und seufzt über die elenden Zeiten. ~Schweizer.~ (_klopft ihn auf die Achsel._) Meisterlich, Spiegelberg! Meisterlich! Was, zum Teufel, steht ihr da, und zaudert? ~Schwarz.~ Und laß es auch ~Prostitution~ heissen -- Was folgt weiter? Kann man nicht auf den Fall immer ein Pülverchen mit sich führen, das einen so im stillen übern Acheron fördert, wo kein Hahn darnach kräht! Nein, Bruder Moriz! dein Vorschlag ist gut. So lautet auch mein Katechismus. ~Schufterle.~ Blitz! Und der meine nicht minder. Spiegelberg, du hast mich geworben! ~Razmann.~ Du hast, wie ein anderer Orpheus, die heulende Bestie, mein Gewissen, in den Schlaf gesungen. Nimm mich ganz, wie ich da bin. ~Grimm.~ =Si omnes consentiunt ego non dissentio.= Wohlgemerkt ohne Komma. Es ist ein Aufstreich in meinem Kopf; Pietisten -- Quacksalber -- Rezensenten und Gauner. Wer am meisten bietet, der hat mich. Nimm diese Hand, Moriz. ~Roller.~ Und auch du Schweizer? (_gibt Spiegelberg die rechte Hand._) Also verpfänd ich meine Seele dem Teufel. ~Spiegelberg.~ Und deinen Namen den Sternen! was liegt daran, wohin auch die Seele fährt? Wenn Schaaren vorausgesprengter Kuriere unsere Niederfahrt melden, daß sich die Satane festtäglich herausputzen, sich den tausendjährigen Ruß aus den Wimpern stäuben, und Myriaden gehörnter Köpfe aus der rauchenden Mündung ihrer Schwefel-Kamine hervorwachsen, unsern Einzug zu sehen? Kameraden! (_aufgesprungen_) frisch auf! Kameraden! was in der Welt wiegt diesen Rausch des Entzückens auf? Kommt Kameraden! ~Roller.~ Sachte nur! Sachte! wohin? das Thier muß auch seinen Kopf haben, Kinder. ~Spiegelberg.~ (_Giftig._) Was predigt der Zauderer? Stand nicht der Kopf schon, eh noch ein Glied sich regte? folgt Kameraden! ~Roller.~ Gemach sag ich. Auch die Freyheit muß ihren Herrn haben. Ohne Oberhaupt gieng Rom und Sparta zu Grunde. ~Spiegelberg.~ (_Geschmeidig._) Ja -- haltet -- Roller sagt recht. Und das muß ein erleuchteter Kopf seyn. Versteht ihr? Ein feiner politischer Kopf muß das seyn. Ja! wenn ich mir's denke, was ihr vor einer Stunde waret, was ihr izt seyd, -- durch Einen glücklichen Gedanken seyd -- Ja freylich, freylich, müßt ihr einen =Chef= haben -- Und wer diesen Gedanken entsponnen, sagt, muß das nicht ein erleuchteter politischer Kopf seyn? ~Roller.~ Wenn sich's hoffen ließe -- träumen ließe -- Aber ich fürchte, er wird es nicht thun. ~Spiegelberg.~ Warum nicht? Sag's kek heraus, Freund! -- So schwer es ist, das kämpfende Schiff gegen die Winde zu lenken, so schwer sie auch drückt die Last der Kronen -- Sag's unverzagt, Roller -- Vielleicht wird ers doch thun. ~Roller.~ Und lek ist das Ganze, wenn er's nicht thut. Ohne den Moor sind wir Leib ohne Seele. ~Spiegelberg.~ (_Unwillig von ihm weg._) Stockfisch! ~Moor.~ (_tritt herein in wilder Bewegung, und läuft heftig im Zimmer auf und nieder, mit sich selber._) ~Moor.~ Menschen -- Menschen! falsche, heuchlerische Krokodilbrut! Ihre Augen sind Wasser! Ihre Herzen sind Erz! Küsse auf den Lippen! Schwerter im Busen! Löwen und Leoparde füttern ihre Jungen, Raben tischen ihren Kleinen auf dem Aas, und Er, Er -- Bosheit hab ich dulden gelernt, kann dazu lächeln, wenn mein erboster Feind mir mein eigen Herzblut zutrinkt -- aber wenn Blutliebe zur Verrätherinn, wenn Vaterliebe zur Megäre wird; o so fange Feuer, männliche Gelassenheit, verwilde zum Tyger, sanftmüthiges Lamm, und jede Faser recke sich auf zum Grimm und Verderben! ~Roller.~ Höre Moor! Was denkst du davon? Ein Räuberleben ist doch auch besser, als bey Wasser und Brod im untersten Gewölbe der Thürme? ~Moor.~ Warum ist dieser Geist nicht in einen Tyger gefahren, der sein wüthendes Gebiß in Menschenfleisch haut? Ist das Vatertreue? Ist das Liebe für Liebe? Ich möchte ein Bär seyn, und die Bären des Nordlands wider dies mörderische Geschlecht anhetzen -- Reue, und keine Gnade! -- Oh ich möchte den Ocean vergiften, daß sie den Tod aus allen Quellen saufen! Vertrauen, unüberwindliche Zuversicht, und kein Erbarmen! ~Roller.~ So höre doch, Moor, was ich dir sage! ~Moor.~ Es ist unglaublich, es ist ein Traum, eine Täuschung -- So eine rührende Bitte, so eine lebendige Schilderung des Elends und der zerfliessenden Reue -- die wilde Bestie wär' in Mitleid zerschmolzen! Steine hätten Thränen vergossen, und doch -- man würde es für ein boshaftes Pasquill auf's Menschengeschlecht halten, wenn ich's aussagen wollte -- und doch, doch -- oh daß ich durch die ganze Natur das Horn des Aufruhrs blasen könnte, Luft, Erde und Meer wider das Hyänen-Gezücht in's Treffen zu führen! ~Grimm.~ Höre doch, höre! vor Rasen hörst du ja nicht. ~Moor.~ Weg, weg von mir! Ist dein Name nicht Mensch? Hat dich das Weib nicht gebohren? -- Aus meinen Augen du mit dem Menschengesicht! -- Ich hab ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein Sohn, ich hätte tausend Leben für ihn -- (_schäumend auf die Erde stampfend._) ha! -- wer mir itzt ein Schwerdt in die Hand gäbe, dieser Otternbrut eine brennende Wunde zu versetzen! wer mir sagte: wo ich das Herz ihres Lebens erzielen, zermalmen, zernichten -- Er sey mein Freund, mein Engel, mein Gott -- ich will ihn anbeten! ~Roller.~ Eben diese Freunde wollen ja wir seyn, laß dich doch weisen! ~Schwarz.~ Komm mit uns in die böhmischen Wälder! Wir wollen eine Räuberbande sammeln, und du -- (_Moor stiert ihn an._) ~Schweizer.~ Du sollst unser Hauptmann seyn! du must unser Hauptmann seyn! ~Spiegelberg~ (_wirft sich wild in einen Sessel._) Sklaven und Memmen! ~Moor.~ Wer blies dir das Wort ein? Höre, Kerl! (_indem er Rollern hart ergreift_) das hast du nicht aus deiner Menschenseele hervorgeholt! wer blies dir das Wort ein? Ja, bey dem tausendarmigen Tod! das wollen wir, das müssen wir! der Gedanke verdient Vergötterung -- ~Räuber~ und ~Mörder~! -- So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauptmann! ~Alle~ (_mit lärmendem Geschrey._) Es lebe der Hauptmann! ~Spiegelberg~ (_aufspringend, vor sich._) Bis ich ihm hinhelfe! ~Moor.~ Siehe, da fällts wie der Staar von meinen Augen! was für ein Thor ich war, daß ich in's Keficht zurückwollte! -- Mein Geist dürstet nach Thaten, mein Athem nach Freyheit, -- ~Mörder, Räuber!~ -- mit diesem Wort war das Gesetz unter meine Füße gerollt -- Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, da ich an Menschheit appellirte, weg dann von mir Sympathie und menschliche Schonung! -- Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, daß mir jemals etwas theuer war! -- Kommt, kommt! -- Oh ich will mir eine fürchterliche Zerstreuung machen -- es bleibt dabey, ich bin euer Hauptmann! und Glück zu dem Meister unter euch, der am wildesten sengt, am gräßlichsten mordet, denn ich sage euch, er soll königlich belohnet werden -- tretet her um mich ein jeder, und schwöret mir Treu und Gehorsam zu bis in den Tod! -- schwört mir das bey dieser männlichen Rechte. ~Alle~ (_geben ihm die Hand._) Wir schwören dir Treu und Gehorsam bis in den Tod! ~Moor.~ Nun und bey dieser männlichen Rechte! schwör ich euch hier, treu und standhaft euer Hauptmann zu bleiben bis in den Tod! Den soll dieser Arm gleich zur Leiche machen, der jemals zagt oder zweifelt, oder zurücktritt! Ein gleiches widerfahre mir von jedem unter euch, wenn ich meinen Schwur verletze! Seyd ihr's zufrieden? (_Spiegelberg läuft wüthend auf und nieder._) ~Alle~ (_mit aufgeworfenen Hüten._) Wir sind's zufrieden. ~Moor.~ Nun dann, so laßt uns geh'n! Fürchtet euch nicht vor Tod und Gefahr, denn über uns waltet ein unbeugsames Fatum! Jeden ereilet endlich sein Tag, es sey auf dem weichen Kissen von Pflaum, oder im rauhen Gewühl des Gefechtes, oder auf offenem Galgen und Rad! Eins davon ist unser Schicksal! (Sie gehen ab.) ~Spiegelberg~ (_ihnen nachsehend, nach einer Pause._) Dein Register hat ein Loch. Du hast das Gift weggelassen. (_Ab_) Dritte Scene. Im Moorischen Schloß, Amaliens Zimmer. Franz. Amalia. ~Franz.~ Du siehst weg, Amalia? verdien ich weniger, als der, den der Vater verflucht hat? ~Amalia.~ Weg! -- ha des liebevollen barmherzigen Vaters, der seinen Sohn Wölffen und Ungeheuern Preis gibt! daheim labt er sich mit süssem köstlichem Wein, und pflegt seiner morschen Glieder in Kissen von Eider, während sein groser herrlicher Sohn darbt -- schämt euch, ihr Unmenschen! schämt euch, ihr Drachenseelen, ihr Schande der Menschheit! -- seinen einzigen Sohn! ~Franz.~ Ich dächte, er hätt ihrer zween. ~Amalia.~ Ja, er verdient solche Söhne zu haben, wie du bist. Auf seinem Todbett wird er umsonst die welken Hände ausstrecken nach seinem Karl, und schaudernd zurückfahren, wenn er die eiskalte Hand seines Franzens faßt -- oh es ist süß, es ist köstlich süß, von deinem Vater verflucht zu werden! Sprich Franz, liebe brüderliche Seele! was muß man thun, wenn man von ihm verflucht seyn will? ~Franz.~ Du schwärmst, meine Liebe, du bist zu bedauren. ~Amalia.~ O ich bitte dich -- bedauerst du deinen Bruder? -- Nein Unmensch, du hassest ihn! du hassest mich doch auch? ~Franz.~ Ich liebe dich wie mich selbst, Amalia. ~Amalia.~ Wenn du mich liebst, kannst du mir wohl eine Bitte abschlagen? ~Franz.~ Keine, keine! wenn sie nicht mehr ist als mein Leben. ~Amalia.~ O, wenn das ist! Eine Bitte, die du so leicht, so gern erfüllen wirst (_stolz._) -- Hasse mich! Ich müßte feuerroth werden vor Scham, wenn ich an Karln denke, und mir eben einfiel, daß du mich nicht hassest. Du versprichst mir's doch? -- Itzt geh, und laß mich, ich bin so gern allein! ~Franz.~ Allerliebste Träumerinn! wie sehr bewundere ich dein sanftes liebevolles Herz, (_ihr auf die Brust klopfend._) Hier, hier herrschte Karl wie ein Gott in seinem Tempel, Karl stand vor dir im Wachen, Karl regierte in deinen Träumen, die ganze Schöpfung schien dir nur in den einzigen zu zerfliessen, den einzigen wiederzustralen, den einzigen dir entgegen zu tönen. ~Amalia.~ (_bewegt._) Ja wahrhaftig, ich gesteh es. Euch Barbaren zum Trutz will ich's vor aller Welt gestehen -- ich lieb ihn! ~Franz.~ Unmenschlich, grausam! Diese Liebe so zu belohnen! Die zu vergessen -- ~Amalia.~ (_auffahrend._) Was, mich vergessen? ~Franz.~ Hattest du ihm nicht einen Ring an den Finger gesteckt? einen Diamantring zum Unterpfand deiner Treue! -- Freylich nun, wie kann auch ein Jüngling den Reitzen einer Metze Widerstand thun? Wer wird's ihm auch verdenken, da ihm sonst nichts mehr übrig war wegzugeben, -- und bezahlte sie ihn nicht mit Wucher dafür mit ihren Liebkosungen, ihren Umarmungen? ~Amalia~ (_aufgebracht._) Meinen Ring einer Metze? ~Franz.~ Pfui, pfui! das ist schändlich. Wohl aber, wenn's nur das wäre! -- Ein Ring, so kostbar er auch ist, ist im Grunde bey jedem Juden wieder zu haben -- vielleicht mag ihm die Arbeit daran nicht gefallen haben, vielleicht hat er einen schönern dafür eingehandelt. ~Amalia.~ (_heftig._) Aber ~meinen~ Ring -- ich sage ~meinen~ Ring? ~Franz.~ Keinen andern, Amalia -- ha! solch ein Kleinod, und an meinem Finger -- und von Amalia! -- von hier sollt' ihn der Tod nicht gerissen haben -- nicht wahr, Amalia? nicht die Kostbarkeit des Diamants, nicht die Kunst des Gepräges -- die Liebe macht seinen Werth aus -- Liebstes Kind, du weinest? Wehe über den, der diese köstliche Tropfen aus so himmlischen Augen preßt -- ach, und wenn du erst alles wüßtest, ihn selbst sähest, ihn unter der Gestalt sähest? -- ~Amalia.~ Ungeheuer! wie, unter welcher Gestalt? ~Franz.~ Stille, stille, gute Seele, frage mich nicht aus! (_wie vor sich, aber laut._) Wenn es doch wenigstens nur einen Schleyer hätte, das garstige Laster, sich dem Auge der Welt zu entstehlen! aber da blickts schrecklich durch den gelben bleyfarbenen Augenring; -- da verräth sichs im todenblassen eingefallenen Gesicht, und dreht die Knochen heßlich hervor -- da stammelts in der halben verstümmelten Stimme -- da predigts fürchterlich laut vom zitternden hinschwankenden Gerippe -- da durchwühlt es der Knochen innerstes Mark, und bricht die mannhafte Stärke der Jugend -- da, da sprizt es den eitrichten fressenden Schaum aus Stirn und Wangen und Mund und der ganzen Fläche des Leibes zum scheußlichen Aussatz hervor, und nistet abscheulich in den Gruben der viehischen Schande -- pfui, pfui! mir eckelt. Nasen, Augen, Ohren schütteln sich -- du hast jenen Elenden gesehen, Amalia, der in unserem Siechenhause seinen Geist auskeuchte, die Schaam schien ihr scheues Auge vor ihm zuzublinzen -- du ruftest Wehe über ihn aus. Ruf diß Bild noch einmal ganz in deine Seele zurück, und Karl steht vor dir! -- Seine Küsse sind Pest, seine Lippen vergiften die deinen! ~Amalia~ (_schlägt ihn._) Schaamloser Lästerer! ~Franz.~ Graut dir vor diesem Karl? Eckelt dir schon vor dem matten Gemälde? Geh, gaff ihn selbst an, deinen schönen, englischen göttlichen Karl! Geh, sauge seinen balsamischen Athem ein, und laß dich von den Ambrosia-Düften begraben, die aus seinem Rachen dampfen! der blose Hauch seines Mundes wird dich in jenen schwarzen todähnlichen Schwindel hauchen, der den Geruch eines berstenden Aases und den Anblick eines Leichenvollen Wahlplatzes begleitet. ~Amalia~ (_wendet ihr Gesicht ab._) ~Franz.~ Welches Aufwallen der Liebe! Welche Wollust in der Umarmung -- aber ist es nicht ungerecht, einen Menschen um seiner siechen Aussenseite willen zu verdammen? Auch im elendesten Aesopischen Krüppel kann eine grose liebenswürdige Seele, wie ein Rubin aus dem Schlamme glänzen, (_boshaft lächelnd._) Auch aus blattrichten Lippen kann ja die Liebe -- Freylich, wenn das Laster auch die Festen des Karakters erschüttert, wenn mit der Keuschheit auch die Tugend davon fliegt, wie der Duft aus der welken Rose verdampft -- wenn mit dem Körper auch der Geist zum Krüppel verdirbt -- ~Amalia~ (_froh aufspringend._) Ha! Karl! Nun erkenn ich dich wieder! du bist noch ganz! ganz! alles war Lüge! -- weist du nicht, Bösewicht, daß Karl unmöglich das werden kann? (_Franz steht einige Zeit tiefsinnig, dann dreht er sich plötzlich, um zu gehn._) Wohin so eilig, fliehst du vor deiner eigenen Schande? ~Franz~ (_mit verhülltem Gesicht._) Laß mich, laß mich! -- meinen Thränen den Lauf lassen -- tyrannischer Vater! den besten deiner Söhne so hinzugeben dem Elend -- der ringsumgebenden Schande -- laß mich, Amalia! ich will ihm zu den Füssen fallen, auf den Knieen will ich ihn beschwören, den ausgesprochenen Fluch auf mich, auf mich zu laden -- mich zu enterben -- mich -- mein Blut -- mein Leben -- alles -- ~Amalia~ (_fällt ihm um den Hals._) Bruder meines Karls, bester, liebster Franz! ~Franz.~ O Amalia! wie lieb ich dich um dieser unerschütterten Treue gegen meinen Bruder -- Verzeih, daß ich es wagte, deine Liebe auf diese harte Probe zu setzen! -- Wie schön hast du meine Wünsche gerechtfertigt! -- Mit diesen Thränen, diesen Seufzern, diesem himmlischen Unwillen -- auch für mich, für mich -- unsere Seelen stimmten so zusammen. ~Amalia.~ O nein, das thaten sie nie! ~Franz.~ Ach sie stimmten so harmonisch zusammen, ich meynte immer, wir müßten Zwillinge seyn! und wär der leidige Unterschied von aussen nicht, wobey leider freylich Karl verlieren muß, wir würden zehnmal verwechselt. Du bist, sagt' ich oft zu mir selbst, ja du bist der ganze Karl, sein Echo, sein Ebenbild! ~Amalia~ (_schüttelt den Kopf._) Nein, nein, bey jenem keuschen Lichte des Himmels! kein Aederchen von ihm, kein Fünkchen von seinem Gefühle -- ~Franz.~ So ganz gleich in unsern Neigungen -- die Rose war seine liebste Blume -- welche Blume war mir über die Rose? Er liebte die Musik unaussprechlich, und ihr seyd Zeugen, ihr Sterne! ihr habt mich so oft in der Todenstille der Nacht beym Klaviere belauscht, wenn alles um mich begraben lag in Schatten und Schlummer -- und wie kannst du noch zweifeln, Amalia, wenn unsere Liebe in einer ~Vollkommenheit~ zusammentraf, und wenn die Liebe die nemliche ist, wie könnten ihre Kinder entarten? ~Amalia~ (_sieht ihn verwundernd an._) ~Franz.~ Es war ein stiller, heiterer Abend, der letzte, eh er nach Leipzig abreiste, da er mich mit sich in jene Laube nahm, wo ihr so oft zusammensaßet in Träumen der Liebe -- stumm blieben wir lang -- zuletzt ergriff er meine Hand und sprach leise mit Thränen: ich verlasse Amalia, ich weiß nicht -- mir ahnets, als hieß es auf ewig -- verlaß sie nicht, Bruder! -- sey ihr Freund -- ihr Karl -- wenn Karl -- nimmer -- wiederkehrt -- (_Er stürzt vor ihr nieder und küßt ihr die Hand mit Heftigkeit._) Nimmer, nimmer, nimmer wird er wiederkehren, und ich hab's ihm zugesagt mit einem heiligen Eide! ~Amalia~ (_zurückspringend._) Verräther, wie ich dich ertappe! In eben dieser Laube beschwur er mich, keiner andern Liebe -- wenn er sterben sollte -- siehst du, wie gottlos, wie abscheulich du -- geh aus meinen Augen. ~Franz.~ Du kennst mich nicht, Amalia, du kennst mich gar nicht! ~Amalia.~ O ich kenne dich, von itzt an kenn ich dich -- und du wolltest ihm gleich seyn? Vor dir sollt er um mich geweint haben? Vor dir? Ehe hätt' er meinen Namen auf den Pranger geschrieben! Geh den Augenblick! ~Franz.~ Du beleidigst mich! ~Amalia.~ Geh, sag ich. Du hast mir eine kostbare Stunde gestohlen, sie werde dir an deinem Leben abgezogen. ~Franz.~ Du hassest mich. ~Amalia.~ Ich verachte dich, geh! ~Franz~ (_mit den Füssen stampfend._) Wart! so sollst du vor mir zittern! mich einem Bettler aufopfern? (_Zornig ab._) ~Amalia.~ Geh, Lotterbube -- itzt bin ich wieder bey Karln -- Bettler, sagt er? so hat die Welt sich umgedreht, Bettler sind Könige, und Könige sind Bettler! -- Ich möchte die Lumpen, die er anhat, nicht mit dem Purpur der Gesalbten vertauschen -- der Blick, mit dem er bettelt, das muß ein groser, ein königlicher Blick seyn -- ein Blick, der die Herrlichkeit, den Pomp, die Triumphe der Grosen und Reichen zernichtet! In den Staub mit dir, du prangendes Geschmeide! (_Sie reißt sich die Perlen vom Hals._) Seyd verdammt, Gold und Silber und Juwelen zu tragen, ihr Grosen und Reichen! Seyd verdammt, an üppigen Maalen zu zechen! Verdammt, euren Gliedern wohl zu thun auf weichen Polstern der Wohllust! Karl! Karl! so bin ich dein werth -- (_Ab._) Zweyter Akt. Erste Scene. Franz von Moor. (_nachdenkend in seinem Zimmer._) Es dauert mir zu lange -- der Doktor will, er sei im Umkehren -- das Leben eines Alten ist doch eine Ewigkeit! -- Und nun wär freye, ebene Bahn bis auf diesen ärgerlichen zähen Klumpen Fleisch, der mir, gleich dem unterirdischen Zauberhund in den Geistermährchen, den Weg zu meinen Schätzen verrammelt. Müssen denn aber meine Entwürfe sich unter das eiserne Joch des Mechanismus beugen? -- Soll sich mein hochfliegender Geist an den Schneckengang der ~Materie~ ketten lassen? -- Ein Licht ausgeblasen, das ohnehin nur mit den letzten Oeltropfen noch wuchert -- mehr ist's nicht -- Und doch möchte ich das nicht gern selbst gethan haben um der Leute willen. Ich möchte ihn nicht gern getödtet, aber abgelebt. Ich möchte es machen wie der gescheide Arzt, (nur umgekehrt.) -- Nicht der Natur durch einen Queerstreich den Weg verrannt, sondern sie in ihrem eigenen Gange befördert. Und wir vermögen doch wirklich die Bedingungen des Lebens zu verlängern, warum sollten wir sie nicht auch verkürzen können? Philosophen und Mediziner lehren mich, wie treffend die Stimmungen des Geists mit den Bewegungen der Maschine zusammen lauten. Gichtrische Empfindungen werden jederzeit von einer Dissonanz der mechanischen Schwingungen begleitet -- Leidenschaften ~mißhandeln~ die Lebenskraft -- der überladene Geist drückt sein Gehäuse zu Boden -- Wie denn nun? -- Wer es verstünde, dem Tod diesen ungebahnten Weg in das Schloß des Lebens zu ebenen? -- den Körper vom Geist aus zu verderben -- ha! ein Originalwerk! -- wer das zu Stand brächte? -- Ein Werk ohne gleichen! -- Sinne nach Moor! -- das wär' eine Kunst, die's verdiente, dich zum Erfinder zu haben. Hat man doch die Giftmischerey beynahe in den Rang einer ordentlichen Wissenschaft erhoben, und die Natur durch Experimente gezwungen, ihre Schranken anzugeben, daß man nunmehr des Herzens Schläge Jahr lang vorausrechnet, und zu dem Pulse spricht, bis hieher und nicht weiter![1] -- Wer sollte nicht auch hier seine Flügel versuchen? Und wie ich nun werde zu Werk gehen müssen, diese süße friedliche Eintracht der Seele mit ihrem Leibe zu stören? Welche Gattung von Empfindnissen, ich werde wählen müssen? Welche wohl den Flor des Lebens am grimmigsten anfeinden? ~Zorn~ -- dieser heißhungrige Wolf frißt sich zu schnell satt -- ~Sorge?~ -- dieser Wurm nagt mir zu langsam -- ~Gram?~ -- diese Natter schleicht mir zu träge -- ~Furcht?~ -- die Hoffnung läßt sie nicht umgreiffen -- was? Sind das all' die Henker des Menschen? -- Ist das Arsenal des Todes so bald erschöpft? -- (_tiefsinnend._) Wie? -- Nun? -- Was? Nein! -- Ha! (_auffahrend._) ~Schreck!~ -- Was kann der Schreck nicht? -- Was kann Vernunft, Religion wider dieses Giganten eiskalte Umarmung? -- Und doch? -- Wenn er auch diesem Sturm stünde? -- Wenn er? -- O so komme du mir zu Hülfe, ~Jammer~, und du, ~Reue~, höllische Eumenide, grabende Schlange, die ihren Fraß wiederkäut, und ihren eigenen Koth wiederfrißt; ewige Zerstörerinnen und ewige Schöpferinnen eures Giftes, und du heulende ~Selbstverklagung~, die du dein eigen Haus verwüstest, und deine eigene Mutter verwundest -- Und kommt auch ihr mir zu Hülfe, wohlthätige Grazien selbst, sanftlächelnde ~Vergangenheit~, und du mit dem überquellenden Füllhorn blühende ~Zukunft~, haltet ihm in euren Spiegeln die Freuden des Himmels vor, wenn euer fliehender Fuß seinen geitzigen Armen entgleitet -- So fall ich Streich auf Streich, Sturm auf Sturm dieses zerbrechliche Leben an, bis den Furientrupp zuletzt schließt -- die ~Verzweiflung~! Triumph! Triumph! -- Der Plan ist fertig -- Schwer und Kunstvoll wie keiner -- zuverläßig -- sicher -- denn (_spöttisch_) des Zergliederers Messer findet ja keine Spuren von Wunde oder korrosivischem Gift. (_Entschlossen._) Wohlan denn, (_Herrmann tritt auf._) Ha! =Deus ex machina!= Herrmann! ~Herrmann.~ Zu euren Diensten, gnädiger Junker! ~Franz~ (_gibt ihm die Hand._) Die du keinem Undankbaren erweisest. ~Herrmann.~ Ich hab' Proben davon. ~Franz.~ Du sollst mehr haben mit nächstem -- mit nächstem, Herrmann! -- Ich habe dir etwas zu sagen, Herrmann. ~Herrmann.~ Ich höre mit tausend Ohren. ~Franz.~ Ich kenne dich, du bist ein entschloß'ner Kerl -- Soldaten Herz -- Haar auf der Zunge! -- Mein Vater hat dich sehr beleidigt, Herrmann! ~Herrmann.~ Der Teufel hole mich, wenn ich's vergesse! ~Franz.~ Das ist der Ton eines Mann's! Rache geziemt einer männlichen Brust. Du gefällst mir, Herrmann. Nimm diesen Beutel, Herrmann. Er sollte schwerer seyn, wenn ich erst Herr wäre. ~Herrmann.~ Das ist ja mein ewiger Wunsch, gnädiger Junker, ich dank euch. ~Franz.~ Wirklich, Herrmann? wünschest du wirklich, ich wäre Herr? -- aber mein Vater hat das Mark eines Löwen, und ich bin der jüngere Sohn. ~Herrmann.~ Ich wollt', ihr wär't der ältere Sohn, und euer Vater hätte das Mark eines schwindsüchtigen Mädgens. ~Franz.~ Ha! wie dich der ältere Sohn dann belohnen wollte! wie er dich aus diesem unedlen Staub, der sich so wenig mit deinem Geist und Adel verträgt, an's Licht emporheben wollte! -- Dann solltest du, ganz wie du da bist, mit Gold überzogen werden, und mit vier Pferden durch die Strasen dahinrasseln, wahrhaftig das solltest du! -- aber ich vergesse, wovon ich dir sagen wollte -- hast du das Fräulein von Edelreich schon vergessen, Herrmann? ~Herrmann.~ Wetter Element! was erinnert ihr mich an das? ~Franz.~ Mein Bruder hat sie dir weggefischt. ~Herrmann.~ Er soll dafür büßen! ~Franz.~ Sie gab dir einen Korb. Ich glaube gar, er warf dich die Treppen hinunter. ~Herrmann.~ Ich will ihn dafür in die Hölle stoßen. ~Franz.~ Er sagte: man raune sich einander in's Ohr, du seyst zwischen dem Rindfleisch und Meerrettig gemacht worden, und dein Vater habe dich nie ansehen können, ohne an die Brust zu schlagen und zu seufzen: Gott sey mir Sünder gnädig! ~Herrmann~ (_wild._) Blitz, Donner und Hagel, seyd still! ~Franz.~ Er rieth dir, deinen Adelbrief im Aufstreich zu verkaufen, und deine Strümpfe damit flicken zu lassen. ~Herrmann.~ Alle Teufel! ich will ihm die Augen mit den Nägeln auskratzen. ~Franz.~ Was? du wirst böse? was kannst du böse auf ihn seyn? Was kannst du ihm böses thun? was kann so eine Ratze gegen einen Löwen? Dein Zorn versüßt ihm seinen Triumph nur. Du kannst nichts thun, als deine Zähne zusammenschlagen, und deine Wuth an trocknem Brode auslassen. ~Herrmann~ (_stampft auf den Boden._) Ich will ihn zu Staub zerreiben. ~Franz~ (_klopft ihm auf die Achsel._) Pfui, Herrmann! du bist ein Kavalier. Du must den Schimpf nicht auf dir sitzen lassen. Du must das Fräulein nicht fahren lassen, nein, das must du um alle Welt nicht thun, Herrmann! Hagel und Wetter! ich würde das äusserste versuchen, wenn ich an deiner Stelle wäre. ~Herrmann.~ Ich ruhe nicht, bis ich ~Ihn~ und ~Ihn~ unter'm Boden hab. ~Franz.~ Nicht so stürmisch, Herrmann! komm näher -- du sollst Amalia haben! ~Herrmann.~ Das muß ich, trutz dem Teufel! das muß ich! ~Franz.~ Du sollst sie haben, sag ich dir, und das von meiner Hand. Komm näher, sag ich -- du weist vielleicht nicht, daß Karl so gut als enterbt ist? ~Herrmann~ (_näher kommend._) Unbegreiflich, das erste Wort, das ich höre. ~Franz.~ Sey ruhig, und höre weiter! du sollst ein andermal mehr davon hören -- ja, ich sage dir, seit eilf Monathen so gut als verbannt. Aber schon bereut der alte den voreiligen Schritt, den er doch, (_lachend._) will ich hoffen, nicht selbst gethan hat. Auch liegt ihm die Edelreich täglich hart an mit ihren Vorwürfen und Klagen. Ueber kurz oder lang wird er ihn in allen vier Enden der Welt aufsuchen lassen, und gute Nacht, Herrmann! wenn er ihn findet. Du kannst ihm ganz demüthig die Kutsche halten, wenn er mit ihr in die Kirche zur Trauung fährt. ~Herrmann.~ Ich will ihn am Krucifix erwürgen! ~Franz.~ Der Vater wird ihm bald die Herrschaft abtreten, und in Ruhe auf seinen Schlössern leben. Itzt hat der stolze Strudelkopf den Zügel in Händen, itzt lacht er seiner Hasser und Neider -- und ich, der ich dich zu einem wichtigen grosen Manne machen wollte, ich selbst, Herrmann, werde tiefgebückt vor seiner Thürschwelle -- ~Herrmann~ (_in Hitze._) Nein, so wahr ich Herrmann heisse, das sollt ihr nicht! wenn noch ein Fünkchen Verstand in diesem Gehirne glostet! das sollt ihr nicht! ~Franz.~ Wirst du es hindern? auch dich, mein lieber Herrmann, wird er seine Geissel fühlen lassen, wird dir in's Angesicht speyen, wenn du ihm auf der Strase begegnest, und wehe dir dann, wenn du die Achsel zuckst oder das Maul krümmst -- siehe, so stehts mit deiner Anwerbung um's Fräulein, mit deinen Aussichten, mit deinen Entwürfen. ~Herrmann.~ Sagt mir! was soll ich thun? ~Franz.~ Höre dann, Herrmann! daß du siehst, wie ich mir dein Schicksal zu Herzen nehme als ein redlicher Freund -- geh -- kleide dich um -- mach dich ganz unkenntlich, laß dich beym Alten melden, gib vor, du kämest geraden Wegs aus Böhmen, hättest mit meinem Bruder dem Treffen bey Prag beygewohnt -- hättest ihn auf der Wahlstatt den Geist aufgeben sehen -- ~Herrmann.~ Wird man mir glauben? ~Franz.~ Hoho! dafür laß mich sorgen! Nimm dieses Paket. Hier findest du deine Kommission ausführlich. Und Dokumente dazu, die den Zweifel selbst glaubig machen sollen -- mach itzt nur, daß du fortkommst, und ungesehen! spring durch die Hinterthüre in den Hof, von da über die Gartenmauer -- die Katastrophe dieser Tragi-Komödie überlaß mir! ~Herrmann.~ Und die wird seyn: Vivat der neue Herr, Franciskus von Moor! ~Franz~ (_streichelt ihm die Backen._) Wie schlau du bist? -- denn siehst du, auf diese Art erreichen wir alle Zwecke zumal und bald. Amalia gibt ihre Hoffnung auf ihn auf. Der alte mißt sich den Tod seines Sohnes bey, und -- er kränkelt -- ein schwankendes Gebäude braucht des Erdbebens nicht, um über'n Haufen zu fallen -- er wird die Nachricht nicht überleben -- dann bin ich sein einiger Sohn -- Amalia hat ihre Stützen verloren, und ist ein Spiel meines Willens, da kannst du leicht denken -- kurz, alles geht nach Wunsch -- aber du must dein Wort nicht zurücknehmen. ~Herrmann.~ Was sagt ihr? (_frohlockend._) Eh soll die Kugel in ihren Lauf zurückkehren, und in dem Eingeweid ihres Schützen wüthen -- rechnet auf mich! Laßt nur mich machen -- Adieu! ~Franz~ (_ihm nachrufend._) Die Erndte ist dein, lieber Herrmann! -- Wenn der Ochse den Kornwagen in die Scheune gezogen hat, so muß er mit Heu vorlieb nehmen. Dir eine Stallmagd, und keine Amalia! (_Geht ab._) Zweyte Scene. Des alten Moors Schlafzimmer. Der ~alte Moor~ schlafend in einem Lehnsessel. ~Amalia~. ~Amalia~ (_sachte herbey schleichend._) Leise, leise! er schlummert. (_Sie stellt sich vor den schlafenden._) Wie schön, wie ehrwürdig! -- ehrwürdig, wie man die Heiligen malt -- nein, ich kann dir nicht zürnen! Weißlockigtes Haupt, dir kann ich nicht zürnen! Schlumm're sanft, wache froh auf, ich allein will hingeh'n und leiden. ~D. a. Moor~ (_träumend._) Mein Sohn! mein Sohn! mein Sohn! ~Amalia~ (_ergreift seine Hand._) Horch, horch! sein Sohn ist in seinen Träumen. ~D. a. Moor.~ Bist du da? bist du wirklich? ach! wie siehst du so elend? Sieh mich nicht an mit diesem kummervollen Blick! ich bin elend genug. ~Amalia~ (_weckt ihn schnell._) Seht auf, lieber Greis! ihr träumtet nur. Faßt euch! ~D. a. Moor~ (_halb wach._) Er war nicht da? drückt ich nicht seine Hände? Garstiger Franz! willst du ihn auch meinen Träumen entreissen? ~Amalia.~ Merkst du's, Amalia? ~D. a. Moor~ (_ermuntert sich._) Wo ist er? wo? wo bin ich? du da, Amalia? ~Amalia.~ Wie ist euch? Ihr schlieft einen erquickenden Schlummer. ~D. a. Moor.~ Mir träumte von meinem Sohn. Warum hab ich nicht fortgeträumt? Vielleicht hätt' ich Verzeihung erhalten aus seinem Munde. ~Amalia.~ Engel grollen nicht -- er verzeiht euch. (_Faßt seine Hand mit Wehmuth._) Vater meines Karls! ich verzeih euch. ~D. a. Moor.~ Nein, meine Tochter! diese Todten-Farbe deines Angesichts verdammet den Vater. Armes Mädgen! Ich brachte dich um die Freuden deiner Jugend -- o fluche mir nicht! ~Amalia~ (_küßt seine Hand mit Zärtlichkeit._) Euch? ~D. a. Moor.~ Kennst du dieses Bild, meine Tochter? ~Amalia.~ Karls! -- ~D. a. Moor.~ So sah er, als er in's sechszehente Jahr gieng. Itzt ist er anders -- Oh es wüthet in meinem Innern -- diese Milde ist Unwillen, dieses Lächeln Verzweiflung -- Nicht wahr, Amalia? Es war an seinem Geburtstage in der Jasminlaube, als du ihn maltest? -- Oh meine Tochter! Eure Liebe machte mich so glücklich. ~Amalia~ (_immer das Aug auf das Bild geheftet._) Nein, nein! er ist's nicht. Bey Gott! das ist Karl nicht -- Hier, hier (_auf Herz und Stirne zeigend._) So ganz, so anders. Die träge Farbe reicht nicht, den himmlischen Geist nachzuspiegeln, der in seinem feurigen Auge herrschte. Weg damit! dis ist so menschlich! Ich war eine Stümperinn. ~D. a. Moor.~ Dieser huldreiche, erwärmende Blick -- wär' er vor meinem Bette gestanden, hätte gelebt mitten im Tode! Nie, nie wär' ich gestorben! ~Amalia.~ Nie, nie wär't ihr gestorben? Es wär' ein Sprung gewesen, wie man von einem Gedanken auf einen andern und schönern hüpft -- dieser Blick hätt' euch über's Grab hinübergeleuchtet. Dieser Blick hätt' euch über die Sterne getragen! ~D. a. Moor.~ Es ist schwer, es ist traurig! Ich sterbe, und mein Sohn Karl ist nicht hier -- ich werde zu Grabe getragen, und er weint nicht an meinem Grabe -- wie süß ist's, eingewiegt zu werden in den Schlaf des Todes von dem Gebet eines Sohns -- das ist Wiegengesang. ~Amalia~ (_schwärmend._) Ja süß, himmlisch süß ist's, eingewiegt zu werden in den Schlaf des Todes von dem Gesang des Geliebten -- vielleicht träumt man auch im Grabe noch fort -- ein langer, ewiger, unendlicher Traum, von Karln, bis man die Glocke der Auferstehung läutet -- (_aufspringend, entzückt._) und von itzt an in seinen Armen auf ewig, (_Pause. Sie geht an's Klavier, und spielt._) Willst dich, Hektor, ewig mir entreissen, Wo des Anaciden mordend Eisen Dem Patroklus schröcklich Opfer bringt? Wer wird künftig deinen Kleinen lehren, Speere werfen und die Götter ehren, Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt? ~D. a. Moor.~ Ein schönes Lied, meine Tochter. Das must du mir vorspielen, eh ich sterbe. ~Amalia.~ Es ist der Abschied Andromachas und Hektors -- Karl und ich haben's oft zusammen zu der Laute gesungen. (_Spielt fort._) Theures Weib, geh, hol die Todeslanze, Laß mich fort zum wilden Kriegestanze, Meine Schultern tragen Ilium; Ueber Astyanax uns're Götter! Hektor fällt, ein Vaterlands Erretter, Und wir seh'n uns wieder im Elysium. Daniel. ~Daniel.~ Es wartet draussen ein Mann auf euch. Er bittet, vorgelassen zu werden, er hab euch eine wichtige Zeitung. ~D. a. Moor.~ Mir ist auf der Welt nur etwas wichtig, du weist's, Amalia -- ist's ein Unglücklicher, der meiner Hülfe bedarf? Er soll nicht mit Seufzen von hinnen gehn. ~Amalia.~ Ist's ein Bettler, er soll eilig herauf kommen. (_Daniel ab._) ~D. a. Moor.~ Amalia, Amalia! schone meiner! ~Amalia~ (_spielt fort._) Nimmer lausch ich deiner Waffen Schalle, Einsam liegt dein Eisen in der Halle, Priams groser Heldenstamm verdirbt! Du wirst hingeh'n, wo kein Tag mehr scheinet, Der Cocytus durch die Wüsten weinet, Deine Liebe in dem Lethe stirbt. All mein Sehnen, all mein Denken Soll der schwarze Lethefluß ertränken, Aber meine Liebe nicht! Horch! der Wilde raßt schon an den Mauren -- Gürte mir das Schwerdt um, laß das Trauren, Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht! Franz. Herrmann (_verkappt._) Daniel. ~Franz.~ Hier ist der Mann. Schröckliche Botschaften, sagt er, warten auf euch. Könnt ihr sie hören? ~D. a. Moor.~ Ich kenne nur eine. Tritt her, mein Freund, und schone mein nicht! Reicht ihm einen Becher Wein. ~Herrmann~ (_mit veränderter Stimme._) Gnädiger Herr! laßt es einen armen Mann nicht entgelten, wenn er wider Willen euer Herz durchbohrt. Ich bin ein Fremdling in diesem Lande, aber euch kenn ich sehr gut, ihr seyd der Vater Karls von Moor. ~D. a. Moor.~ Woher weist du das? ~Herrmann.~ Ich kannte euren Sohn -- ~Amalia~ (_auffahrend._) Er lebt? lebt? Du kennst ihn? wo ist er, wo, wo? (_will hinwegrennen._) ~D. a. Moor.~ Du weist von meinem Sohn? ~Herrmann.~ Er studierte in Leipzig. Von da zog er, ich weiß nicht wie weit, herum. Er durchschwärmte Deutschland in die Runde, und, wie er mir sagte, mit unbedecktem Haupt, barfus, und erbettelte sein Brod vor den Thüren. Fünf Monathe drauf brach der leidige Krieg zwischen Preußen und Oestreich wieder aus, und da er auf der Welt nichts mehr zu hoffen hatte, zog ihn der Hall von Friderichs siegreicher Trommel nach Böhmen. Erlaubt mir, sagte er, zum grosen Schwerin, daß ich den Tod sterbe auf dem Bette der Helden, ich hab keinen Vater mehr! -- ~D. a. Moor.~ Sieh mich nicht an, Amalia! ~Herrmann.~ Man gab ihm eine Fahne. Er flog den preußischen Siegesflug mit. Wir kamen zusammen unter ein Zelt zu liegen. Er sprach viel von seinem alten Vater und von bessern, vergangenen Tagen -- und von vereitelten Hoffnungen -- uns standen die Thränen in den Augen. ~D. a. Moor~ (_verhüllt sein Haupt in das Kissen._) Stille, o stille! ~Herrmann.~ Acht Tage d'rauf war das heiße Treffen bey Prag -- ich darf euch sagen, euer Sohn hat sich gehalten wie ein wackerer Kriegsmann. Er that Wunder vor den Augen der Armee. Fünf Regimenter mußten neben ihm wechseln, er stand. Feuerkugeln fielen rechts und links, euer Sohn stand. Eine Kugel zerschmetterte ihm die rechte Hand, euer Sohn nahm die Fahne in die linke, und stand -- ~Amalia~ (_in Entzückung._) Hektor, Hektor! hört ihr's? er stand -- ~Herrmann.~ Ich traf ihn am Abend der Schlacht niedergesunken unter Kugel-Gepfeiffe, mit der linken hielt er das stürzende Blut, die rechte hatte er in die Erde gegraben. Bruder! rief er mir entgegen, es lief ein Gemurmel durch die Glieder: der General sey vor einer Stunde gefallen -- er ist gefallen, sagt' ich, und du? -- Nun, wer ein braver Soldat ist, rief er, und ließ die linke Hand los, der folge seinem General, wie ich! Bald darauf hauchte er seine grose Seele dem Helden zu. ~Franz~ (_wild auf Herrmann losgehend._) Daß der Tod deine verfluchte Zunge versiegle! Bist du hieher kommen, unserem Vater den Todesstos zu geben? -- Vater! Amalia! Vater! ~Herrmann.~ Es war der letzte Wille meines sterbenden Kameraden. Nimm diß Schwerdt, röchelte er, du wirst's meinem alten Vater überliefern, das Blut seines Sohnes klebt daran, er ist gerochen, er mag sich weiden. Sag ihm, sein Fluch hätte mich gejagt in Kampf und Tod, ich sey gefallen in Verzweiflung! Sein letzter Seufzer war Amalia. ~Amalia~ (_wie aus einem Todesschlummer aufgejagt._) Sein letzter Seufzer, Amalia! ~D. a. Moor~ (_Gräßlich schreyend, sich die Haare ausraufend._) Mein Fluch ihn gejagt in den Tod! gefallen in Verzweiflung! ~Franz~ (_umherirrend im Zimmer._) Oh! Was habt ihr gemacht, Vater? Mein Karl, mein Bruder! ~Herrmann.~ Hier ist das Schwerdt, und hier ist auch ein Portrait, das er zu gleicher Zeit aus dem Busen zog! Es gleicht diesem Fräulein auf ein Haar. Diß soll meinem Bruder Franz, sagte er, -- ich weiß nicht, was er damit sagen wollte. ~Franz~ (_wie erstaunt._) Mir? Amalia's Portrait? Mir, Karl, Amalia? Mir? ~Amalia~ (_heftig auf Herrmann losgehend._) Feiler, Bestochener, Betrüger! (_faßt ihn hart an._) ~Herrmann.~ Das bin ich nicht, gnädiges Fräulein. Sehet selbst, ob's nicht euer Bild ist -- ihr mögt's ihm wohl selbst gegeben haben. ~Franz.~ Bey Gott! Amalia, das deine! Es ist wahrlich das deine! ~Amalia~ (_gibt ihm das Bild zurück._) Mein, mein! O Himmel und Erde! ~D. a. Moor~ (_schreyend, sein Gesicht zerfleischend._) Wehe, Wehe! mein Fluch ihn gejagt in den Tod! gefallen in Verzweiflung! ~Franz.~ Und er gedachte meiner in der letzten schweren Stunde des Scheidens, meiner! Englische Seele -- da schon das schwarze Panier des Todes über ihm rauschte -- meiner! -- ~D. a. Moor~ (_lallend._) Mein Fluch ihn gejagt, in den Tod, gefallen mein Sohn in Verzweiflung! -- ~Herrmann.~ Den Jammer steh ich nicht aus. Lebt wohl, alter Herr! (_leise zu Franz._) Warum habt ihr auch das gemacht, Junker? (_geht schnell ab._) ~Amalia~ (_aufspringend, ihm nach._) Bleib, bleib! Was waren seine letzten Worte? ~Herrmann~ (_zurückrufend._) Sein letzter Seufzer war Amalia. (_ab._) ~Amalia.~ Sein letzter Seufzer war Amalia! -- Nein, du bist kein Betrüger! So ist es wahr -- wahr -- er ist tod! -- tod! -- (_hin und her taumelnd, bis sie umsinkt._) tod -- Karl ist tod -- ~Franz.~ Was seh' ich? Was steht da auf dem Schwerdt? geschrieben mit Blut -- Amalia! ~Amalia.~ Von ihm? ~Franz.~ Seh' ich recht, oder träum ich? Siehe da mit blutiger Schrift: ~Franz, verlaß meine Amalia nicht!~ Sieh doch, sieh doch! und auf der andern Seite: ~Amalia! deinen Eid zerbrach der allgewaltige Tod.~ -- Siehst du nun, siehst du nun? Er schrieb's mit erstarrender Hand, schrieb's mit dem warmen Blut seines Herzens, schrieb's an der Ewigkeit feyerlichem Rande! sein fliehender Geist verzog, Franz und Amalia noch zusammen zu knüpfen. ~Amalia.~ Heiliger Gott! es ist seine Hand. -- Er hat mich nie geliebt! (_schnell ab._) ~Franz~ (_auf den Boden stampfend._) Verzweifelt! meine ganze Kunst erliegt an dem Starrkopf. ~D. a. Moor.~ Wehe, Wehe! Verlaß mich nicht, meine Tochter! -- Franz, Franz! gib mir meinen Sohn wieder! ~Franz.~ Wer war's, der ihm den Fluch gab? Wer war's, der seinen Sohn jagte in Kampf und Tod und Verzweiflung? -- oh! er war ein Engel! ein Kleinod des Himmels. Fluch über seine Henker! Fluch, Fluch über euch selber! -- ~D. a. Moor~ (_schlägt mit geballter Faust wider Brust und Stirn._) Er war ein Engel, war Kleinod des Himmels! Fluch, Fluch, Verderben, Fluch über mich selber! Ich bin der Vater, der seinen grosen Sohn erschlug. Mich liebt' er bis in den Tod! mich zu rächen, rannte er in Kampf und Tod! Ungeheuer, Ungeheuer! (_wüthet wider sich selber._) ~Franz.~ Er ist dahin, was helfen späte Klagen? (_hönisch lachend._) Es ist leichter morden, als lebendig machen. Ihr werdet ihn nimmer aus seinem Grabe zurückholen. ~D. a. Moor.~ Nimmer, nimmer, nimmer aus dem Grabe zurückholen! Hin, verloren auf ewig! -- Und du hast mir den Fluch aus dem Herzen geschwäzt, du -- du -- Meinen Sohn mir wieder! ~Franz.~ Reizt meinen Grimm nicht. Ich verlaß euch im Tode! -- ~D. a. Moor.~ Scheusal! Scheusal! schaff mir meinen Sohn wieder! (_fährt aus dem Sessel, will Franzen an der Gurgel fassen, der ihn zurück schleudert._) ~Franz.~ Kraftlose Knochen! ihr wagt es -- sterbt! verzweifelt! (_ab._) Der alte Moor. Tausend Flüche donnern dir nach! Du hast mir meinen Sohn aus den Armen gestohlen (_voll Verzweiflung hin und her geworfen im Sessel._) Wehe, Wehe! Verzweifeln, aber nicht sterben! -- Sie fliehen, verlassen mich im Tode -- meine gute Engel fliehen von mir, weichen alle die Heilige vom eisgrauen Mörder -- Wehe! Wehe! will mir keiner das Haupt halten, will keiner die ringende Seele entbinden? Keine Söhne! keine Töchter! keine Freunde! -- Menschen nur -- will keiner, allein -- verlassen -- Wehe! Wehe! -- Verzweifeln, aber nicht sterben! Amalia (_mit verweinten Augen._) ~D. a. Moor.~ Amalia! Bote des Himmels! Kommst du, meine Seele zu lösen? ~Amalia~ (_mit sanfterem Ton._) Ihr habt einen herrlichen Sohn verloren. ~D. a. Moor.~ ~Ermordet~ willst du sagen. Mit diesem Zeugnis belastet tret ich vor den Richterstuhl Gottes. ~Amalia.~ Nicht also, jammervoller Greis! der himmlische Vater rückt' ihn zu sich. Wir wären zu glücklich gewesen auf dieser Welt. -- Droben, droben über den Sonnen -- Wir seh'n ihn wieder. ~D. a. Moor.~ Wiedersehen, wiedersehen! Oh es wird mir durch die Seele schneiden ein Schwerdt -- Wenn ich ein Heiliger ihn unter den Heiligen finde -- mitten im Himmel werden durch mich schauern Schauer der Hölle! Im Anschauen des Unendlichen mich zermalmen die Erinnerung: Ich hab meinen Sohn ermordet! ~Amalia.~ Oh, er wird euch die Schmerz-Erinnerung aus der Seele lächeln, seyd doch heiter, lieber Vater! ich bin's so ganz. Hat er nicht schon den himmlischen Hörern den Namen Amalia vorgesungen auf der seraphischen Harfe, und die himmlischen Hörer lispelten leise ihn nach? Sein letzter Seufzer war ja, Amalia! wird nicht sein erster Jubel, Amalia! seyn? ~D. a. Moor.~ Himmlischer Trost quillt von deinen Lippen! Er wird mir lächeln, sagst du? Vergeben? du must bey mir bleiben, Geliebte meines Karls, wenn ich sterbe. ~Amalia.~ Sterben ist Flug in seine Arme. Wohl euch! Ihr seyd zu beneiden. Warum sind diese Gebeine nicht mürb? Warum diese Haare nicht grau? Wehe über die Kräfte der Jugend! Willkommen, du markloses Alter! näher gelegen dem Himmel und meinem Karl. Franz (_tritt auf._) ~D. a. Moor.~ Tritt her, mein Sohn! Vergib mir, wenn ich vorhin zu hart gegen dich war! ich vergebe dir alles. Ich möchte so gern im Frieden den Geist aufgeben. ~Franz.~ Habt ihr genug, um euren Sohn geweint? so viel ich sehe, habt ihr nur einen. ~D. a. Moor.~ Jakob hatte der Söhne zwölf, aber um seinen Joseph hat er blutige Thränen geweint. ~Franz.~ Hum! ~D. a. Moor.~ Geh, nimm die Bibel, meine Tochter, und lies mir die Geschichte Jakobs und Josephs! Sie hat mich immer so gerührt, und damals bin ich noch nicht Jakob gewesen. ~Amalia.~ Welches soll ich euch lesen? (_nimmt die Bibel und blättert._) ~D. a. Moor.~ Lis mir den Jammer des Verlassenen, als er ihn nimmer unter seinen Kindern fand -- und vergebens sein harrte im Kreis seiner eilfe -- und sein Klage-Lied, als er vernahm; sein Joseph sey ihm genommen auf ewig -- ~Amalia.~ (_liest._) »Da nahmen sie Josephs Rock, und schlachteten einen Ziegenbock, und tauchten den Rock in das Blut, und schickten den bunten Rock hin, und liessen ihn ihrem Vater bringen, und sagen: Diesen haben wir funden, siehe, ob's deines Sohnes Rock sey, oder nicht? (_Franz geht plötzlich hinweg._) Er kannte ihn aber und sprach: Es ist meines Sohnes Rock, ein böses Thier hat ihn gefressen, ein reissend Thier hat Joseph zerrissen,«-- ~D. a. Moor~ (_fällt auf's Kissen zurück._) Ein reissend Thier hat Joseph zerrissen! ~Amalia~ (_liest weiter._) »Und Jakob zerriß seine Kleider, und legte einen Sack um seine Lenden, und trug Leide um seinen Sohn lange Zeit, und all' seine Söhne und Töchter traten auf, daß sie ihn trösteten, aber er wollte sich nicht trösten lassen und sprach: Ich werde mit Leid hinunterfahren --« ~D. a. Moor.~ Hör auf, hör auf! Mir wird sehr übel. ~Amalia~ (_hinzuspringend, läßt das Buch fallen._) Hilf Himmel! Was ist das? ~D. a. Moor.~ Das ist der Tod! -- Schwarz -- schwimmt -- vor meinen -- Augen -- ich bitt dich -- ruf dem Pastor -- daß er mir -- das Abendmahl reiche -- Wo ist -- mein Sohn Franz? ~Amalia.~ Er ist geflohen! Gott erbarme sich unser! ~D. a. Moor.~ Geflohen -- geflohen von des Sterbenden Bett? -- -- Und das all' -- all' -- von zwey Kindern voll Hoffnung -- du hast sie -- gegeben -- hast sie -- genommen -- -- dein Name sey -- -- ~Amalia~ (_mit einem plötzlichen Schrey._) Tod! alles Tod! (_ab in Verzweiflung._) Franz (_hüpft frohlockend herein._) ~Tod~, schreyen sie, ~tod~! Itzt bin ich ~Herr~. Im ganzen Schlosse zettert es, ~tod~! -- Wie aber, ~schläft~ er vielleicht nur? -- freylich, ach freylich! das ist nun freylich ein Schlaf, wo es ewig niemals, Guten Morgen, heißt -- Schlaf und Tod sind nur Zwillinge. Wir wollen einmal die Namen wechseln! Wakerer, willkommener Schlaf! Wir wollen dich Tod heissen! (_Er drückt ihm die Augen zu._) Wer wird nun kommen, und es wagen, mich vor Gericht zu fordern? oder mir in's Angesicht zu sagen: du bist ein ~Schurke~! Weg dann mit dieser lästigen Larve von Sanftmuth und Tugend! Nun sollt ihr den nakten Franz sehen, und euch entsetzen! Mein Vater überzuckerte seine Forderungen, schuf sein Gebieth zu einem Familienzirkel um, sas liebreich lächelnd am Thor, und grüßte sie Brüder und Kinder. -- Meine Aug-Braunen sollen über euch herhangen wie Gewitter-Wolken, mein herrischer Name schweben wie ein drohender Komet über diesen Gebirgen, meine Stirne soll euer Wetterglas seyn! Er streichelte und koßte den Nacken, der gegen ihn störrig zurück schlug. Streicheln und Kosen ist meine Sache nicht. Ich will euch die zackichte Sporen in's Fleisch hauen, und die scharfe Geißel versuchen. -- In meinem Gebiet soll's so weit kommen, daß Kartoffeln und dünn Bier ein Traktament für Festtage werden, und wehe dem, der mir mit vollen feurigen Backen unter die Augen tritt! Blässe der Armuth und sclavischen Furcht sind meine Leibfarbe: in diese Liverey will ich euch kleiden! (_Er geht ab._) Dritte Scene. Die böhmischen Wälder. Spiegelberg, Razmann, Räuberhaufen. ~Razmann.~ Bist da? bists wirklich? So laß dich doch zu Brey zusammen drucken, lieber Herzens-Bruder Moriz! Willkommen in den Böhmischen Wäldern! Bist ja gros worden und stark. Stern-Kreuz-Bataillon! Bringst ja Rekruten mit einen ganzen Trieb, du trefflicher Werber! ~Spiegelberg.~ Gelt Bruder? Gelt? Und das ganze Kerl darzu! -- du glaubst nicht, Gottes sichtbarer Seegen ist bey mir, war dir ein armer hungriger Tropf, hatte nichts als diesen Stab, da ich über den Jordan gieng, und itzt sind unserer acht und siebenzig, meistens ruinirte Krämer, rejicirte Magister und Schreiber aus den schwäbischen Provinzen, das ist dir ein Korps Kerles, Bruder, deliciöse Bursche, sag ich dir, wo als einer dem andern die Knöpfe von den Hosen stihlt, und mit geladener Flinte neben ihm sicher ist -- und haben voll auf, und stehen dir in einem Renommee vierzig Meilen weit, das nicht zu begreifen ist. Da ist dir keine Zeitung, wo du nicht ein Artikelchen von dem Schlaukopf Spiegelberg wirst getroffen haben, ich halte sie mir auch pur deswegen -- vom Kopf bis zun Füssen haben sie mich dir hingestellt, du meynst, du sehst mich, -- so gar meine Rokknöpfe haben sie nicht vergessen. Aber wir führen sie erbärmlich am Narrenseil herum. Ich geh lezthin in die Druckerey, geb vor, ich hätte den berüchtigten Spiegelberg gesehn, und diktir einem Skrizler, der dort sas, das leibhafte Bild von einem dortigen Wurmdoktor in die Feder, das Ding kommt um, der Kerl wird eingezogen, par force inquirirt, und in der Angst und in der Dummheit gesteht er dir, hol mich der Teufel! gesteht dir, ~er sey der Spiegelberg~ -- Donner und Wetter! ich war eben auf dem Sprung, mich beym Magistrat anzugeben, daß die Kanaille mir meinen Namen so verhunzen soll -- wie ich sage, drey Monath d'rauf hangt er. Ich mußte nachher eine derbe Prise Toback in die Nase reiben, als ich am Galgen vorbeyspatzierte, und den Pseudo-Spiegelberg in seiner Glorie da paradiren sah -- und unterdessen daß Spiegelberg hangt, schleicht sich Spiegelberg ganz sachte aus den Schlingen, und deutet der superklugen Gerechtigkeit hinterrucks Eselsohren, daß's zum Erbarmen ist. ~Razmann~ (_lacht._) Du bist eben noch immer der alte. ~Spiegelberg.~ Das bin ich, wie du siehst, an Leib und Seel. Narr! einen Spaß muß ich dir doch erzählen, den ich neulich im Cäcilien-Kloster angerichtet habe. Ich treffe das Kloster auf meiner Wanderschaft so gegen die Dämmerung, und da ich eben den Tag noch keine Patrone verschossen hatte, du weist, ich hasse das =diem perdidi= auf den Tod, so mußte die Nacht noch durch einen Streich verherrlicht werden, und sollt's dem Teufel um ein Ohr gelten! Wir halten uns ruhig, bis in die späte Nacht. Es wird mausstill. Die Lichter gehen aus. Wir denken die Nonnen könnten itzt in den Federn seyn. Nun nehm' ich meinen Kameraden Grimm mit mir, heis' die andern warten vorm Thor, bis sie mein Pfeifchen hören würden, -- versicherte mich des Klosterwächters, nehm' ihm die Schlüssel ab, schleich' mich hinein, wo die Mägde schliefen, praktizier ihnen die Kleider weg, und heraus mit dem Pack zum Thor. Wir gehn weiter von Zelle zu Zelle, nehmen einer Schwester nach der andern die Kleider, endlich auch der Aebtissin. -- Itzt pfeif ich, und meine Kerls draussen fangen an zu stürmen und zu hasseliren als käm der jüngste Tag, und hinein mit pestialischem Gepolter in die Zellen der Schwestern! -- hahaha! -- da hättest du die Hatz sehen sollen, wie die armen Thiergen in der Finstere nach ihren Röcken tappten, und sich jämmerlich geberdeten, wie sie zum Teufel waren, und wir indeß wie alle Donnerwetter zugesetzt, und wie sie sich vor Schreck und Bestürzung in Bettlaken wickelten, oder unter den Ofen zusammenkrochen wie Katzen, andere in der Angst ihres Herzens die Stube so besprenzten, daß du hättest das Schwimmen darinnen lernen können, und das erbärmliche Gezetter und Lamento, und endlich gar die alte Schnurre die Aebtissin, angezogen wie Eva ~vor~ dem Fall -- du weist, Bruder, daß mir auf diesem weiten Erdenrund kein Geschöpf so zuwider ist, als eine ~Spinne~ und ~ein altes Weib~, und nun denk' dir einmal die schwarzbraune, runzlichte, zottige Vettel vor mir herumtanzen, mich bey ihrer jungfräulichen Sittsamkeit beschwören -- alle Teufel! ich hatte schon den Ellenbogen angesetzt, ihr die übriggebliebenen ~wenigen edlen~ vollends in den Mastdarm zu stossen -- kurz resolvirt! entweder heraus mit dem Silbergeschirr, mit dem Klosterschatz und allen den blanken Thälerchen, oder -- meine Kerls verstanden mich schon -- ich sage dir, ich hab' aus dem Kloster mehr dann tausend Thaler Werths geschleift, und den Spaß obendrein, und meine Kerls haben ihnen ein Andenken hinterlassen, sie werden ihre neun Monathe dran zu schleppen haben. ~Razmann.~ (_auf den Boden stampfend._) Daß mich der Donner da weg hatte. ~Spiegelberg.~ Siehst du? Sag' du mehr, ob das kein Luder-Leben ist? und dabey bleibt man frisch und stark, und das Korpus ist noch beysammen, und schwillt dir stündlich wie ein Prälats-Bauch -- ich weiß nicht, ich muß was magnetisches an mir haben, das dir alles Lumpengesindel auf Gottes Erdboden anzieht wie Stahl und Eisen. ~Razmann.~ Schöner Magnet du! Aber so möcht' ich Henkers doch wissen, was für Hexereyen du brauchst -- ~Spiegelberg.~ Hexereyen? Braucht keiner Hexereyen -- Kopf mußt du haben! Ein gewisses praktisches Judicium, das man freilich nicht in der Gerste frißt -- denn siehst du, ich pfleg' immer zu sagen: einen honnetten Mann kann man aus jedem Weidenstozen formen, aber zu einem Spitzbuben will's Grüz -- auch gehört dazu ein eignes National-Genie, ein gewisses, daß ich so sage, ~Spitzbuben-Klima~, und da rath' ich dir, reis' du ins Graubündner-Land, das ist das Athen der heutigen Gauner. ~Razmann.~ Bruder! man hat mir überhaupt das ganze Italien gerühmt. ~Spiegelberg.~ Ja ja! man muß niemand sein Recht vorenthalten, Italien weist auch seine Männer auf, und wenn Deutschland so fortmacht, wie es bereits auf dem Weg ist, und die Bibel vollends hinaus votirt, wie es die glänzendsten Aspekten hat, so kann mit der Zeit auch noch aus Deutschland was Gutes kommen, -- überhaupt aber, muß ich dir sagen, macht das Klima nicht sonderlich viel, das Genie kommt überall fort, und das übrige, Bruder -- ein Holzapfel, weist du wohl, wird im Paradies-Gärtlein selber ewig keine Ananas -- aber daß ich dir weiter sage, -- wo bin ich stehen geblieben? ~Razmann.~ Bey den Kunstgriffen! ~Spiegelberg.~ Ja recht, bey den Kunstgriffen. So ist dein erstes, wenn du in die Stadt kommst, du ziehst bey den Bettelvögten, Stadt-Patrollanten und Zuchtknechten Kundschaft ein, wer so am fleissigsten bey ihnen einspreche, die Ehre gebe, und diese Kunden suchst du auf -- ferner nistest du dich in die Kaffeehäuser, Bordelle, Wirthshäuser ein, spähst, sondirst, wer am meisten über die wohlfeile Zeit, die fünf pro cent, über die einreissende Pest der Policeyverbesserungen schreyt, wer am meisten über die Regierung schimpft, oder wider die Physiognomik eifert und dergleichen Bruder! das ist die rechte Höhe! die Ehrlichkeit wackelt wie ein hohler Zahn, du darfst nur den Pelikan ansetzen, -- oder besser und kürzer: du gehst und wirfst einen vollen Beutel auf die offene Strase, versteckst dich irgendwo, und merkst dir wohl, wer ihn aufhebt -- eine Weile drauf jagst du hinterher, suchst, schreyst, und fragst nur so im Vorbeygehen, haben der Herr nicht etwa einen Geldbeutel gefunden? Sagt er ~ja~? -- nun so hat's der Teufel gesehen; leugnet er's aber? der Herr verzeihen -- ich wüßte mich nicht zu entsinnen, -- ich bedaure, (_aufspringend._) Bruder! Triumph, Bruder! Lösch deine Laterne aus, schlauer Diogenes! -- du hast deinen Mann gefunden. ~Razmann.~ Du bist ein ausgelernter Prakticus. ~Spiegelberg.~ Mein Gott! als ob ich noch jemals dran gezweifelt hätte -- Nun du deinen Mann in dem Hamen hast, must du's auch fein schlau angreifen, daß du ihn hebst! -- Siehst du, mein Sohn? das hab' ich so gemacht: -- So bald ich einmal die Fährte hatte, hängt' ich mich meinem Kandidaten an wie eine Klette, saufte Brüderschaft mit ihm, und Notabene! Zechfrey must du ihn halten! da geht freylich ein schönes drauf, aber das achtest du nicht -- -- du gehst weiter, du führst ihn in Spiel-Kompagnien und bey liederlichen Menschern ein, verwickelst ihn in Schlägereyen, und schelmische Streiche, bis er an Saft und Kraft und Geld und Gewissen, und gutem Namen bankrut wird, denn incidenter muß ich dir sagen, du richtest nichts aus, wenn du nicht Leib und Seele verderbst -- Glaube mir Bruder! das hab' ich aus meiner starken Praxi wohl fünfzigmal abstrahirt, wenn der ehrliche Mann einmal aus dem Nest gejagt ist, so ist der Teufel Meister -- Der Schritt ist dann so leicht -- o so leicht, als der Sprung von einer Hure zu einer Betschwester. -- Horch doch! was für ein Knall war das? ~Razmann.~ Es war gedonnert, nur fortgemacht! ~Spiegelberg.~ Noch ein kürzerer besserer Weg ist der, du plünderst deinem Mann Haus und Hof ab, bis ihm kein Hemd mehr am Leibe hebt, alsdann kommt er dir von selber -- lern mich die Pfiffe nicht Bruder -- frag einmal das Kupfergesicht dort -- Schwere Noth! den hab' ich schön in's Garn gekriegt -- ich hielt ihm vierzig Dukaten hin, die sollt' er haben, wenn er mir seines Herrn Schlüssel in Wachs drücken wollte -- denk einmal! die dumme Bestie thuts, bringt mir, hol mich der Teufel! die Schlüssel, und will itzt das Geld haben -- Monsieur, sagt' ich, weiß er auch, daß ich itzt diese Schlüssel gerades Wegs zum Policey-Lieutenant trage, und ihm ein Logis am lichten Galgen miethe? -- tausend Sakerment! da hättest du den Kerl sehen sollen die Augen aufreissen, und anfangen zu zappeln wie ein nasser Budel -- -- »Ums Himmels willen, hab' der Herr doch Einsicht! ich will -- will --« was will er? will er itzt gleich den Zopf hinaufschlagen und mit mir zum Teufel geh'n? -- »o von Herzen gern, mit Freuden« -- hahaha! guter Schlucker, mit Speck fängt man Mäuse -- lach ihn doch aus, Razmann! hahaha! ~Razmann.~ Ja, ja, ich muß gestehen. Ich will mir diese Lektion mit goldnen Ziffern auf meine Hirntafel schreiben. Der Satan mag seine Leute kennen, daß er dich zu seinem Mäckler gemacht hat. ~Spiegelberg.~ Gelt, Bruder? und ich denke, wenn ich ihm zehen stelle, läßt er mich frey ausgehen -- gibt ja jeder Verleger seinem Sammler das zehente Exemplar gratis, warum soll der Teufel so jüdisch zu Werk gehn? -- Razmann! ich rieche Pulver -- ~Razmann.~ Sapperment! ich riech's auch schon lang. -- Gib Acht, es wird in der Näh was gesetzt haben! -- Ja ja! wie ich dir sage, Moriz -- du wirst dem Hauptmann mit deinen Rekruten willkommen seyn -- er hat auch schon brave Kerl angelockt. ~Spiegelberg.~ Aber die meinen! die meinen -- Pah -- ~Razmann.~ Nun ja! sie mögen hübsche Fingerchen haben -- aber ich sage dir, der Ruf unsers Hauptmanns hat auch schon ehrliche Kerls in Versuchung geführt. ~Spiegelberg.~ Ich will nicht hoffen. ~Razmann.~ Sans Spaß! und sie schämen sich nicht unter ihm zu dienen. Er mordet nicht um des Raubes willen wie wir -- nach dem Geld schien er nicht mehr zu fragen, so bald ers vollauf haben konnte, und selbst sein Drittheil an der Beute, das ihn von Rechtswegen trifft, verschenkt er an Waisenkinder, oder läßt damit arme Jungen von Hoffnung studiren. Aber soll er dir einen Landjunker schröpffen, der seine Bauern wie das Vieh abschindet, oder einen Schurken mit goldnen Borden unter den Hammer kriegen, der die Gesetze falschmünzt, und das Auge der Gerechtigkeit übersilbert, oder sonst ein Herrchen von dem Gelichter -- Kerl! da ist er dir in seinem Element, und haußt teufelmäßig, als wenn jede Faser an ihm eine Furie wäre. ~Spiegelberg.~ Hum! hum! ~Razmann.~ Neulich erfuhren wir im Wirthshaus, daß ein reicher Graf von Regensburg durchkommen würde, der einen Proceß von einer Million durch die Pfiffe seines Advokaten durchgesetzt hätte, er saß eben am Tisch und brettelte, -- wie viel sind unserer? frug er mich, indem er hastig aufstand, ich sah ihn die Unterlippe zwischen die Zähne klemmen, welches er nur thut, wenn er am grimmigsten ist -- nicht mehr als fünf! sagt' ich -- es ist genug! sagt' er, warf der Wirthinn das Geld auf den Tisch, ließ den Wein, den er sich hatte reichen lassen, unberührt stehen -- wir machten uns auf den Weg. Die ganze Zeit über sprach er kein Wort, lief abseitwärts und allein, nur daß er uns von Zeit zu Zeit fragte, ob wir noch nichts gewahr worden wären, und uns befahl das Ohr an die Erde zu legen. Endlich so kommt der Graf hergefahren, der Wagen schwer bepakt, der Advokat saß bey ihm drinn, voraus ein Reuter, nebenher ritten zwey Knechte -- da hättest du den Mann sehen sollen, wie er, zwey Terzerolen in der Hand, vor uns her auf den Wagen zusprang! und die Stimme, mit der er rief: Halt! -- der Kutscher, der nicht Halt machen wollte, mußte vom Bock herabtanzen, der Graf schoß aus dem Wagen in den Wind, die Reuter flohen -- dein Geld, Kanaille! rief er donnernd -- er lag wie ein Stier unter dem Beil -- und bist du der Schelm, der die Gerechtigkeit zur feilen Hure macht? Der Advokat zitterte, daß ihm die Zähne klapperten, -- der Dolch stak in seinem Bauch wie ein Pfahl in dem Weinberg -- ich habe das meine gethan! rief er, und wandte sich stolz von uns weg, das Plündern ist eure Sache. Und somit verschwand er in den Wald -- ~Spiegelberg.~ Hum, hum! Bruder, was ich dir vorhin erzählt habe, bleibt unter uns, er brauchts nicht zu wissen. Verstehst du? ~Razmann.~ Recht, recht! ich versteh. ~Spiegelberg.~ Du kennst ihn ja! Er hat so seine Grillen. Du verstehst mich. ~Razmann.~ Ich versteh, ich versteh. Schwarz (_in vollem Lauf._) ~Razmann.~ Wer da? was gibts da? Passagiers im Wald? ~Schwarz.~ Hurtig, hurtig! wo sind die andern? -- tausendsakerment! ihr steht da, und plaudert! Wißt ihr denn nicht -- wißt ihr denn gar nicht? -- und Roller -- ~Razmann.~ Was dann, was dann? ~Schwarz.~ Roller ist gehangen, noch vier andere mit -- ~Razmann.~ Roller? Schwere Noth! seit wann -- woher weist du's? ~Schwarz.~ Schon über drey Wochen sitzt er, und wir erfahren nichts, schon drey Rechtstäge sind über ihn gehalten worden, und wir hören nichts, man hat ihn auf der Tortur examinirt, wo der Hauptmann sey? -- Der wackere Bursche hat nichts bekannt, gestern ist ihm der Proceß gemacht worden, diesen Morgen ist er dem Teufel extra Post zugefahren. ~Razmann.~ Vermaledeyt! weiß es der Hauptmann? ~Schwarz.~ Erst gestern erfährt er's. Er schäumt wie ein Eber. Du weist's, er hat immer am meisten gehalten auf Roller, und nun die ~Tortur erst~ -- Strick und Leiter sind schon an den Thurm gebracht worden, es half nichts, er selbst hat sich schon in Kapuciners-Kutte zu ihm geschlichen, und die Person mit ihm wechseln wollen, Roller schlugs hartnäckig ab, itzt hat er einen Eid geschworen, daß es uns eiskalt über die Leber lief, er wolle ihm eine Todesfackel anzünden, wie sie noch keinem König geleuchtet hat, die ihnen den Buckel braun und blau brennen soll. Mir ist bang für die Stadt. Er hat schon lang eine Pique auf sie, weil sie so schändlich bigott ist, und du weist, wenn er sagt: ich will's thun! so ist's so viel, als wenn's unser einer gethan hat. ~Razmann.~ Das ist wahr! ich kenne den Hauptmann. Wenn er dem Teufel sein Wort drauf gegeben hätte in die Hölle zu fahren, er würde nie beten, wenn er mit einem halben Vater Unser seelig werden könnte! -- Aber ach! der arme Roller! -- der arme Roller! -- ~Spiegelberg.~ Memento mori! Aber das regt mich nicht an. (_Trillert ein Liedgen._) Geh ich vorbey am Rabensteine, So blinz ich nur das rechte Auge zu, Und denk, du hängst mir wohl alleine, Wer ist ein Narr, ich oder du? ~Razmann~ (_aufspringend._) Horch! Ein Schuß. (_Schießen und Lermen._) ~Spiegelberg.~ Noch einer! ~Razmann.~ Wieder einer! der Hauptmann! (_Hinter der Scene gesungen._) Die Nürnberger henken keinen, Sie hätten ihn denn vor. =Da Capo.= ~Schweizer. Roller.~ (_Hinter der Scene._) Holla ho! Holla ho! ~Razmann.~ Roller! Roller! Holen mich zehn Teufel! ~Schweizer. Roller.~ (_Hinter der Scene._) Razmann! Schwarz! Spiegelberg! Razmann! ~Razmann.~ Roller! Schweizer! Bliz, Donner, Hagel und Wetter! (_Fliegen ihm entgegen._) Räuber Moor (_zu Pferd._) Schweizer. Roller. Grimm. Schufterle. Räubertrupp (_mit Koth und Staub bedeckt, treten auf._) ~Räuber Moor~ (_vom Pferd springend._) Freyheit! Freyheit! -- -- du bist im Trocknen, Roller! -- Führ meinen Rappen ab, Schweizer, und wasch ihn mit Wein. (_Wirft sich auf die Erde._) Das hat gegolten! ~Razmann~ (_zu Roller._) Nun bey der Feueresse des Pluto's! bist du vom Rad auferstanden? ~Schwarz.~ Bist du sein Geist? oder bin ich ein Narr? oder bist du's wirklich? ~Roller~ (_in Athem._) Ich bins. Leibhaftig. Ganz. Wo glaubst du, daß ich herkomme? ~Schwarz.~ Da frag die Hexe! der Stab war schon über dich gebrochen. ~Roller.~ Das war er freylich, und noch mehr. Ich komme recta vom Galgen her. Laß mich nur erst zu Athem kommen. Der Schweizer wird dir erzählen. Gebt mir ein Glas Brandtenwein! -- du auch wieder da, Moriz? Ich dachte dich wo anders wieder zu sehen -- gebt mir doch ein Glas Brandtenwein! meine Knochen fallen auseinander -- o mein Hauptmann! wo ist mein Hauptmann? ~Schwarz.~ Gleich, gleich! -- so sag doch, so schwäz doch! wie bist du davon kommen? wie haben wir dich wieder? der Kopf geht mir um. Vom Galgen her, sagst du? ~Roller~ (_stürzt eine Flasche Brandtenwein hinunter._) Ah, das schmeckt, das brennt ein! -- gerades Wegs vom Galgen her! sag ich. Ihr steht da, und gafft, und könnt's nicht träumen -- ich war auch nur drey Schritte von der Sakerments-Leiter, auf der ich in den Schoos Abrahams steigen sollte -- so nah, so nah -- war dir schon mit Haut und Haar auf die Anatomie verhandelt! hättest mein Leben um'n Prise Schnupftaback haben können, dem Hauptmann dank ich Luft, Freyheit und Leben. ~Schweizer.~ Es war ein Spaß, der sich hören läßt. Wir hatten den Tag vorher durch unsre Spionen Wind gekriegt, der Roller liege tüchtig im Salz, und wenn der Himmel nicht bey Zeit noch einfallen wollte, so werde er morgen am Tag -- das war als heut -- den Weg alles Fleisches gehen müssen -- Auf! sagt der Hauptmann, was wiegt ein Freund nicht? -- Wir retten ihn, oder retten ihn nicht, so wollen wir ihm wenigstens doch eine Todesfackel anzünden, wie sie noch keinem König geleuchtet hat, die ihnen den Buckel braun und blau brennen soll. Die ganze Bande wird aufgeboten. Wir schicken einen Expressen an ihn, der's ihm in einem Zettelchen beybrachte, das er ihm in die Suppe warf. ~Roller.~ Ich verzweifelte an dem Erfolg. ~Schweizer.~ Wir paßten die Zeit ab, bis die Passagen leer waren. Die ganze Stadt zog dem Spektakel nach, Reuter und Fußgänger durch einander und Wagen, der Lerm und der Galgen-Psalm jolten weit. Izt, sagt der Hauptmann, brennt an, brennt an! Die Kerl flogen wie Pfeile, steckten die Stadt an drey und dreysig Eken zumal in Brand, werfen feurige Lunten in die Nähe des Pulverthurms, in Kirchen und Scheunen -- Morbleu es war keine Viertelstunde vergangen, der Nord-Ost-Wind, der auch seinen Zahn auf die Stadt haben muß, kam uns trefflich zu statten, und half die Flamme bis hinauf in die obersten Gibel jagen. Wir indeß Gasse auf Gasse nieder, wie Furien -- Feuerjo! Feuerjo! durch die ganze Stadt -- Geheul, -- Geschrey -- Gepolter -- fangen an die Brandglocken zu brummen, knallt der Pulverthurm in die Luft, als wär die Erde mitten entzwey geborsten, und der Himmel zerplazt, und die Hölle zehntausend Klafter tiefer versunken. ~Roller.~ Und itzt sah mein Gefolge zurück -- da lag die Stadt wie Gomorrha und Sodom, der ganze Horizont war Feuer, Schwefel und Rauch, vierzig Gebürge brüllen den infernalischen Schwank in die Rund herum nach, ein panischer Schreck schmeißt alle zu Boden -- itzt nutz ich den Zeitpunkt, und risch, wie der Wind! -- ich war losgebunden, so nah war's dabey -- da meine Begleiter versteinert wie Loths Weib zurückschaun, Reißaus! zerrissen die Haufen! davon! Sechzig Schritte weg werf ich die Kleider ab, stürze mich in den Fluß, schwimm unter'm Wasser fort, bis ich glaubte ihnen aus dem Gesichte zu seyn. Mein Hauptmann schon parat mit Pferden und Kleidern -- so bin ich entkommen. Moor! Moor! möchtest du bald auch in den Pfeffer gerathen, daß ich dir gleiches mit gleichem vergelten kann! ~Razmann.~ Ein bestialischer Wunsch, für den man dich hängen sollte -- aber es war ein Streich zum Zerplatzen. ~Roller.~ Es war Hülfe in der Noth, ihr könnt's nicht schäzen. Ihr hättet sollen -- den Strick um den Hals -- mit lebendigem Leib zu Grabe marschiren wie ich, und die sakermentalischen Anstalten und Schinders-Ceremonien, und mit jedem Schritt, den der scheue Fuß vorwärts wankte, näher und fürchterlich näher die verfluchte Maschine, wo ich einlogirt werden sollte, im Glanz der schröcklichen Morgensonne steigend, und die laurenden Schinders-Knechte, und die gräßliche Musik -- noch raunt sie in meinen Ohren -- und das Gekrächz hungriger Raben, die an meinem halbfaulen Antezessor zu dreysigen hiengen, und das alles, alles -- und obendrein noch der Vorschmack der Seeligkeit, die mir blühete! -- Bruder, Bruder! und auf einmal die Losung zur Freyheit -- Es war ein Knall, als ob dem Himmelfaß ein Raif gesprungen wäre -- hört Kanaillen! ich sag euch, wenn man aus dem glühenden Ofen in's Eiswasser springt, kann man den Abfall nicht so stark fühlen als ich, da ich am andern Ufer war. ~Spiegelberg~ (_lacht._) Armer Schlucker! nun ist's ja verschwitzt. (_trinkt ihm zu._) Zur glücklichen Wiedergeburt! ~Roller~ (_wirft sein Glas weg._) Nein, bey allen Schäzen des Mammons! ich möchte das nicht zum zweytenmal erleben. Sterben ist etwas mehr als Harlequins-Sprung, und Todes-Angst ist ärger als Sterben. ~Spiegelberg.~ Und der hüpfende Pulverthurm -- merkst du's izt, Razmann? -- d'rum stank auch die Luft so nach Schwefel, stundenweit, als würde die ganze Garderobe des Molochs unter dem Firmament ausgelüftet -- es war ein Meisterstreich, Hauptmann! ich beneide dich d'rum. ~Schweizer.~ Macht sich die Stadt eine Freude daraus, meinen Kameraden wie ein verheztes Schwein abthun zu sehen, was, zum Henker! sollen wir uns ein Gewissen daraus machen, unserem Kameraden zulieb die Stadt drauf gehen zu lassen? Und neben her hatten unsere Kerls noch das gefundene Fressen, über den alten Kaiser zu plündern. -- Sagt einmal! Was habt ihr weggekapert? ~Einer von der Bande.~ Ich hab mich während des Durcheinanders in die Stephans-Kirche geschlichen und die Borden vom Altar-Tuch abgetrennt, der liebe Gott da, sagt' ich, ist ein reicher Mann, und kann ja Goldfäden aus einem Batzenstrick machen. ~Schweizer.~ Du hast wohl gethan -- was soll auch der Plunder in einer Kirche? Sie tragens dem Schöpfer zu, der über den Trödelkram lachet, und seine Geschöpfe dörfen verhungern. -- Und du Spangeler -- wo hast du dein Netz ausgeworfen? ~Ein zweyter.~ Ich und Bügel haben einen Kaufladen geplündert und bringen Zeug für unser funfzig mit. ~Ein Dritter.~ Zwey gold'ne Sackuhren hab ich weggebixt, und ein Dutzend silberne Löffel dazu. ~Schweizer.~ Gut, gut. Und wir haben ihnen ein's angerichtet, d'ran sie vierzeh'n Tage werden zu löschen haben. Wenn sie dem Feuer wehren wollen, so müssen sie die Stadt durch Wasser ruiniren -- Weist du nicht, Schufterle, wie viel es Todte gesetzt hat? ~Schufterle.~ Drey und achtzig sagt man. Der Thurm allein hat ihrer sechszig zu Staub zerschmettert. ~Räuber Moor~ (_sehr ernst._) Roller, du bist theuer bezahlt. ~Schufterle.~ Pah! pah! was heißt aber das? -- ja, wenn's Männer gewesen wären -- aber da warens Wikelkinder, die ihre Lacken vergolden, eingeschnurrte Müttergen, die ihnen die Müken wehrten, ausgedörrte Ofenhocker, die keine Thüre mehr finden konnten -- Patienten, die nach dem Doktor winselten, der in seinem gravitätischen Trab der Hatz nachgezogen war -- Was leichte Beine hatte, war ausgeflogen der Komödie nach, und nur der Bodensatz der Stadt blieb zurück, die Häuser zu hüten. ~Moor.~ Oh der armen Gewürme! Kranke, sagst du, Greise und Kinder? -- ~Schufterle.~ Ja zum Teufel! und Kindbetterinnen darzu, und hochschwangere Weiber, die befürchteten, unterm lichten Galgen zu abortiren, junge Frauen, die besorgten sich an den Schinders-Stückchen zu versehen, und ihrem Kind im Mutterleib den Galgen auf den Buckel zu brennen -- Arme Poeten, die keinen Schuh anzuziehen hatten, weil sie ihr einziges Paar in die Mache gegeben, und was das Hundsgesindel mehr ist, es lohnt sich der Mühe nicht, daß man davon redet. Wie ich von ungefehr so an einer Barake vorbeygehe, hör ich drinnen ein Gezetter, ich guk hinein, und wie ich's beym Licht besehe, was war's? Ein Kind war's, noch frisch und gesund, das lag auf dem Boden unter'm Tisch, und der Tisch wollte eben angehen, -- Armes Thiergen! sagt' ich, du verfrierst ja hier, und warf's in die Flamme -- ~Moor.~ Wirklich, Schufterle? -- Und diese Flamme brenne in deinem Busen, bis die Ewigkeit grau wird! -- Fort Ungeheuer! Laß dich nimmer unter meiner Bande sehen! Murrt ihr? -- Ueberlegt ihr? -- Wer überlegt, wann Ich befehle? -- Fort mit ihm, sag ich, -- es sind noch mehr unter euch, die meinem Grimm reif sind. Ich kenne dich, Spiegelberg. Aber ich will nächstens unter euch treten, und fürchterlich Musterung halten. (_Sie gehen zitternd ab._) Moor (_allein heftig auf- und abgehend._) Höre sie nicht, Rächer im Himmel! -- Was kann ich dafür? Was kannst du dafür, wenn deine Pestilenz, deine Theurung, deine Wasserfluten, den Gerechten mit dem Bösewicht auffressen? Wer kann der Flamme befehlen, daß sie nicht auch durch die gesegneten Saaten wüte, wenn sie das Genist der Hornissel zerstören soll? -- O pfui, über den Kinder-Mord! den Weiber-Mord -- den Kranken-Mord! Wie beugt mich diese That! Sie hat meine schönsten Werke vergiftet -- da steht der Knabe, schaamroth und ausgehöhnt vor dem Auge des Himmels, der sich anmaßte mit Jupiters Keule zu spielen, und Pygmeen niederwarf, da er Titanen zerschmettern sollte -- geh, geh! du bist der Mann nicht, das Rachschwerdt des obern Tribunals zu regieren, du erlagst bey dem ersten Griff -- hier entsag' ich dem frechen Plan, gehe, mich in irgend eine Kluft der Erde zu verkriechen, wo der Tag vor meiner Schande zurücktritt. (_er will fliehen._) Räuber (_eilig._) Sieh dich vor, Hauptmann! Es spukt! Ganze Haufen böhmischer Reuter schwadroniren im Holz herum -- der höllische Blaustrumpf muß ihnen verträtscht haben -- Neue Räuber. Hauptmann, Hauptmann! Sie haben uns die Spur abgelauert -- rings ziehen ihrer etliche Tausend einen Kordon um den mittlern Wald. Neue Räuber. Weh, weh, weh! Wir sind gefangen, gerädert, wir sind geviertheilt! Viele tausend Husaren, Dragoner und Jäger sprengen um die Anhöhe, und halten die Luft-Löcher besetzt. (_Moor geht ab._) Schweizer. Grimm. Roller. Schwarz. Schufterle. Spiegelberg. Razmann. Räubertrupp. ~Schweizer.~ Haben wir sie aus den Federn geschüttelt? Freu dich doch, Roller! Das hab ich mir lange gewünscht, mich mit so Kommis-Brod-Rittern herumzuhauen -- wo ist der Hauptmann? Ist die ganze Bande beysammen? Wir haben doch Pulver genug? ~Razmann.~ Pulver die schwere Meng. Aber unser sind achtzig in allem, und so immer kaum einer gegen ihrer zwanzig. ~Schweizer.~ Desto besser! und laß es fünfzig gegen meinen grossen Nagel seyn -- Haben sie so lang gewartet, bis wir ihnen die Streu unterm Arsch angezündet haben -- Brüder, Brüder! so hat's keine Noth. Sie sezen ihr Leben an zehen Kreuzer, fechten wir nicht für Hals und Freyheit? -- Wir wollen über sie her wie die Sündflut, und auf ihre Köpfe herabfeuren wie Wetterleuchten -- Wo zum Teufel! ist dann der Hauptmann? ~Spiegelberg.~ Er verläßt uns in dieser Noth. Können wir denn nicht mehr entwischen? ~Schweizer.~ Entwischen? ~Spiegelberg.~ Oh! Warum bin ich nicht geblieben in Jerusalem. ~Schweizer.~ So wollt' ich doch, daß du im Kloak erstiktest, Drekseele du! Bey nakten Nonnen hast du ein grosses Maul, aber wenn du zwey Fäuste siehst, -- Memme, zeige dich itzt, oder man soll dich in eine Sauhaut nähen, und durch Hunde verhetzen lassen. ~Razmann.~ Der Hauptmann, der Hauptmann! Moor (_langsam vor sich._) ~Moor.~ Ich habe sie vollends ganz einschliessen lassen, itzt müssen sie fechten wie Verzweifelte. (_Laut._) Kinder! Nun gilts! Wir sind verloren, oder wir müssen fechten wie angeschossene Eber. ~Schweizer.~ Ha! ich will ihnen mit meinen Fangern den Bauch schlizen, daß ihnen die Kutteln schuhlang herausplatzen! -- Führ uns an, Hauptmann! Wir folgen dir in den Rachen des Todes. ~Moor.~ Ladet alle Gewehre! Es fehlt doch an Pulver nicht? ~Schweizer~ (_springt auf._) Pulver genug, die Erde gegen den Mond zu sprengen! ~Razmann~. Jeder hat fünf paar Pistolen geladen, jeder noch drey Kugelbüchsen darzu. ~Moor.~ Gut, gut! Und nun muß ein Theil auf die Bäume klettern, oder sich in's Dickicht verstecken, und Feuer auf sie geben im Hinterhalt -- ~Schweizer.~ Da gehörst du hin, Spiegelberg! ~Moor.~ Wir andern, wie Furien, fallen ihnen in die Flanken. ~Schweizer.~ Darunter bin ich, ich! ~Moor.~ Zugleich muß jeder sein Pfeifchen hören lassen, im Wald herumjagen, daß unsere Anzahl schröcklicher werde: auch müssen alle Hunde los, und in ihre Glieder gehetzt werden, daß sie sich trennen, zerstreuen, und euch in den Schuß rennen. Wir drey, Roller, Schweizer und ich, fechten im Gedränge. ~Schweizer.~ Meisterlich, vortrefflich! -- Wir wollen sie zusammenwettern, daß sie nicht wissen, wo sie die Ohrfeigen herkriegen. Ich habe wohl ehe eine Kirsche vom Maul weggeschossen, laß sie nur anlaufen. (_Schufterle zupft Schweizern, dieser nimmt den Hauptmann beyseit, und spricht leise mit ihm._) ~Moor.~ Schweig! ~Schweizer.~ Ich bitte dich -- ~Moor.~ Weg! Er dank es seiner Schande, sie hat ihn gerettet. Er soll nicht sterben, wenn ich und mein Schweizer sterben, und mein Roller. Laß ihn die Kleider ausziehen, so will ich sagen, er sey ein Reisender, und ich habe ihn bestohlen -- Sey ruhig, Schweizer! Ich schwöre darauf, er wird doch noch gehangen werden. Pater (_tritt auf._) ~Pater~ (_vor sich, stutzt._) Ist das das Drachen-Nest? -- Mit eurer Erlaubniß, meine Herren! Ich bin ein Diener der Kirche, und draussen stehen siebenzehnhundert, die jedes Haar auf meinen Schläfen bewachen. ~Schweizer.~ Bravo! bravo! das war wohlgesprochen sich den Magen warm zu halten. ~Moor.~ Schweig, Kamerad! -- Sagen Sie kurz, Herr Pater! was haben Sie hier zu thun? ~Pater.~ Mich sendet die hohe Obrigkeit, die über Leben und Tod spricht -- ihr Diebe -- ihr Mordbrenner -- ihr Schelmen -- giftige Otterbrut, die im Finstern schleicht, und im Verborgenen sticht -- Aussatz der Menschheit -- Höllenbrut, -- köstliches Mahl für Raben und Ungeziefer -- Kolonie für Galgen und Rad -- ~Schweizer.~ Hund! hör auf zu schimpfen, oder -- (_er drückt ihm den Kolben vor's Gesicht._) ~Moor.~ Pfui doch, Schweizer! du verdirbst ihm ja das Koncept -- er hat seine Predigt so brav auswendig gelernt -- nur weiter mein Herr! -- »für Galgen und Rad?« ~Pater.~ Und du, feiner Hauptmann! Herzog der Beutelschneider! Gauner-König! Gros-Mogol aller Schelmen unter der Sonne! -- Ganz ähnlich jenem ersten abscheulichen Rädelsführer, der tausend Legionen schuldloser Engel in rebellisches Feuer fachte, und mit sich hinab in den tiefen Pfuhl der Verdammniß zog -- das Zettergeschrey verlassener Mütter heult deinen Fersen nach, Blut saufst du wie Wasser, Menschen wägen auf deinem mörderischen Dolch keine Luftblase auf. -- ~Moor.~ Sehr wahr, sehr wahr! Nur weiter! ~Pater.~ Was? sehr wahr, sehr wahr? ist das auch eine Antwort? ~Moor.~ Wie, mein Herr? darauf haben Sie sich wohl nicht gefaßt gemacht? Weiter, nur weiter! Was wollten Sie weiter sagen? ~Pater~ (_im Eifer._) Entsetzlicher Mensch! hebe dich weg von mir! Picht nicht das Blut des ermordeten Reichs-Grafen an deinen verfluchten Fingern? Hast du nicht das Heiligthum des Herrn mit diebischen Händen durchbrochen, und mit einem Schelmengriff die geweihten Gefässe des Nachtmahls entwandt? Wie? hast du nicht Feuerbrände in unsere gottesfürchtige Stadt geworfen? und den Pulverthurm über die Häupter guter Christen herabgestürzt? (_Mit zusammengeschlagenen Händen._) Greuliche, greuliche Frevel, die bis zum Himmel hinaufstinken, das jüngste Gericht waffnen, daß es reissend daher bricht! Reif zur Vergeltung, zeitig zur letzten Posaune! ~Moor.~ Meisterlich gerathen bis hieher! aber zur Sache! Was läßt mir der hochlöbliche Magistrat durch Sie kund machen? ~Pater.~ Was du nie werth bist, zu empfangen -- Schau um dich, Mordbrenner! Was nur dein Auge absehen kann, bist du eingeschlossen von unsern Reutern -- hier ist kein Raum zum Entrinnen mehr -- so gewiß Kirschen auf diesen Eichen wachsen, und diese Tannen Pfirsiche tragen, so gewiß werdet ihr unversehrt diesen Eichen und diesen Tannen den Rücken kehren. ~Moor.~ Hörst du's wohl, Schweizer? -- Aber nur weiter! ~Pater.~ Höre dann, wie gütig, wie langmüthig das Gericht mit dir Böswicht verfährt. Wirst du itzt gleich zum Kreuz kriechen und um Gnade und Schonung flehen, siehe, so wird dir die Strenge selbst Erbarmen, die Gerechtigkeit eine liebende Mutter seyn -- sie drückt das Auge bey der Hälfte deiner Verbrechen zu, und läßt es -- denk doch! -- und läßt es bey ~dem Rade bewenden~. ~Schweizer.~ Hast du's gehört, Hauptmann? Soll ich hingeh'n, und diesem abgerichteten Schäferhund die Gurgel zusammen schnüren, daß ihm der rothe Saft aus allen Schweislöchern sprudelt? -- ~Roller.~ Hauptmann! -- Sturm! Wetter und Hölle! -- Hauptmann, -- wie er die Unterlippe zwischen die Zähne klemmt! soll ich diesen Kerl das oberst zu unterst unter's Firmament wie einen Kegel aufsetzen? ~Schweizer.~ Mir! mir! Laß mich knien, vor dir niederfallen! Mir laß die Wohllust, ihn zu Brey zusammenzureiben! (Pater schreyt.) ~Moor.~ Weg von ihm! Wag es keiner, ihn anzurühren! -- (_Zum Pater, indem er seinen Degen zieht!_) Sehen Sie, Herr Pater! hier stehen neun-und siebenzig, deren Hauptmann ich bin, und weiß keiner auf Wink und Kommando zu fliegen, oder nach Kanonen-Musik zu tanzen, und draussen steh'n siebenzehnhundert unter Mousqueten ergraut -- aber hören Sie nun! so redet Moor, der Mordbrenner Hauptmann: Wahr ist's, ich habe den Reichsgrafen erschlagen, die Dominikus-Kirche angezündet und geplündert, hab Feuerbrände in eure bigotte Stadt geworfen, und den Pulverthurm über die Häupter guter Christen herabgestürzt -- aber es ist noch nicht alles. Ich habe noch mehr gethan. (_Er streckt seine rechte Hand aus._) Bemerken Sie die vier kostbaren Ringe, die ich an jedem Finger trage -- gehen Sie hin, und richten Sie Punkt für Punkt den Herren des Gerichts über Leben und Tod aus, was Sie sehen und hören werden -- diesen Rubin zog ich einem Minister vom Finger, den ich auf der Jagd zu den Füßen seines Fürsten niederwarf. Er hatte sich aus dem Pöbelstaub zu einem ersten Günstling empor geschmeichelt, der Fall seines Nachbars war seiner Hoheit Schemel -- Thränen der Waisen huben ihn auf. Diesen Demant zog ich einem Finanzrath ab, der Ehrenstellen und Aemter an die Meistbietenden verkaufte und den traurenden Patrioten von seiner Thüre stieß. -- Diesen Achat trag ich einem Pfaffen Ihres Gelichters zur Ehre, den ich mit eigener Hand erwürgte, als er auf offener Kanzel geweint hatte, daß die Inquisition so in Zerfall käme -- ich könnte Ihnen noch mehr Geschichten von meinen Ringen erzählen, wenn mich nicht schon die paar Worte gereuten, die ich mit Ihnen verschwendet habe -- ~Pater.~ O Pharao! Pharao! ~Moor.~ Hört ihr's wohl? Habt ihr den Seufzer bemerkt? Steht er nicht da, als wollte er Feuer vom Himmel auf die Rotte Korah herunter beten, richtet mit einem Achselzucken, verdammt mit einem christlichen ~Ach~! -- Kann der Mensch denn so blind seyn? Er, der die hundert Augen des Argus hat Flecken an seinem Bruder zu spähen, kann er so gar blind gegen sich selbst seyn? -- Da donnern sie Sanftmuth und Duldung aus ihren Wolken, und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem feuerarmigen Moloch -- predigen Liebe des Nächsten, und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Thüren hinweg: -- stürmen wider den Geiz und haben Peru um gold'ner Spangen willen entvölkert und die Heyden wie Zugvieh vor ihre Wagen gespannt -- Sie zerbrechen sich die Köpfe, wie es doch möglich gewesen wäre, daß die Natur hätte können einen Ischariot schaffen, und nicht der schlimmste unter ihnen würde den dreyeinigen Gott um zehen Silberlinge verrathen. -- O über euch Pharisäer, euch Falschmünzer der Wahrheit, euch Affen der Gottheit! Ihr scheut euch nicht vor Kreuz und Altären zu knien, zerfleischt eure Rücken mit Riemen, und foltert euer Fleisch mit Fasten; ihr wähnt mit diesen erbärmlichen Gaukeleyen demjenigen einen blauen Dunst vorzumachen, den ihr Thoren doch den Allwissenden nennt, nicht anders, als wie man der Grossen am bittersten spottet, wenn man ihnen schmeichelt, daß sie die Schmeichler hassen; ihr pocht auf Ehrlichkeit und exemplarischen Wandel, und der Gott, der euer Herz durchschaut, würde wider den Schöpfer ergrimmen, wenn er nicht eben der wäre, der das Ungeheuer am Nilus erschaffen hat. -- Schafft ihn aus meinen Augen. ~Pater.~ Daß ein Bösewicht noch so stolz seyn kann! ~Moor.~ Nicht genug -- Itzt will ich stolz reden. Geh hin, und sage dem hochlöblichen Gericht, das über Leben und Tod würfelt -- Ich bin kein Dieb, der sich mit Schlaf und Mitternacht verschwört, und auf der Leiter gros und herrisch thut -- was ich gethan habe, werd ich ohne Zweifel einmal im Schuldbuch des Himmels lesen, aber mit seinen erbärmlichen Verwesern will ich kein Wort mehr verlieren. Sag ihnen, mein Handwerk ist Wiedervergeltung -- Rache ist mein Gewerbe. (_Er kehrt ihm den Rücken zu._) ~Pater.~ Du willst also nicht Schonung und Gnade? -- Gut, mit dir bin ich fertig. (_Wendet sich zu der Bande._) So höret dann ihr, was die Gerechtigkeit euch durch mich zu wissen thut! -- Werdet ihr itzt gleich diesen verurtheilten Missethäter gebunden überliefern, seht, so soll euch die Strafe eurer Greuel bis auf das letzte Andenken erlassen seyn -- die heilige Kirche wird euch verlorne Schafe mit erneuerter Liebe in ihren Mutterschoos aufnehmen, und jedem unter euch soll der Weg zu einem Ehren-Amt offen steh'n. (_mit triumphirendem Lächeln._) Nun, nun? Wie schmeckt das, Euer Majestät? -- Frisch also! Bindet ihn, und seyd frey! ~Moor.~ Hört ihr's auch? Hört ihr? Was stutzt ihr? Was steht ihr verlegen da? Sie bietet euch Freyheit, und ihr seyd wirklich schon ihre Gefangene. -- Sie schenkt euch das Leben, und das ist keine Prahlerey, denn ihr seyd wahrhaftig gerichtet. -- Sie verheißt euch Ehren und Aemter, und was kann euer Loos anders seyn, wenn ihr auch obsiegtet, als Schmach und Fluch und Verfolgung. -- Sie kündigt euch Versöhnung vom Himmel an, und ihr seyd wirklich verdammt. Es ist kein Haar an keinem unter euch, das nicht in die Hölle fährt. Ueberlegt ihr noch? Wankt ihr noch? Ist es so schwer zwischen Himmel und Hölle zu wählen? Helfen Sie doch, Herr Pater! ~Pater~ (_vor sich._) Ist der Kerl unsinnig? -- Sorgt ihr etwa, daß diß eine Falle sey, euch lebendig zu fangen? -- Leset selbst, hier ist der General-Pardon unterschrieben. (_Er gibt Schweizern ein Papier._) Könnt ihr noch zweifeln? ~Moor.~ Seht doch, seht doch! Was könnt ihr mehr verlangen? -- Unterschrieben mit eigener Hand -- es ist Gnade über alle Grenzen -- oder fürchtet ihr wohl, sie werden ihr Wort brechen, weil ihr einmal gehört habt, daß man Verräthern nicht Wort hält? -- O seyd ausser Furcht! Schon die Politik könnte sie zwingen, Wort zu halten, wenn sie es auch dem Satan gegeben hätten. Wer würde ihnen in Zukunft noch Glauben beymessen? Wie würden sie je einen zweyten Gebrauch davon machen können? -- Ich wollte darauf schwören, sie meinens aufrichtig. Sie wissen, daß ich es bin, der euch empört und erbittert hat, euch halten sie für unschuldig. Eure Verbrechen legen sie für Jugendfehler, für Uebereilungen aus. Mich allein wollen Sie haben, ich allein verdiene zu büssen. Ist es nicht so, Herr Pater? ~Pater.~ Wie heißt der Teufel, der aus ihm spricht? -- Ja freylich, freylich ist es so -- der Kerl macht mich wirbeln. ~Moor.~ Wie, noch keine Antwort? denkt ihr wohl gar mit den Waffen noch durchzureissen? Schaut doch um euch, schaut doch um euch! das werdet ihr doch nicht denken, das wäre itzt kindische Zuversicht. -- Oder schmeichelt ihr euch wohl gar als Helden zu fallen, weil ihr saht, daß ich mich auf's Getümmel freute? -- Oh glaubt das nicht! Ihr seyd nicht ~Moor~. -- Ihr seyd heillose Diebe! Elende Werkzeuge meiner grösern Plane, wie der Strick verächtlich in der Hand des Henkers! -- Diebe können nicht fallen, wie Helden fallen. Das Leben ist den Dieben Gewinn, dann kommt was schröckliches nach -- Diebe haben das Recht, vor dem Tode zu zittern. -- Höret, wie ihre Hörner tönen! Sehet, wie drohend ihre Säbel daher blinken! wie? noch unschlüssig? seyd ihr toll? seyd ihr wahnwitzig? -- Es ist unverzeihlich! Ich dank euch mein Leben nicht, ich schäme mich eures Opfers! ~Pater~ (_äußerst erstaunt._) Ich werde unsinnig, ich laufe davon! Hat man je von so was gehört? ~Moor.~ Oder fürchtet ihr wohl, ich werde mich selbst erstechen, und durch einen Selbstmord den Vertrag zernichten, der nur an dem Lebendigen haftet? Nein, Kinder! das ist eine unnütze Furcht. Hier werf ich meinen Dolch weg, und meine Pistolen und diß Fläschgen mit Gift, das mir noch wohlkommen sollte -- ich bin so elend, daß ich auch die Herrschaft über mein Leben verloren habe -- Was, noch unschlüssig? Oder glaubt ihr vielleicht, ich werde mich zur Wehr setzen, wenn ihr mich binden wollt? Seht! hier bind ich meine rechte Hand an diesen Eichenast, ich bin ganz wehrlos, ein Kind kann mich umwerfen -- Wer ist der erste, der seinen Hauptmann in der Noth verläßt? ~Roller~ (_in wilder Bewegung._) Und wann die Hölle uns neunfach umzingelte! (_schwenkt seinen Degen._) Wer kein Hund ist, rette den Hauptmann! ~Schweizer~ (_Zerreißt den Pardon, und wirft die Stücke dem Pater in's Gesicht._) In unsern Kugeln Pardon! Fort Kanaille! sag dem Senat, der dich gesandt hat, du träfst unter Moor's Bande keinen einzigen Verräther an -- Rettet, rettet den Hauptmann! ~Alle~ (_lermen._) Rettet, rettet, rettet den Hauptmann! ~Moor~ (_sich losreissend, freudig._) Itzt sind wir frey -- Kameraden! Ich fühle eine Armee in meiner Faust -- Tod oder Freyheit! wenigstens sollen sie keinen lebendig haben! (Man bläst zum Angriff. Lerm und Getümmel. Sie gehen ab mit gezogenem Degen.) Dritter Akt. Erste Scene. Amalia (_im Garten, spielt auf der Laute._) Schön wie Engel, voll Walhalla's Wonne, Schön vor allen Jünglingen war er, Himmlisch mild sein Blick, wie Mayen-Sonne Rückgestralt vom blauen Spiegel-Meer. Sein Umarmen -- wüthendes Entzücken! -- Mächtig feurig klopfte Herz an Herz, Mund und Ohr gefesselt -- Nacht vor unsern Blicken -- Und der Geist gewirbelt himmelwärts. Seine Küsse -- paradisisch Fühlen! -- Wie zwo Flammen sich ergreiffen, wie Harfentöne in einander spielen Zu der himmelvollen Harmonie, Stürzten, flogen, rasten Geist und Geist zusammen, Lippen, Wangen brannten, zitterten, -- Seele rann in Seele -- Erd und Himmel schwammen Wie zerronnen, um die Liebenden. Er ist hin -- vergebens ach! vergebens Stöhnet ihm der bange Seufzer nach. Er ist hin -- und alle Lust des Lebens Wimmert hin in ein verlornes Ach! -- ~Franz~ tritt auf. ~Franz.~ Schon wieder hier, eigensinnige Schwärmerinn? Du hast dich vom frohen Mahle hinweggestohlen, und den Gästen die Freude verdorben. ~Amalia.~ Schade für diese unschuldige Freuden! das Todtenlied muß noch in deinen Ohren murmeln, das deinem Vater zu Grabe hallte -- ~Franz.~ Willst du denn ewig klagen? Laß die Todten schlafen, und mache die Lebendigen glücklich! Ich komme -- ~Amalia.~ Und wann gehst du wieder? ~Franz.~ O weh! kein so finsteres stolzes Gesicht! du betrübst mich, Amalia. Ich komme dir zu sagen -- ~Amalia.~ Ich muß wol hören, Franz von Moor ist ja gnädiger Herr worden. ~Franz.~ Ja recht, das wars, worüber ich dich vernehmen wollte -- Maximilian ist schlafen gegangen in der Väter Gruft. Ich bin Herr. Aber ich möchte es vollends ganz seyn, Amalia. -- Du weist, was du unserm Hause warst, du wardst gehalten wie Moors Tochter, selbst den Tod überlebte seine Liebe zu dir, das wirst du wol niemals vergessen? -- ~Amalia.~ Niemals, niemals. Wer das auch so leichtsinnig beym frohen Mahle hinwegzechen könnte! ~Franz.~ Die Liebe meines Vaters must du in seinen Söhnen belohnen, und Karl ist todt -- staunst du? schwindelt dir? Ja wahrhaftig, der Gedanke ist auch so schmeichelnd erhaben, daß er selbst den Stolz eines Weibes betäubt. Franz tritt die Hoffnungen der edelsten Fräuleins mit Füssen, Franz kommt und bietet einer armen ohne ihn hülflosen Waise sein Herz, seine Hand, und mit ihr all sein Gold an und all seine Schlösser und Wälder. -- Franz der Beneidete, der Gefürchtete, erklärt sich freywillig für Amalia's Sklaven -- ~Amalia.~ Warum spaltet der Bliz die ruchlose Zunge nicht, die das Frevelwort ausspricht! Du hast meinen Geliebten ermordet, und Amalia soll dich Gemahl nennen! Du -- ~Franz.~ Nicht so ungestümm, allergnädigste Prinzessinn! -- Freylich krümmt Franz sich nicht wie ein girrender Seladon vor dir -- freylich hat er nicht gelernt, gleich dem schmachtenden Schäfer Arkadiens, dem Echo der Grotten und Felsen seine Liebesklagen entgegen zu jammern -- Franz spricht und wenn man nicht antwortet, so wird er -- ~befehlen~. ~Amalia.~ Wurm du, befehlen? mir befehlen? -- und wenn man den Befehl mit Hohnlachen zurückschickt? ~Franz.~ Das wirst du nicht. Noch weiß ich Mittel, die den Stolz eines einbildischen Starrkopfs so hübsch niederbeugen können -- Kloster und Mauren! ~Amalia.~ Bravo! herrlich! und in Kloster und Mauren mit deinem Basilisken-Anblick auf ewig verschont, und Musse genug, an Karln zu denken, zu hangen. Willkommen mit deinem Kloster! auf, auf mit deinen Mauren! ~Franz.~ Haha! ist es das? -- gib Acht! Izt hast du mich die Kunst gelehrt, wie ich dich quälen soll -- diese ewige Grille von Karl soll dir mein Anblick gleich einer feuerhaarigen Furie aus dem Kopfe geiseln, das Schreckbild ~Franz~ soll hinter dem Bild deines Lieblings im Hinterhalt lauren, gleich dem verzauberten Hund, der auf unterirdischen Goldkästen liegt -- an den Haaren will ich dich in die Kapelle schleifen, den Degen in der Hand, dir den ehlichen Schwur aus der Seele pressen, dein jungfräuliches Bette mit Sturm ersteigen, und deine stolze Scham mit noch gröserem Stolze besiegen. ~Amalia~ (_giebt ihm eine Maulschelle._) Nimm erst das zur Aussteuer hin! ~Franz~ (_aufgebracht._) Ha! wie das zehnfach, und wieder zehnfach geahndet werden soll! -- Nicht meine Gemahlinn -- die Ehre sollst du nicht haben. -- meine Maitresse sollst du werden, daß die ehrlichen Bauernweiber mit Fingern auf dich deuten, wenn du es wagst und über die Gasse gehst. Knirsche nur mit den Zähnen -- speye Feuer und Mord aus den Augen -- mich ergötzt der Grimm eines Weibes, macht dich nur schöner, begehrenswerther. Komm -- dieses Sträuben wird meinen Triumph zieren und mir die Wohllust in erzwungenen Umarmungen würzen -- Komm mit in meine Kammer -- ich glühe vor Sehnsucht -- itzt gleich sollst du mit mir gehn. (_will sie fortreißen_) ~Amalia~ (_fällt ihm um den Hals._) Verzeih mir Franz! (_wie er sie umarmen will, reißt sie ihm den Degen von der Seite und tritt hastig zurück._) Siehst du Bösewicht, was ich jetzt aus dir machen kann? -- Ich bin ein Weib, aber ein rasendes Weib -- wag es einmal mit unzüchtigem Griff meinen Leib zu betasten -- dieser Stahl soll deine geile Brust mitten durchrennen, und der ~Geist~ meines Oheims wird mir die Hand dazu führen. Fleuch auf der Stelle! (_Sie jagt ihn davon._) Amalia. Ah! wie mir wohl ist -- Itzt kann ich frey athmen -- ich fühlte mich stark wie das funkensprühende Roß, grimmig wie die Tygerinn dem siegbrüllenden Räuber ihrer Jungen nach -- In ein Kloster, sagt er -- Dank dir für diese glückliche Entdeckung! -- Itzt hat die betrogene Liebe ihre Freystatt gefunden -- das Kloster -- das Kreuz des Erlösers ist die Freystatt der betrognen Liebe. (_Sie will gehn._) Herrmann (_tritt schüchtern herein._) ~Herrmann.~ Fräulein Amalia! Fräulein Amalia! ~Amalia.~ Unglücklicher! Was störest du mich? ~Herrmann.~ Dieser Zentner muß von meiner Seele, eh er sie zur Hölle drückt (_wirft sich vor ihr nieder._) Vergebung! Vergebung! Ich hab euch sehr beleidigt, Fräulein Amalia. ~Amalia.~ Steh auf! Geh! Ich will nichts wissen. (_Will fort._) ~Herrmann.~ (_der sie zurückhält._) Nein! Bleibt! Bey Gott! Bey dem ewigen Gott! Ihr sollt alles wissen! ~Amalia.~ Keinen Laut weiter -- Ich vergebe dir -- Ziehe heim im Frieden. (Will hinweg eilen.) ~Herrmann.~ So höret nur ein einziges Wort -- es wird euch all' eure Ruhe wiedergeben. ~Amalia~ (_kommt zurück und blickt ihn verwundernd an._) Wie Freund? -- wer im Himmel und auf Erden kann mir meine Ruhe wiedergeben? ~Herrmann.~ Das kann von meinen Lippen ein einziges Wort -- höret mich an. ~Amalia~ (_mit Mitleiden seine Hand ergreifend._) Guter Mensch -- Kann ein Wort von deinen Lippen die Riegel der Ewigkeit aufreissen? ~Herrmann~ (_steht auf._) Karl lebt noch! ~Amalia~ (_schreyend._) Unglücklicher! ~Herrmann.~ Nicht anders -- Nun noch ein Wort -- euer Oheim -- ~Amalia~ (_gegen ihn herstürzend._) Du lügst -- ~Herrmann.~ Euer Oheim -- ~Amalia.~ Karl lebt noch! ~Herrmann.~ Und euer Oheim -- ~Amalia.~ Karl lebt noch? ~Herrmann.~ Auch euer Oheim -- Verrathet mich nicht, (_eilt hinaus._) ~Amalia~ (_steht lang wie versteinert. Dann fährt sie wild auf, eilt ihm nach._) Karl lebt noch! Zweyte Scene. Gegend an der Donau. Die Räuber. (_gelagert auf einer Anhöhe unter Bäumen, die Pferde weiden am Hügel hinunter._) ~Moor.~ Hier muß ich liegen bleiben (_wirft sich auf die Erde._) Meine Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken, wie eine Scherbe (_Schweizer verliert sich unvermerkt._) Ich wollt' euch bitten, mir eine Handvoll Wassers aus diesem Strome zu holen, aber ihr seyd alle matt bis in den Tod. ~Schwarz.~ Auch ist der Wein all in unsern Schläuchen. ~Moor.~ Seht doch, wie schön das Getraide steht! -- Die Bäume brechen fast unter ihrem Seegen. -- Der Weinstock voll Hoffnung. ~Grimm.~ Es gibt ein fruchtbares Jahr. ~Moor.~ Meinst du? -- Und so würde doch ~Ein~ Schweiß in der Welt bezahlt. ~Einer?~ -- -- Aber es kann ja über Nacht ein Hagel fallen und alles zu Grund schlagen. ~Schwarz.~ Das ist leicht möglich. Es kann alles zu Grund gehen, wenige Stunden vorm Schneiden. ~Moor.~ Das sag ich ja. Es wird alles zu Grund gehn. Warum soll dem Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das fehlschlägt, was ihn den Göttern gleich macht? -- oder ist hier die Mark seiner Bestimmung? ~Schwarz.~ Ich kenne sie nicht. ~Moor.~ Du hast gut gesagt, und noch besser gethan, wenn du sie nie zu kennen verlangtest! -- Bruder -- ich habe die Menschen gesehen, ihre Bienensorgen, und ihre Riesenprojekte -- ihre Götterplane und ihre Mäusegeschäfte, das wunderseltsame Wettrennen nach Glückseligkeit; -- dieser dem Schwung seines Rosses anvertraut -- ein anderer der Nase seines Esels -- ein dritter seinen eigenen Beinen; dieses bunte Lotto des Lebens, worein so mancher seine Unschuld, und -- seinen Himmel setzt, einen Treffer zu haschen, und -- Nullen sind der Auszug -- am Ende war kein Treffer darinn. Es ist ein Schauspiel, Bruder, das Thränen in deine Augen lockt, wenn es dein Zwerchfell zum Gelächter kitzelt. ~Schwarz.~ Wie herrlich die Sonne dort untergeht! ~Moor~ (_in den Anblick versenkt._) So stirbt ein Held! -- Anbetenswürdig! ~Grimm.~ Du scheinst tief gerührt. ~Moor.~ Da ich noch ein Bube war -- wars mein Lieblings-Gedanke wie sie zu leben, zu sterben wie sie -- (_mit verbißnem Schmerz._) Es war ein Bubengedanke! ~Grimm.~ Das will ich hoffen. ~Moor~ (_drückt den Hut übers Gesicht._) Es war eine Zeit -- Laßt mich allein, Kameraden. ~Schwarz.~ Moor! Moor! Was zum Henker? -- wie er seine Farbe verändert! ~Grimm.~ Alle Teufel! was hat er? wird ihm übel? ~Moor.~ Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein Nachtgebet vergessen hatte -- ~Grimm.~ Bist du wahnsinnig? Willst du dich von deinen Bubenjahren hofmeistern lassen? ~Moor~ (_legt sein Haupt auf Grimms Brust._) Bruder! Bruder! ~Grimm.~ Wie? sey doch kein Kind -- ich bitte dich -- ~Moor.~ Wär' ich's -- wär' ich's wieder! ~Grimm.~ Pfui! Pfui! ~Schwarz.~ Heitre dich auf. Sieh diese mahlerische Landschaft -- den lieblichen Abend. ~Moor.~ Ja Freunde, diese Welt ist so schön. ~Schwarz.~ Nun, das war wohl gesprochen. ~Moor.~ Diese Erde so herrlich. ~Grimm.~ Recht -- recht -- so hör' ich's gerne. ~Moor~ (_zurückgesunken._) Und ich so häßlich auf dieser schönen Welt -- und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde. ~Grimm.~ O weh! o weh! ~Moor.~ Meine Unschuld! Meine Unschuld! -- Seht! es ist alles hinausgegangen, sich im friedlichen Stral des Frühlings zu sonnen -- warum ich allein die Hölle saugen aus den Freuden des Himmels? -- daß alles so glücklich ist, durch den Geist des Friedens alles so verschwistert! -- die ganze Welt ~Eine~ Familie und ein Vater dort oben -- ~Mein~ Vater nicht -- Ich allein der Verstossene, ich allein ausgemustert aus den Reihen der Reinen -- mir nicht der süße Name Kind -- nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick -- nimmer, nimmer des Busenfreundes Umarmung (_wild zurückfahrend._) Umlagert von Mördern -- von Nattern umzischt -- angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden -- hinausschwindelnd in's Grab des Verderbens auf des Lasters schwankendem Rohr -- mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein heulender Abbadona! ~Schwarz~ (_zu den übrigen._) Unbegreiflich! Ich hab ihn nie so gesehen. ~Moor~ (_mit Wehmuth._) Daß ich wiederkehren dürfte in meiner Mutter Leib! daß ich ein Bettler geboren werden dürfte! -- Nein! ich wollte nicht mehr, o Himmel -- daß ich werden dürfte wie dieser Taglöhner einer! -- O ich wollte mich abmüden, daß mir das Blut von den Schläfen rollte -- mir die Wohllust eines einzigen Mittagschlafs zu erkaufen -- die Seligkeit einer einzigen Thräne. ~Grimm~ (_zu den andern._) Nur Geduld, der Paroxysmus ist schon im Fallen. ~Moor.~ Es war eine Zeit, wo sie mir so gern floßen -- o ihr Tage des Friedens! Du Schloß meines Vaters -- ihr grünen schwärmerischen Thäler! O all ihr Elysiums-Scenen meiner Kindheit! -- Werdet ihr nimmer zurückkehren -- nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen kühlen? -- Traure mit mir Natur -- Sie werden nimmer zurückkehren, nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen kühlen. -- Dahin! dahin! unwiederbringlich! -- Schweizer (_mit Wasser im Hut._) ~Schweizer.~ Sauf zu, Hauptmann -- hier ist Wasser genug, und frisch wie Eis. ~Schwarz.~ Du blutest ja -- was hast du gemacht? ~Schweizer.~ Narr, einen Spaß, der mich bald zwey Beine und einen Hals gekostet hätte. Wie ich so auf dem Sandhügel am Fluß hintrolle, glitsch, so rutscht der Plunder unter mir ab, und ich zehn rheinländische Schuhe lang hinunter -- da lag ich, und wie ich mir eben meine fünf Sinne wieder zurecht setze, treff ich dir das klarste Wasser im Kies. Genug dießmal für den Tanz, dacht' ich, dem Hauptmann wirds wohl schmecken. ~Moor~ (_gibt ihm den Hut zurück, und wischt ihm sein Gesicht ab._) Sonst sieht man ja die Narben nicht, die die böhmischen Reuter in deine Stirne gezeichnet haben -- dein Wasser war gut, Schweizer -- diese Narben stehen dir schön. ~Schweizer.~ Pah! hat noch Platz genug für ihrer dreyßig. ~Moor.~ Ja, Kinder -- es war ein heißer Nachmittag -- und nur ~Einen~ Mann verloren -- mein Roller starb einen schönen Tod. Man würde einen Marmor auf seine Gebeine setzen, wenn er nicht mir gestorben wäre. Nehmet vorlieb mit diesem (_er wischt sich die Augen._) Wie viel warens doch von den Feinden, die auf dem Platz blieben? ~Schweizer.~ Hundert und sechszig Husaren -- drey und neunzig Dragoner, gegen vierzig Jäger -- dreyhundert in allem. ~Moor.~ Dreyhundert für Einen! -- Jeder von Euch hat Anspruch an diesen Scheitel! (_Er entblößt sich das Haupt._) Hier heb ich meinen Dolch auf! So wahr meine Seele lebt! ~Ich will euch niemals verlassen.~ ~Schweizer.~ Schwöre nicht! du weist nicht, ob du nicht noch glücklich werden, und bereuen wirst. ~Moor.~ ~Bey den Gebeinen meines Rollers! Ich will euch niemals verlassen.~ Kosinsky (_kommt._) ~Kosinsky~ (_vor sich._) In dieser Revier herum, sagen sie, werd ich ihn antreffen -- he holla! was sind das für Gesichter? -- Solltens -- wie wenn's diese -- sie sind's, sind's! -- ich will sie anreden. ~Schwarz.~ Gebt Acht! wer kommt da? ~Kosinsky.~ Meine Herrn! verzeihen Sie! Ich weiß nicht, geh ich recht, oder unrecht? ~Moor.~ Und wer müssen wir seyn, wenn Sie recht geh'n? ~Kosinsky.~ Männer! ~Schweizer.~ Ob wir das auch gezeigt haben, Hauptmann? ~Kosinsky.~ Männer such' ich, die dem Tod in's Gesicht sehen, und die Gefahr wie eine zahme Schlange um sich spielen lassen, die Freyheit höher schätzen, als Ehre und Leben, deren bloser Name, willkommen dem Armen und Unterdrückten, die Beherztesten feig und Tyrannen bleich macht. ~Schweizer~ (_zum Hauptmann._) Der Bursche gefällt mir. -- Höre, guter Freund! Du hast deine Leute gefunden. ~Kosinsky.~ Das denk' ich, und will hoffen, bald meine Brüder. -- So könnt ihr mich dann zu meinem rechten Manne weisen, denn ich such euren Hauptmann, den grosen Grafen von Moor. ~Schweizer~ (_gibt ihm die Hand mit Wärme._) Lieber Junge! wir dutzen einander. ~Moor~ (_näher kommend._) Kennen Sie auch den Hauptmann? ~Kosinsky.~ ~Du~ bist's -- in dieser Miene -- wer sollte dich anseh'n, und einen andern suchen? (_starrt ihn lang an._) Ich habe mir immer gewünscht, den Mann mit dem vernichtenden Blicke zu sehen, wie er saß auf den Ruinen von Karthago -- itzt wünsch ich es nicht mehr. ~Schweizer.~ Blitzbub! ~Moor.~ Und was führt Sie zu mir? ~Kosinsky.~ O Hauptmann! mein mehr als grausames Schicksal -- ich habe Schiffbruch gelitten auf der ungestümmen See dieser Welt, die Hoffnungen meines Lebens hab ich müssen sehen in den Grund sinken, und blieb mir nichts übrig, als die marternde Erinnerung ihres Verlustes, die mich wahnsinnig machen würde, wenn ich sie nicht durch anderwärtige Thätigkeit zu ersticken suchte. ~Moor.~ Schon wieder ein Kläger wider die Gottheit! -- Nur weiter. ~Kosinsky.~ Ich wurde Soldat. Das Unglück verfolgte mich auch da -- ich machte eine Fahrt nach Ostindien mit, mein Schiff scheiterte an Klippen -- nichts als fehlgeschlagene Plane! Ich höre endlich weit und breit erzählen von deinen Thaten, ~Mordbrennereyen~, wie sie sie nannten, und bin hieher gereist dreyßig Meilen weit, mit dem festen Entschluß, unter dir zu dienen, wenn du meine Dienste annehmen willst -- Ich bitte dich, würdiger Hauptmann, schlage mir's nicht ab! ~Schweizer~ (_mit einem Sprung._) Heysa! Heysa! So ist ja unser Roller zehnhundertfach vergütet! Ein ganzer Mordbruder für uns're Bande! ~Moor.~ Wie ist dein Name? ~Kosinsky.~ Kosinsky. ~Moor.~ Wie? Kosinsky! weist du auch, daß du ein leichtsinniger Knabe bist, und über den grosen Schritt deines Lebens weggaukelst, wie ein unbesonnenes Mädchen -- Hier wirst du nicht Bälle werfen oder Kegelkugeln schieben, wie du dir einbildest. ~Kosinsky.~ Ich weiß, was du sagen willst -- ich bin vier und zwanzig Jahr alt, aber ich habe Degen blinken gesehen, und Kugeln um mich surren gehört. ~Moor.~ So junger Herr? -- Und hast du dein Fechten nur darum gelernt, arme Reisende um einen Reichsthaler niederzustossen, oder Weiber hinterrücks in den Bauch zu stechen? Geh, geh! du bist deiner Amme entlaufen, weil sie dir mit der Ruthe gedroht hat. ~Schweizer.~ Was zum Henker, Hauptmann! was denkst du? willst du diesen Herkules fortschicken? Sieht er nicht gerade so drein, als wollt' er den Marschall von Sachsen mit einem Rührlöffel über den Ganges jagen? ~Moor.~ Weil dir deine Lappereyen mißglücken, kommst du, und willst ein Schelm, ein Meuchelmörder werden? -- Mord, Knabe, verstehst du das Wort auch? du magst ruhig schlafen gegangen seyn, wenn du Mohnköpfe abgeschlagen hast, aber einen Mord auf der Seele zu tragen. -- ~Kosinsky.~ Jeden Mord, den du mich begehen heist, will ich verantworten. ~Moor.~ Was? bist du so klug? Willst du dich anmaßen, einen Mann mit Schmeicheleyen zu fangen? Woher weist du, daß ich nicht böse Träume habe, oder auf dem Todbett nicht werde blaß werden? wie viel hast du schon gethan, wobey du an Verantwortung gedacht hast? ~Kosinsky.~ Wahrlich! noch sehr wenig, aber doch diese Reise zu dir, edler Graf! ~Moor.~ Hat dir dein Hofmeister die Geschichte des Robins in die Hände gespielt? -- Man sollte dergleichen unvorsichtige Kanaillen auf die Galeere schmieden, -- die deine kindische Phantasie erhitzte, und dich mit der tollen Sucht zum großen Mann ansteckte? Kützelt dich nach Namen und Ehre? willst du Unsterblichkeit mit Mordbrennereyen erkaufen? Merk dir's, ehrgeitziger Jüngling! Für Mordbrenner grünet kein Loorbeer! Auf Banditen-Siege ist kein Triumph gesetzt -- aber Fluch, Gefahr, Tod, Schande -- siehst du auch das Hochgericht dort auf dem Hügel? ~Spiegelberg~ (_unwillig auf und abgehend._) Ey wie dumm! wie abscheulich, wie unverzeihlich dumm! das ist die Manier nicht! ich hab's anderst gemacht. ~Kosinsky.~ Was soll der fürchten, der den Tod nicht fürchtet? ~Moor.~ Brav! Unvergleichlich! Du hast dich wacker in den Schulen gehalten, du hast deinen Seneka meisterlich auswendig gelernt. -- Aber, lieber Freund, mit dergleichen Sentenzen wirst du die leidende Natur nicht beschwätzen, damit wirst du die Pfeile des Schmerzens nimmermehr stumpf machen. -- Besinne dich recht, mein Sohn! (_Er nimmt seine Hand._) Denk, ich rathe dir als ein Vater -- lern erst die Tiefe des Abgrunds kennen, eh du hineinspringst! Wenn du noch in der Welt eine einzige Freude zu erhaschen weist -- es könnten Augenblicke kommen, wo du -- aufwachst -- und dann -- möchte es zu spät seyn. Du trittst hier gleichsam aus dem Kreise der Menschheit -- entweder must du ein höherer Mensch seyn, oder du bist ein Teufel -- Noch einmal, mein Sohn! wenn dir noch ein Funken von Hoffnung irgend anderswo glimmt, so verlaß diesen schröcklichen Bund, den nur Verzweiflung eingeht, wenn ihn nicht eine höhere Weisheit gestiftet hat -- Man kann sich täuschen -- glaube mir, man kann das für Stärke des Geistes halten, was doch am Ende Verzweiflung ist -- Glaube ~mir~, ~mir~! und mach dich eilig hinweg. ~Kosinsky.~ Nein! ich fliehe itzt nicht mehr. Wenn dich meine Bitten nicht rühren, so höre die Geschichte meines Unglücks. -- Du wirst mir dann selbst den Dolch in die Hände zwingen, du wirst -- lagert euch hier auf dem Boden, und hört mir aufmerksam zu! ~Moor.~ Ich will sie hören. ~Kosinsky.~ Wisset also, ich bin ein böhmischer Edelmann, und wurde durch den frühen Tod meines Vaters Herr eines ansehnlichen Ritterguts. Die Gegend war paradisisch -- denn sie enthielt einen Engel -- ein Mädchen geschmückt mit allen Reizen der blühenden Jugend, und keusch wie das Licht des Himmels. Doch, wem sag ich das? Es schallt an euren Ohren vorüber -- ihr habt niemals geliebt, seyd niemals geliebt worden -- ~Schweizer.~ Sachte, sachte! unser Hauptmann wird feuerroth. ~Moor.~ Hör auf! ich wills ein andermal hören -- morgen, nächstens, oder -- wenn ich Blut gesehen habe. ~Kosinsky.~ Blut, Blut -- höre nur weiter! Blut sag ich dir, wird deine ganze Seele füllen. Sie war bürgerlicher Geburt, eine Deutsche -- aber ihr Anblick schmelzte die Vorurtheile des Adels hinweg. Mit der schüchternsten Bescheidenheit nahm sie den Trauring von meiner Hand, und übermorgen sollte ich meine ~Amalia~ vor den Altar führen. ~Moor~ (_steht schnell auf._) ~Kosinsky.~ Mitten im Taumel der auf mich wartenden Seligkeit, unter den Zurüstungen zur Vermählung -- werd ich durch einen Expressen nach Hof citiert. Ich stellte mich. Man zeigte mir Briefe, die ich geschrieben haben sollte, voll verrätherischen Inhalts. Ich erröthete über der Bosheit -- man nahm mir den Degen ab, warf mich ins Gefängniß, alle meine Sinnen waren hinweg. ~Schweizer.~ Und unterdessen -- nur weiter! ich rieche den Braten schon. ~Kosinsky.~ Hier lag ich einen Monath lang, und wußte nicht, wie mir geschah. Mir bangte für meine Amalia, die meines Schicksals wegen jede Minute einen Tod würde zu leiden haben. Endlich erschien der erste Minister des Hofes, wünschte mir zur Entdeckung meiner Unschuld Glück, mit zuckersüssen Worten, liest mir den Brief der Freiheit vor, gibt mir meinen Degen wieder. Itzt im Triumphe nach meinem Schloß, in die Arme meiner Amalia zu fliegen, -- sie war verschwunden. In der Mitternacht sey sie weggebracht worden, wüßte niemand, wohin? und seitdem mit keinem Aug mehr gesehen. Hui! schoß mirs auf wie der Blitz, ich flieg nach der Stadt, sondire am Hof -- alle Augen wurzelten auf mir, niemand wollte Bescheid geben -- endlich entdeck ich sie durch ein verborgenes Gitter im Pallast -- sie warf mir ein Billetchen zu. ~Schweizer.~ Hab ich's nicht gesagt? ~Kosinsky.~ Hölle, Tod und Teufel! da stands! man hatte ihr die Wahl gelassen, ob sie mich lieber sterben sehen, oder die Mätresse des Fürsten werden wollte. Im Kampf zwischen Ehre und Liebe entschied sie für das zweyte, und (_lachend_) ich war gerettet. ~Schweizer.~ Was thatst du da? ~Kosinsky.~ Da stand ich, wie von tausend Donnern getroffen! -- Blut! war mein erster Gedanke, Blut! mein letzter. Schaum auf dem Munde, renn ich nach Haus, wähle mir einen dreyspitzigen Degen, und damit in aller Hast in des Ministers Haus, denn nur er -- er nur war der höllische Kuppler gewesen. Man muß mich von der Gasse bemerkt haben, denn wie ich hinauf trete, waren alle Zimmer verschlossen. Ich suche, ich frage: Er sey zum Fürsten gefahren, war die Antwort. Ich mache mich geradenwegs dahin, man wollte nichts von ihm wissen. Ich gehe zurück, sprenge die Thüren ein, find ihn, wollte eben -- aber da sprangen fünf bis sechs Bediente aus dem Hinterhalt, und entwanden mir den Degen. ~Schweizer~ (_stampft auf den Boden._) Und er kriegte nichts, und du zogst leer ab? ~Kosinsky.~ Ich ward ergriffen, angeklagt, peinlich processirt, infam -- merkts euch! -- aus ~besonderer~ Gnade infam aus den Gränzen gejagt, meine Güter fielen als Präsent dem Minister zu, meine Amalia bleibt in den Klauen des Tygers, verseufzt und vertrauert ihr Leben, während daß meine Rache fasten, und sich unter das Joch des Despotismus krümmen muß. ~Schweizer~ (_aufstehend seinen Degen wetzend._) Das ist Wasser auf unsere Mühle, Hauptmann! Da gibts was anzuzünden! ~Moor~ (_der bisher in heftigen Bewegungen hin und her gegangen, springt rasch auf, zu den Räubern._) Ich muß sie sehen -- auf! rafft zusammen -- du bleibst, Kosinsky -- pakt eilig zusammen! ~Die Räuber.~ Wohin? Was? ~Moor.~ Wohin? wer fragt wohin? (_heftig zu Schweizern._) Verräther, du willst mich zurückhalten? Aber bey der Hoffnung des Himmels! -- ~Schweizer.~ Verräther ich? -- geh in die Hölle, ich folge dir! ~Moor~ (_fällt ihm um den Hals._) Bruderherz! du folgst mir -- sie weint, sie weint, sie vertrauert ihr Leben. Auf! hurtig! alle! nach Franken! in acht Tagen müssen wir dort seyn. (Sie gehen ab.) Vierter Akt. Erste Scene. Ländliche Gegend um das Moorische Schloß. ~Räuber Moor~. ~Kosinsky~, in der Ferne. ~Moor.~ Geh voran, und melde mich. Du weist doch noch alles, was du sprechen must? ~Kosinsky.~ Ihr seyd der Graf von Brand, kommt aus Mecklenburg, ich euer Reutknecht -- sorgt nicht, ich will meine Rolle schon spielen, lebt wohl! (_ab._) ~Moor.~ Sey mir gegrüßt, Vaterlands-Erde! (_Er küßt die Erde._) Vaterlands-Himmel! Vaterlands-Sonne! -- und Fluren und Hügel und Ströme und Wälder! Seyd alle, alle mir herzlich gegrüßt! -- wie so köstlich wehet die Luft von meinen Heimath-Gebürgen! wie strömt balsamische Wonne aus euch, dem armen Flüchtling entgegen! -- Elysium! dichterische Welt! Halt ein, Moor! dein Fuß wandelt in einem heiligen Tempel. (_Er kommt näher._) Sieh da, auch die Schwalbennester im Schloßhof -- auch das Gartenthürchen! -- und diese Ecke am Zaun, wo du so oft den Fanger belauschtest und nektest -- und dort unten das Wiesenthal, wo du der Held Alexander deine Macedonier ins Treffen bey Arbela führtest, und neben dran der grasigte Hügel, von welchem du den persischen Satrapen niederwarfst -- und deine siegende Fahne flatterte hoch! (_Er lächelt._) Die goldnen Mayenjahre der Knabenzeit leben wieder auf in der Seele des Elenden -- da warst du so glücklich, warst so ganz, so wolkenlos heiter -- und nun -- da liegen die Trümmer deiner Entwürfe! Hier solltest du wandeln dereinst, ein groser, stattlicher, gepriesener Mann -- hier dein Knabenleben in Amalia's blühenden Kindern zum zweytenmal leben -- hier! hier der Abgott deines Volks -- aber der böse Feind schmollte darzu! (_Er fährt auf._) Warum bin ich hieher gekommen? daß mir's gienge wie dem Gefangenen, den der klirrende Eisenring aus Träumen der Freyheit aufjagt -- nein, ich gehe in mein Elend zurück! -- Der Gefangene hatte das Licht vergessen, aber der Traum der Freyheit fuhr über ihm wie ein Blitz in die Nacht, der sie finsterer zurückläßt -- Lebt wohl, ihr Vaterlandsthäler! einst saht ihr den Knaben Karl, und der Knabe Karl war ein glücklicher Knabe -- itzt saht ihr den Mann, und er war in Verzweiflung. (_Er dreht sich schnell nach dem äussersten Ende der Gegend, allwo er plötzlich stille steht und nach dem Schloß mit Wehmuth herüberblickt._) Sie nicht sehen, nicht einen Blick? -- und nur eine Mauer gewesen zwischen mir und Amalia -- Nein! sehen muß ich sie -- muß ich ihn -- es soll mich zermalmen! (_Er kehrt um._) Vater! Vater! dein Sohn naht -- weg mit dir, schwarzes rauchendes Blut! weg hohler grasser zuckender Todesblick! Nur diese Stunde laß mir frey -- Amalia! Vater! dein Karl naht! (_Er geht schnell auf das Schloß zu._) -- Quäle mich, wenn der Tag erwacht, laß nicht ab von mir, wenn die Nacht kommt -- quäle mich in schröcklichen Träumen! nur vergifte mir diese einzige Wollust nicht! (_Er steht an der Pforte._) Wie wird mir? was ist das, Moor? Sey ein Mann! -- -- Todesschauer -- -- Schrecken Ahnung -- -- (Er geht hinein.) Zweite Scene. Gallerie im Schloß. Räuber Moor. Amalia (_treten auf._) ~Amalia.~ Und getrauten Sie sich wohl sein Bildnis unter diesen Gemählden zu erkennen? ~Moor.~ O ganz gewiß. Sein Bild war immer lebendig in mir. (_An den Gemählden herumgehend._) ~Dieser~ ist's nicht. ~Amalia.~ Errathen! -- Er war der Stammvater des gräflichen Hauses, und erhielt den Adel vom Barbarossa, dem er wider die Seeräuber diente. ~Moor~ (_immer an den Gemählden._) ~Dieser~ ist's auch nicht -- auch ~der~ nicht -- auch nicht ~jener~ dort -- er ist nicht unter ihnen. ~Amalia.~ Wie, sehen Sie doch besser! ich dachte, Sie kennten ihn -- ~Moor.~ Ich kenne meinen Vater nicht besser! Ihm fehlt der sanftmüthige Zug um den Mund, der ihn aus tausenden kenntlich machte -- er ist's nicht. ~Amalia.~ Ich erstaune. Wie? Achtzehn Jahre nicht mehr geseh'n, und noch -- ~Moor~ (_schnell, mit einer fliegenden Röthe._) ~Dieser~ ist's! (_Er steht wie vom Blitz gerührt._) ~Amalia.~ Ein vortreflicher Mann! ~Moor~ (_in seinem Anblick versunken._) Vater, Vater! vergib mir! -- Ja ein vortreflicher Mann! -- (_Er wischt sich die Augen._) Ein göttlicher Mann! ~Amalia.~ Sie scheinen viel Antheil an ihm zu nehmen. ~Moor.~ Oh ein vortreflicher Mann -- und er sollte dahin seyn. ~Amalia.~ Dahin! wie unsere besten Freuden dahingeh'n -- (_sanft seine Hand ergreifend._) Lieber Herr Graf, es reift keine Seeligkeit unter dem Monde. ~Moor.~ Sehr wahr, sehr wahr -- und sollten ~Sie~ schon diese traurige Erfahrung gemacht haben? Sie können nicht drey und zwanzig Jahr alt seyn. ~Amalia.~ Und habe sie gemacht. Alles lebt, um traurig wieder zu sterben. Wir interessiren uns nur darum, wir gewinnen nur darum, daß wir wieder mit Schmerzen verlieren. ~Moor.~ Sie verloren schon etwas? ~Amalia.~ Nichts. Alles. Nichts -- wollen wir weiter gehen, Herr Graf? ~Moor.~ So eilig? weß ist diß Bild rechter Hand dort? mich deucht, es ist eine unglückliche Physiognomie. ~Amalia.~ Diß Bild linker Hand ist der Sohn des Grafen, der wirkliche Herr -- kommen Sie, kommen Sie! ~Moor.~ Aber diß Bild rechter Hand? ~Amalia.~ Sie wollen nicht in den Garten geh'n? ~Moor.~ Aber diß Bild rechter Hand? -- du weinst, Amalia? ~Amalia~ (_schnell ab._) Moor. Sie liebt mich, sie liebt mich! -- ihr ganzes Wesen fieng an, sich zu empören, verrätherisch rollten die Thränen von ihren Wangen. Sie liebt mich! -- Elender, das verdientest du um sie! Steh ich nicht hier wie ein Gerichteter vor dem tödlichen Block? Ist das der Sopha, wo ich an ihrem Halse in Wonne schwamm? Sind das die väterlichen Säle? (_Ergriffen vom Anblick seines Vaters._) Du, du -- Feuerflammen aus deinem Auge -- Fluch, Fluch, Verwerfung! -- wo bin ich? Nacht vor meinen Augen -- Schrecknisse Gottes -- Ich, ich hab ihn getödtet! (_Er rennt davon._) Franz von Moor in tiefen Gedanken. Weg mit diesem Bild! weg, feige Memme! was zagst du und vor wem? ist mir's nicht die wenige Stunden, die der Graf in diesen Mauren wandelt, als schlich immer ein Spion der Hölle meinen Fersen nach -- Ich sollt' ihn kennen! Es ist so was groses und oft gesehenes in seinem wilden sonnverbrannten Gesicht, das mich beben macht -- auch Amalia ist nicht gleichgültig gegen ihn! Läßt sie nicht so gierig schmachtende Blicke auf dem Kerl herumkreuzen, mit denen sie doch gegen alle Welt sonst so geitzig thut? -- Sah ich's nicht, wie sie ein paar diebische Thränen in den Wein fallen ließ, den er hinter meinem Rücken so hastig in sich schlürfte, als wenn er das Glas mit hineinziehen wollte. Ja, das sah ich, durch den Spiegel sah ich's mit diesen meinen Augen. Holla Franz! siehe dich vor! dahinter steckt irgend ein Verderbenschwangeres Ungeheuer! (_Er steht forschend dem Porträt Karls gegenüber._) Sein langer Gänsehals -- seine schwarzen feuerwerfenden Augen, hm! hm! -- sein finsteres überhangendes buschichtes Augenbraun. (_Plötzlich zusammen fahrend._) -- Schadenfrohe Hölle! jagst du mir diese Ahnung ein? Es ist ~Karl~! ja itzt werden mir alle Züge wieder lebendig -- Er ist's! trotz seiner Larve! -- Er ist's -- trotz seiner Larve! -- Er ist's -- Tod und Verdammniß! (_auf und ab mit heftigen Schritten._) Hab ich darum meine Nächte verpraßt, -- darum Felsen hinweggeräumt, und Abgründe eben gemacht -- bin ich darum gegen alle Instinkte der Menschheit rebellisch worden, daß mir zuletzt dieser unstete Landstreicher durch meine künstlichsten Wirbel tölple -- Sachte! Nur sachte! Es ist nur noch Spielarbeit übrig -- Bin ich doch ohnehin schon bis an die Ohren in Todsünden gewatet, daß es Unsinn wäre, zurückzuschwimmen, wenn das Ufer schon so weit hinten liegt -- Ans Umkehren ist doch nicht mehr zu gedenken -- die ~Gnade~ selbst würde an den Bettelstab gebracht, und die ~unendliche Erbarmung~ bankerott werden, wenn sie für meine Schulden all gut sagen wollte -- Also vorwärts wie ein Mann -- (_Er schellt._) -- Er versammle sich zu dem Geist seines Vaters und komme, der Todten spott' ich. -- Daniel, he Daniel! -- Was gilts, den haben sie auch schon gegen mich aufgewiegelt! Er sieht so geheimnißvoll. Daniel (_kommt._) ~Daniel.~ Was steht zu Befehl, mein Gebieter? ~Franz.~ Nichts. Fort, fülle diesen Becher Wein, aber hurtig! (_Daniel ab._) Wart Alter! dich will ich fangen, ins Auge will ich dich fassen, so starr, daß dein getroffenes Gewissen durch die Larve erblassen soll! Er soll sterben! -- Der ist ein Stümper, der sein Werk nur auf die Helfte bringt, und dann weg geht, und müßig zugafft, wie es weiter damit werden wird. Daniel (_mit Wein._) ~Franz.~ Stell ihn hieher! Sieh mir fest ins Auge! wie deine Kniee schlottern! Wie du zitterst! Gesteh Alter! Was hast du gethan? ~Daniel.~ Nichts, gnädiger Herr, so wahr Gott lebt, und meine arme Seele. ~Franz.~ Trink diesen Wein aus! -- Was? Du zauderst? -- Heraus, schnell! Was hast du in den Wein geworfen? ~Daniel.~ Hilf Gott! Was? Ich in den Wein? ~Franz.~ Gift hast du in den Wein geworfen! Bist du nicht bleich wie Schnee? Gesteh, gesteh! Wer hat dir's gegeben? Nicht wahr! der Graf, der Graf hat dir's gegeben? ~Daniel.~ Der Graf? Jesus Maria! der Graf hat mir nichts gegeben. ~Franz.~ (_Greift ihn hart an._) Ich will dich würgen, daß du blau wirst, eisgrauer Lügner du! Nichts? Und was stacket ihr denn so beysammen? Er und du und Amalia? Und was flüstertet ihr immer zusammen? Heraus damit! Was für Geheimnisse, was für Geheimnisse hat er dir anvertraut? ~Daniel.~ Das weiß der allwissende Gott. Er hat mir keine Geheimnisse anvertraut. ~Franz.~ Willst du es läugnen? Was für Kabalen habt ihr angezettelt, mich aus dem Weg zu räumen? Nicht wahr? Mich im Schlaf zu erdrosseln? Mir beym Bartscheren die Gurgel abzuschneiden? Mir im Wein oder im Chokolade zu vergeben? Heraus, heraus! -- oder mir in der Suppe den ewigen Schlaf zu geben? Heraus damit! ich weiß alles. ~Daniel.~ So helfe mir Gott, wenn ich in Noth bin, wie ich euch itzt nichts anders sage, als die reine lautere Wahrheit! ~Franz.~ Dißmal will ich dir verzeihen. Aber gelt, er steckte dir gewiß Geld in deinen Beutel? Er drückte dir die Hand stärker als der Brauch ist? so ungefähr, wie man sie seinen alten Bekannten zu drücken pflegt? ~Daniel.~ Niemals, mein Gebieter. ~Franz.~ Er sagte dir, zum Exempel, daß er dich etwa schon kenne? -- daß du ihn fast kennen solltest? Daß dir einmal die Decke von den Augen fallen würde -- daß -- was? Davon sollt' er dir niemals gesagt haben? ~Daniel.~ Nicht das mindeste. ~Franz.~ Daß gewisse Umstände ihn abhielten -- daß man oft Masken nehmen müsse, um seinen Feinden zuzukönnen -- daß er sich rächen wolle, aufs grimmigste rächen wolle. ~Daniel.~ Nicht einen Laut von diesem allem. ~Franz.~ Was? gar nichts? Besinne dich recht. -- Daß er den alten Herrn sehr genau -- besonders genau gekannt -- daß er ihn liebe -- ungemein liebe -- wie ein Sohn liebe -- ~Daniel.~ Etwas dergleichen erinnere ich mich von ihm gehört zu haben. ~Franz.~ (_blaß_) Hat er, hat er wirklich? Wie, so laß mich doch hören! Er sagte, er sey mein Bruder? ~Daniel.~ (_betroffen_) Was, mein Gebieter? -- Nein, das sagte er nicht. Aber wie ihn das Fräulein in der Gallerie herumführte, ich putzte eben den Staub von den Rahmen der Gemählde ab, stand er bey dem Portrait des seeligen Herrn plözlich still, wie vom Donner gerührt. Das gnädige Fräulein deutete drauf hin, und sagte: ein vortreflicher Mann! Ja ein vortreflicher Mann, gab er zur Antwort, indem er sich die Augen wischte. ~Franz.~ Höre Daniel! Du weist, ich bin immer ein gütiger Herr gegen dich gewesen, ich hab dir Nahrung und Kleider gegeben, und dein schwaches Alter in allen Geschäften geschonet -- ~Daniel.~ Dafür lohn euch der liebe Herr Gott! und ich hab euch immer redlich gedienet. ~Franz.~ Das wollt' ich eben sagen. Du hast mir in deinem Leben noch keine Widerrede gegeben, denn du weist gar zu wohl, daß du mir Gehorsam schuldig bist in allem, was ich dich heisse. ~Daniel.~ In allem von ganzem Herzen, wenn es nicht wider Gott und mein Gewissen geht. ~Franz.~ Possen, Possen! Schämst du dich nicht? Ein alter Mann, und an das Weyhnacht-Mährchen zu glauben! Geh Daniel! das war ein dummer Gedanke. Ich bin ja Herr. Mich werden Gott und Gewissen strafen, wenn es ja einen Gott und ein Gewissen gibt. ~Daniel~ (_schlägt die Hände zusammen._) Barmherziger Himmel! ~Franz.~ Bey deinem Gehorsam! Verstehst du das Wort auch? Bey deinem Gehorsam befehl ich dir, morgen darf der Graf nimmer unter den Lebendigen wandeln. ~Daniel.~ Hilf, heiliger Gott! Weswegen? ~Franz.~ Bey deinem ~blinden~ Gehorsam! -- und an dich werd ich mich halten. ~Daniel.~ An mich? Hilf selige Mutter Gottes! An mich? Was hab' ich alter Mann denn Böses gethan? ~Franz.~ Hier ist nicht lang Besinnszeit, dein Schicksal steht in meiner Hand. Willst du dein Leben im tiefsten meiner Thürme vollends ausschmachten, wo der Hunger dich zwingen wird, deine eigenen Knochen abzunagen, und der brennende Durst, dein eigenes Wasser wieder zu saufen? -- Oder willst du lieber dein Brod essen im Frieden, und Ruhe haben in deinem Alter? ~Daniel.~ Was Herr? Fried und Ruhe im Alter? und ein Todtschläger? ~Franz.~ Antwort auf meine Frage! ~Daniel.~ Meine grauen Haare, meine grauen Haare! ~Franz.~ Ja oder Nein! ~Daniel.~ Nein! -- Gott erbarme sich meiner! ~Franz.~ (_Im Begriff zu gehen._) Gut, du sollsts nöthig haben. (_Daniel hält ihn auf und fällt vor ihm nieder._) ~Daniel.~ Erbarmen Herr! Erbarmen! ~Franz.~ Ja oder Nein! ~Daniel.~ Gnädiger Herr! ich bin heute ein und siebenzig Jahr alt! und hab' Vater und Mutter geehret, und niemand meines Wissens um des Hellers Werth im Leben vervortheilt, und hab' an meinem Glauben gehalten, treu und redlich, und hab' in eurem Hause gedienet vier und vierzig Jahr, und erwarte itzt ein ruhig seeliges Ende, ach Herr, Herr! (_Umfaßt seine Kniee heftig_) und ihr wollt mir den letzten Trost rauben im Sterben, daß der Wurm des Gewissens mich um mein letztes Gebet bringe, daß ich ein Greuel vor Gott und Menschen schlafen gehen soll. Nein, nein, mein liebster bester, liebster gnädiger Herr, das woll't ihr nicht, das könn't ihr nicht wollen von einem ein und siebenzigjährigen Manne. ~Franz.~ Ja oder Nein! was soll das Geplapper? ~Daniel.~ Ich will euch von nun an noch eifriger dienen. Will meine dürren Sehnen in eurem Dienst wie ein Taglöhner abarbeiten, will früher aufstehen, will später mich niederlegen -- ach und will euch einschliessen in mein Abend- und Morgengebet, und Gott wird das Gebet eines alten Mannes nicht wegwerfen. ~Franz.~ Gehorsam ist besser, denn Opfer. Hast du je gehört, daß sich der Henker zierte, wenn er ein Urtheil vollstrecken sollte? ~Daniel.~ Ach ja wohl! aber eine Unschuld erwürgen -- einen -- ~Franz.~ Bin ich dir etwa Rechenschaft schuldig? darf das Beil den Henker fragen, warum dahin und nicht dorthin? -- Aber sieh, wie langmüthig ich bin -- ich biete dir eine Belohnung für das, was du mir huldigtest. ~Daniel.~ Aber ich hoffte, ein Christ bleiben zu dörfen, da ich euch huldigte. ~Franz.~ Keine Widerrede! siehe ich gebe dir einen ganzen Tag noch Bedenkzeit! Ueberlege es nochmals. Glück und Unglück -- hörst du, verstehst du? das höchste Glück, und das äußerste Unglück! Ich will Wunder thun im Peinigen. ~Daniel~ (_Nach einigem Nachdenken._) Ich will's thun, morgen will ich's thun. (_ab._) Franz. Die Versuchung ist stark, und der war wohl nicht zum Märtyrer seines Glaubens geboren -- Wohl bekomms dann, Herr Graf! Allem Ansehen nach werden sie morgen Abend ihr Henker-Mahl halten! Es kommt alles nur darauf an, wie man davon denkt, und der ist ein Narr, der wider seine Vortheile denkt. Den Vater, der vielleicht eine Bouteille Wein weiter getrunken hat, kommt der Kitzel an -- und draus wird ein Mensch, und der Mensch war gewiß das letzte, woran bey der ganzen Herkules-Arbeit gedacht wird. Nun kommt mich eben auch der Kitzel an -- und dran krepirt ein Mensch, und gewiß ist hier mehr Verstand und Absichten, als dort bey seinem Entstehen war -- Hangt nicht das Daseyn der meisten Menschen mehrentheils an der Hitze eines Julius-Mittags, oder am anziehenden Anblick eines Betttuchs, oder an der wagrechten Lage einer schlafenden Küchen-Grazie, oder an einem ausgelöschten Licht? -- Ist die Geburt des Menschen das Werk einer viehischen Anwandlung, eines Ungefährs, wer sollte wegen der ~Verneinung seiner Geburt~ sich einkommen lassen, an ein bedeutendes Etwas zu denken? Verflucht sey die Thorheit unserer Ammen und Wärterinnen, die unsere Phantasie mit schröcklichen Mährchen verderben, und gräßliche Bilder von Strafgerichten in unser weiches Gehirnmark drücken, daß unwillkührliche Schauder die Glieder des Mannes noch in frostige Angst rütteln, unsere kühnste Entschlossenheit sperren, unsere erwachende Vernunft an Ketten abergläubischer Finsterniß legen -- ~Mord~! wie eine ganze Hölle von Furien um das Wort flattert -- die Natur vergaß einen Mann mehr zu machen -- die Nabelschnur ist nicht unterbunden worden -- der Vater hat in der Hochzeit-Nacht glatten Leib bekommen -- und die ganze Schattenspielerey ist verschwunden. Es war etwas und wird nichts -- Heißt es nicht eben so viel, als: es war nichts und wird nichts und um nichts wird kein Wort mehr gewechselt -- der Mensch entstehet aus Morast, und watet eine Weile im Morast, und macht Morast, und gährt wieder zusammen in Morast, bis er zuletzt an den Schuhsohlen seines Urenkels unflätig anklebt. Das ist das Ende vom Lied -- der morastige Zirkel der menschlichen Bestimmung, und somit -- glückliche Reise, Herr Bruder! Der milzsüchtige podagrische Moralist von einem Gewissen mag runzlichte Weiber aus Bordellen jagen, und alte Wucherer auf dem Todesbett foltern -- bey mir wird er nimmermehr Audienz bekommen. (_Er geht ab._) Dritte Scene. Andres Zimmer im Schloß. Räuber Moor. (_von der einen Seite._) Daniel (_von der andern._) ~Moor.~ (_hastig._) Wo ist das Fräulein? ~Daniel.~ Gnädiger Herr! Erlaubt einem armen Mann, euch um etwas zu bitten. ~Moor.~ Es ist dir gewährt, was willst du? ~Daniel.~ Nicht viel, und alles, so wenig und doch so viel -- laßt mich eure Hand küssen! ~Moor.~ Das sollst du nicht, guter Alter! (_umarmt ihn._) den ich Vater nennen möchte. ~Daniel.~ Eure Hand, eure Hand! ich bitt euch. ~Moor.~ Du sollst nicht. ~Daniel.~ Ich muß! (_Er greift sie, betrachtet sie schnell und fällt vor ihm nieder._) Lieber, bester Karl! ~Moor.~ (_erschrickt, faßt sich, fremd._) Freund, was sagst du? Ich verstehe dich nicht. ~Daniel.~ Ja, läugnet es nur, verstellt euch! Schön, schön! Ihr seyd immer mein bester köstlicher Junker -- Lieber Gott! daß ich alter Mann noch die Freude -- dummer Tölpel ich, daß ich euch nicht gleich -- ey du himmlischer Vater! So seyd ihr ja wiedergekommen, und der alte Herr ist unterm Boden, und da seyd ihr ja wieder -- was für ein blinder Esel ich doch war (_sich vor den Kopf schlagend_) daß ich euch nicht im ersten Hui -- ey du mein! Wer hätte sich das träumen lassen! -- um was ich mit Thränen betete, -- Jesus Christus! Da steht er ja leibhaftig wieder in der alten Stube! ~Moor.~ Was ist das für eine Sprache? Seyd ihr vom hitzigen Fieber aufgesprungen, oder wollt ihr eine Komödien-Rolle an mir probiren? ~Daniel.~ Ey pfui doch, pfui doch! Das ist nicht fein, einen alten Knecht so zum besten haben -- Diese Narbe! He, wißt ihr noch? -- Großer Gott! Was ihr mir da für eine Angst einjagtet -- ich hab' euch immer so lieb gehabt, und was ihr mir da für Herzeleid hättet anrichten können -- ihr saßt mir im Schoos, -- wißt ihr noch? -- Dort in der runden Stube -- gelt Vogel? Das habt ihr freylich vergessen -- auch den Kukuk, den ihr so gern hörtet? -- denkt doch! der Kukuk ist zerschlagen, in Grunds-Boden geschlagen -- die alte Susel hat ihn verwettert, wie sie die Stube fegte -- ja freylich, und da saß't ihr mir im Schoos, und rief't hotto! und ich lief fort, euch den Hotto-Gaul zu holen -- Jesus Gott! Warum mußt' ich alter Esel auch fortlaufen? -- und wie mir's siedigheiß über den Buckel lief -- wie ich das Zettergeschrey höre draussen im Oehrn, spring herein, und da lief das helle Blut, und laget am Boden, und hattet -- heilige Mutter Gottes! War mir's nicht, als wenn mir ein Kübel eiskalt Wasser übern Nacken sprizte -- aber so geht's, wenn man nicht alle Augen auf die Kinder hat. Großer Gott, wenn's in's Aug' gegangen wäre -- War's darzu noch die rechte Hand. Mein Lebens-Tag, sagt' ich, soll mir kein Kind mehr ein Messer oder eine Scheere oder so was spitziges, sagt' ich, in die Hände kriegen, sagt' ich, -- war zum Glück noch Herr und Frau verreiset -- ja ja, das soll mir mein Tag des Lebens eine Warnung seyn, sagt' ich -- Jemini, jemini! ich hätte vom Dienst kommen können, ich hätte, Gott der Herr verzeih's euch, gottloses Kind -- aber gottlob! es heilte glücklich, bis auf die wüste Narbe. ~Moor.~ Ich begreiffe kein Wort von allem, was du sagst. ~Daniel.~ Ja gelt, gelt? Das war noch eine Zeit? Wie manches Zuckerbrod, oder Biscuit oder Makrone ich euch hab' zugeschoben, hab' euch immer am gernsten gehabt, und wißt ihr noch, was ihr mir drunten sagtet im Stall, wie ich euch auf des alten Herrn seinen Schweißfuchsen setzte, und euch auf der großen Wiese ließ herumjagen? Daniel! sagtet ihr, laß mich nur einen großen Mann werden, Daniel, so sollst du mein Verwalter seyn, und mit mir in der Kutsche fahren, -- ja, sagt' ich, und lachte, wenn Gott Leben und Gesundheit schenkt, und ihr euch eines alten Mannes nicht schämen werdet, sagt' ich, so will ich euch bitten, mir das Häuschen drunten im Dorf zu räumen, das schon eine gute Weil' leer steht, und da wollt' ich mir ein Eimer zwanzig Wein einlegen, und wirthschaften in meinen alten Tagen. -- Ja lacht nur, lacht nur! Gelt junger Herr, das habt ihr rein ausgeschwizt? -- den alten Mann will man nicht kennen, da thut man so fremd, so fürnehm -- o ihr seyd doch mein goldiger Junker -- freylich halt ein bisgen lucker gewesen -- nimmt mir's nicht übel! -- Wie's eben das junge Fleisch meistens ist -- am Ende kann noch alles gut werden. ~Moor~ (_fällt ihm um den Hals._) Ja! Daniel ich will's nicht mehr verhehlen! Ich bin dein Karl, dein verlorner Karl! Was macht meine Amalia? ~Daniel~ (_fängt an zu weinen._) Daß ich alter Sünder noch die Freude haben soll, -- und der Herr selig weinete umsonst! -- Abe, abe, weißer Schedel! mürbe Knochen, fahret in die Grube mit Freuden! Mein Herr und Meister lebt, ihn haben meine Augen gesehen! ~Moor.~ Und will halten, was er versprochen hat, -- nimm das, ehrlicher Graukopf, für den Schweisfuchsen im Stall (_dringt ihm einen schweren Beutel auf_) nicht vergessen hab ich den alten Mann. ~Daniel.~ Wie, was treibt ihr? Zuviel! Ihr habt euch vergriffen. ~Moor.~ Nicht vergriffen, Daniel! (_Daniel will niederfallen._) Steh auf, sage mir, was macht meine Amalia? ~Daniel.~ Gottes Lohn! Gottes Lohn! Ey Herr Jerem! -- Eure Amalia, oh die wird's nicht überleben, die wird sterben vor Freude! ~Moor~ (_heftig._) Sie vergaß mich nicht? ~Daniel.~ Vergessen? Wie schwäzt ihr wieder? Euch vergessen? -- da hättet ihr sollen dabey seyn, hättet's sollen mit ansehen, wie sie sich gebehrdete, als die Zeitung kam, ihr wärt gestorben, die der gnädige Herr ausstreuen ließ -- ~Moor.~ Was sagst du? mein Bruder -- ~Daniel.~ Ja euer Bruder, der gnädige Herr, euer Bruder -- ich will euch ein andermal mehr davon erzählen, wenn's Zeit dazu ist -- und wie sauber sie ihm abkappte, wenn er ihr alle Tage, die Gott schickt, seinen Antrag machte, und sie zur gnädigen Frau machen wollte. O ich muß hin, muß hin, ihr sagen, ihr die Botschaft bringen (_will fort._) ~Moor.~ Halt, halt! sie darf's nicht wissen, darf's niemand wissen, auch mein Bruder nicht -- ~Daniel.~ Euer Bruder? Nein beyleibe nicht, er darf's nicht wissen! Er gar nicht! -- Wenn er nicht schon mehr weiß, als er wissen darf -- Oh ich sage euch, es gibt garstige Menschen, garstige Brüder, garstige Herren -- aber ich möcht' um alles Gold meines Herrn willen kein garstiger Knecht seyn -- der gnädige Herr hielt euch todt. ~Moor.~ Hum! Was brummst du da? ~Daniel~ (_leiser._) Und wenn man freylich so ungebeten aufersteht -- euer Bruder war des Herrn selig einziger Erbe -- ~Moor.~ Alter! -- Was murmelst du da zwischen den Zähnen, als wenn irgend ein Ungeheuer von Geheimniß auf deiner Zunge schwebte, das nicht heraus wollte, und doch heraus sollte, rede deutlicher! ~Daniel.~ Aber ich will lieber meine alten Knochen abnagen vor Hunger, lieber vor Durst mein eigenes Wasser saufen, als Wohlleben die Fülle verdienen mit einem Todschlag. (_schnell ab._) Moor (_auffahrend aus schrecklicher Pause._) Betrogen betrogen! da fährt es über meine Seele wie der Blitz! -- ~Spitzbübische Künste!~ Himmel und Hölle! nicht du, Vater! ~Spitzbübische Künste!~ ~Mörder~, ~Räuber~ durch spitzbübische Künste! Angeschwärzt von ihm! verfälscht, unterdrückt meine Briefe -- voll Liebe sein Herz -- oh ich Ungeheuer von einem Thoren -- voll Liebe sein Vater-Herz -- oh Schelmerey, Schelmerey! Es hätte mich einen Fußfall gekostet, es hätte mich eine Thräne gekostet -- oh ich blöder, blöder, blöder Thor! (_wider die Wand rennend._) Ich hätte glücklich seyn können -- oh Büberey, Büberey! das Glück meines Lebens bübisch, bübisch hinwegbetrogen. (_Er läuft wüthend auf und nieder._) Mörder, Räuber durch spitzbübische Künste! -- Er grollte nicht einmal. Nicht ein Gedanke von Fluch in seinem Herzen -- oh Bösewicht! unbegreiflicher, schleichender, abscheulicher Bösewicht! Kosinsky (_kommt._) ~Kosinsky.~ Nun Hauptmann, wo steckst du? Was ists? Du willst noch länger hier bleiben, merk' ich? ~Moor.~ Auf! Sattle die Pferde! Wir müssen vor Sonnen-Untergang noch über den Gränzen seyn! ~Kosinsky.~ Du spassest. ~Moor~ (_Befehlend._) Hurtig, hurtig! Zaudre nicht lang, laß alles da! und daß kein Aug' dich gewahr wird. (Kosinsky ab.) Moor. Ich fliehe aus diesen Mauren. Der geringste Verzug könnte mich wüthig machen, und er ist meines Vaters Sohn -- Bruder, Bruder! Du hast mich zum Elendesten auf Erden gemacht, ich habe dich niemals beleidigt, es war nicht brüderlich gehandelt -- Erndte die Früchte deiner Unthat in Ruhe, meine Gegenwart soll dir den Genuß nicht länger vergällen -- aber gewiß, es war nicht brüderlich gehandelt. Finsterniß verlösche sie auf ewig, und der Tod rühre sie nicht auf! Kosinsky. ~Kosinsky.~ Die Pferde stehn gesattelt, ihr könnt aufsitzen, wann ihr wollt. ~Moor.~ Presser, Presser! Warum so eilig? Soll ich sie nicht mehr sehn? ~Kosinsky.~ Ich zäume gleich wieder ab, wenn ihr's haben wollt, ihr hießt mich ja über Hals und Kopf eilen. ~Moor.~ Noch einmal! ein Lebewohl noch! ich muß den Gifttrank dieser Seeligkeit vollends ausschlürfen, und dann -- halt Kosinsky! Zehn Minuten noch -- hinten am Schloßhof -- und wir sprengen davon! Vierte Scene. Im Garten. Amalia. ~Du weinst Amalia?~ -- und das sprach er mit einer Stimme! mit einer Stimme -- mir wars, als ob die Natur sich verjüngete -- die genossenen Lenze der Liebe dämmerten auf mit der Stimme! Die Nachtigall schlug wie damals -- die Blumen hauchten wie damals -- und ich lag Wonne-berauscht an seinem Hals -- Ha falsches treuloses Herz! Wie du deinen Meineid beschönigen willst! Nein, nein, weg aus meiner Seele, du Frevel-Bild -- ich hab' meinen Eid nicht gebrochen, du Einziger! Weg aus meiner Seele, ihr verrätherischen gottlosen Wünsche! im Herzen, wo Karl herrscht, darf kein Erdensohn nisten -- Aber warum, meine Seele, so immer, so wider Willen nach diesem Fremdling? Hängt er sich nicht so hart an das Bild meines Einzigen? Ist er nicht der ewige Begleiter meines Einzigen? ~Du weinst Amalia?~ -- Ha ich will ihn fliehen! -- fliehen! -- Nimmer sehen soll mein Aug' diesen Fremdling! Räuber Moor (_öffnet die Gartenthüre._) ~Amalia~ (_fährt zusammen._) Horch! horch! Rauschte die Thüre nicht? (_Sie wird Karln gewahr, und springt auf._) Er? -- wohin? -- was? -- da hat mich's angewurzelt, daß ich nicht fliehen kann -- Verlaß mich nicht, Gott im Himmel! -- Nein du sollst mir meinen Karl nicht entreissen! Meine Seele hat nicht Raum für zwey Gottheiten, und ich bin ein sterbliches Mädchen! (_Sie nimmt Karls Bild heraus._) Du, mein Karl, sey mein Genius wider diesen Fremdling, den Liebestörer! dich, dich ansehen, unverwandt, -- und weg alle gottlosen Blicke nach diesem (_sie sitzt stumm -- das Auge starr auf das Bild geheftet._) ~Moor.~ Sie da, gnädiges Fräulein? -- und traurig? und eine Thräne auf diesem Gemählde? -- (_Amalia gibt ihm keine Antwort._) -- Und wer ist der Glückliche, um den sich das Aug' eines Engels versilbert? darf auch ich diesen Verherrlichten -- (_er will das Gemählde betrachten._) ~Amalia.~ Nein, ja, nein! ~Moor~ (_zurückfahrend._) Ha! -- und verdient er diese Vergötterung? verdient er? -- ~Amalia.~ Wenn Sie ihn gekannt hätten! ~Moor.~ Ich würd' ihn beneidet haben. ~Amalia.~ Angebetet, wollen Sie sagen. ~Moor.~ Ha! ~Amalia.~ Oh Sie hätten ihn so lieb gehabt -- es war so viel, so viel in seinem Angesicht -- in seinen Augen -- im Ton seiner Stimme, das Ihnen so gleich kommt -- das ich so liebe -- ~Moor~ (_sieht zur Erde._) ~Amalia.~ Hier, wo Sie stehen, stand er tausendmal -- und neben ihm die, die neben ihm Himmel und Erde vergaß -- hier durchirrte sein Aug' die um ihn prangende Gegend -- sie schien den großen belohnenden Blick zu empfinden, und sich unter dem Wohlgefallen ihres Meisterbilds zu verschönern -- hier hielt er mit himmlischer Musik die Hörer der Lüfte gefangen -- hier an diesem Busch pflückte er Rosen, und pflückte die Rosen für mich -- hier hier lag er an meinem Halse, brannte sein Mund auf dem meinen, und die Blumen starben gern unter der Liebenden Fußtritt -- ~Moor.~ Er ist nicht mehr? ~Amalia.~ Er seegelt auf ungestümen Meeren -- Amalia's Liebe seegelt mit ihm -- er wandelt durch ungebahnte sandigte Wüsten -- Amalia's Liebe macht den brennenden Sand unter ihm grünen, und die wilden Gesträuche blühen -- der Mittag sengt sein entblößtes Haupt, nordischer Schnee schrumpft seine Sohlen zusammen, stürmischer Hagel regnet um seine Schläfe, und Amalia's Liebe wiegt ihn in Stürmen ein -- Meere und Berge und Horizonte zwischen den Liebenden -- aber die Seelen versetzen sich aus dem staubigten Kerker, und treffen sich im Paradiese der Liebe -- Sie scheinen traurig, Herr Graf? ~Moor.~ Die Worte der Liebe machen auch meine Liebe lebendig. ~Amalia.~ (_blaß._) Was? Sie lieben eine andre? -- Weh mir, was hab ich gesagt? ~Moor.~ Sie glaubte mich todt, und blieb treu dem Todtgeglaubten -- sie hörte wieder, ich lebe, und opferte mir die Krone einer Heiligen auf. Sie weiß mich in Wüsten irren, und im Elend herumschwärmen, und ihre Liebe fliegt durch Wüsten und Elend mir nach. Auch heißt sie Amalia, wie Sie, gnädiges Fräulein. ~Amalia.~ Wie beneid' ich Ihre Amalia! ~Moor.~ O sie ist ein unglückliches Mädchen, ihre Liebe ist für einen, der verloren ist, und wird -- ewig niemals belohnt. ~Amalia.~ Nein, sie wird im Himmel belohnt. Sagt man nicht, es gebe eine bessere Welt, wo die Traurigen sich freuen, und die Liebenden sich wieder erkennen? ~Moor.~ Ja, eine Welt, wo die Schleyer hinwegfallen, und die Liebe sich schrecklich wiederfindet -- ~Ewigkeit~ heißt ihr Name -- meine Amalia ist ein unglückliches Mädchen. ~Amalia.~ Unglücklich, und Sie lieben? ~Moor.~ Unglücklich, weil sie mich liebt! wie, wenn ich ein Todtschläger wäre? wie mein Fräulein? wenn Ihr Geliebter Ihnen für jeden Kuß einen Mord aufzählen könnte? wehe meiner Amalia! Sie ist ein unglückliches Mädchen. ~Amalia~ (_froh aufhüpfend._) Ha! wie bin ich ein glückliches Mädchen! Mein Einziger ist Nachstrahl der Gottheit, und die Gottheit ist Huld und Erbarmen! Nicht eine Fliege konnt' er leiden sehen -- Seine Seele ist so fern von einem blutigen Gedanken, als fern der Mittag von der Mitternacht ist. ~Moor~ (_kehrt sich schnell ab, in ein Gebüsch, blickt starr in die Gegend._) ~Amalia~ (_singt und spielt auf der Laute._) Willst dich Hektor ewig mir entreissen, Wo des Aeaciden mordend Eisen Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt? Wer wird künftig deinen Kleinen lehren Speere werfen und die Götter ehren, Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt? ~Moor~ (_nimmt die Laute stillschweigend und spielt._) Theures Weib, geh, hol die Todeslanze! -- Laß -- mich fort -- zum wilden Kriegestanze -- (Er wirft die Laute weg, und flieht davon.) Fünfte Scene. ~Nahgelegener Wald. Nacht.~ Ein altes verfallenes Schloß in der Mitte. Die ~Räuberbande~ gelagert auf der Erde. Die ~Räuber~ singen. Stehlen, morden, huren, balgen Heißt bey uns nur die Zeit zerstreu'n. Morgen hangen wir am Galgen, Drum laßt uns heute lustig seyn. Ein freyes Leben führen wir, Ein Leben voller Wonne. Der Wald ist unser Nachtquartier, Bey Sturm und Wind handthieren wir, Der Mond ist unsre Sonne, Merkurius ist unser Mann, Der's Prakticiren treflich kann. Heut laden wir bey Pfaffen uns ein, Bey masten Pächtern morgen, Was drüber ist, da lassen wir fein Den lieben Herrgott sorgen. Und haben wir im Traubensaft Die Gurgel ausgebadet, So machen wir uns Muth und Kraft Und mit dem Schwarzen Brüderschaft, Der in der Hölle bratet. Das Wehgeheul geschlagner Väter, Der bangen Mütter Klaggezetter, Das Winseln der verlaßnen Braut Ist Schmauß für unsre Trommelhaut! Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken, Ausbrüllen wie Kälber, umfallen wie Mucken, Das kitzelt unsern Augenstern, Das schmeichelt unsern Ohren gern. Und wenn mein Stündlein kommen nun, Der Henker soll es holen, So haben wir halt unsern Lohn, Und schmieren unsre Sohlen, Ein Schlückchen auf den Weg vom heissen Traubensohn, Und hura rax dax! gehts, als flögen wir davon. ~Schweizer.~ Es wird Nacht, und der Hauptmann noch nicht da! ~Razmann.~ Und versprach doch Schlag acht Uhr wieder bey uns einzutreffen. ~Schweizer.~ Wenn ihm Leides geschehen wäre -- Kameraden! wir zünden an und morden den Säugling. ~Spiegelberg~ (_nimmt Razmann beyseite._) Auf ein Wort Razmann. ~Schwarz~ (_zu Grimm._) Wollen wir nicht Spionen ausstellen? ~Grimm.~ Laß du ihn! Er wird einen Fang thun, daß wir uns schämen müssen. ~Schweizer.~ Da brennst du dich, beym Henker! Er gieng nicht von uns wie einer, der einen Schelmenstreich im Schild führt. Hast du vergessen, was er gesagt hat, als er uns über die Haide führte? -- »Wer nur eine Rübe vom Acker stiehlt, daß ich's erfahre, läßt seinen Kopf hier, so wahr ich ~Moor~ heiße.« -- Wir dörfen nicht rauben. ~Razmann~ (_leise zu Spiegelberg._) Wo will das hinaus -- rede deutscher. ~Spiegelberg.~ Pst! Pst! -- Ich weiß nicht, was du oder ich für Begriffe von Freyheit haben, daß wir an einem Karrn ziehen, wie Stiere, und dabey wunderviel von Independenz deklamiren -- Es gefällt mir nicht. ~Schweizer~ (_zu Grimm._) Was wohl dieser Windkopf hier an der Kunkel hat? ~Razmann~ (_leise zu Spiegelberg._) Du sprichst vom Hauptmann? -- ~Spiegelberg.~ Pst doch! Pst! -- Er hat so seine Ohren unter uns herumlaufen -- ~Hauptmann~ sagst du? wer hat ihn zum Hauptmann über uns gesetzt, oder hat er nicht diesen Titel usurpirt, der von rechtswegen mein ist? -- Wie? legen wir darum unser Leben auf Würfel -- baden darum alle Milzsuchten des Schicksals aus, daß wir am End' noch von Glück sagen, die Leibeigenen eines Sklaven zu seyn? -- Leibeigene, da wir Fürsten seyn könnten? -- Bey Gott! Razmann -- das hat mir niemals gefallen. ~Schweizer~ (_Zu den andern._) Ja -- du bist mir der rechte Held, Frösche mit Steinen breit zu schmeissen -- Schon der Klang seiner Nase, wenn er sich schneuzte, könnte dich durch ein Nadelöhr jagen -- ~Spiegelberg~ (_zu Razmann._) Ja -- Und Jahre schon dicht' ich darauf: Es soll anders werden. Razmann -- wenn du bist, wofür ich dich immer hielt -- Razmann! -- Man vermißt ihn -- gibt ihn halb verloren -- Razmann, mich deucht, seine schwarze Stunde schlägt -- wie? Nicht einmal röther wirst du, da dir die Glocke zur Freyheit läutet? Hast nicht einmal so viel Muth, einen kühnen Wink zu verstehen? ~Razmann.~ Ha Satan! worinn verstrickst du meine Seele? ~Spiegelberg.~ Hats gefangen? -- Gut! so folge. Ich hab' mir's gemerkt, wo er hinschlich -- Komm! Zwey Pistolen fehlen selten, und dann -- so sind wir die ersten, die den Säugling erdrosseln. (_Er will ihn fortreissen._) ~Schweizer~ (_Zieht wüthend sein Messer._) Ha Bestie! Eben recht erinnerst du mich an die böhmischen Wälder! -- Warst du nicht die Memme, die anhub zu schnadern, als sie riefen: ~Der Feind kommt~? Ich hab' damals bey meiner Seele geflucht -- fahr hin Meuchelmörder (_Er sticht ihn todt._) ~Räuber~ (_In Bewegung._) Mordjo! Mordjo! -- -- Schweizer -- Spiegelberg -- Reißt sie auseinander -- ~Schweizer~ (_Wirft das Messer über ihn._) Da! -- Und so krepir du -- Ruhig Kameraden -- Laßt euch den Bettel nicht unterbrechen -- Die Bestie ist dem Hauptmann immer giftig gewesen, und hat keine Narbe auf ihrer ganzen Haut -- Noch einmal, gebt euch zufrieden -- ha! über den Racker -- von hinten her will er Männer zu schanden schmeissen? Männer von hinten her! -- Ist uns darum der helle Schweiß über die Backen gelaufen, daß wir aus der Welt schleichen wie Hundsvötter? Bestie du! Haben wir uns darum unter Feuer und Rauch gebettet, daß wir zuletzt wie Ratten verrecken? ~Grimm.~ Aber zum Teufel -- Kamerad -- was hattet ihr mit einander? -- Der Hauptmann wird rasend werden. ~Schweizer.~ Dafür laß mich sorgen -- Und du Heilloser (_zu Razmann_), du warst sein Helfershelfer, du! -- Pack dich aus meinen Augen -- der Schufterle hat's auch so gemacht, aber dafür hängt er itzt auch in der Schweiz, wie's ihm mein Hauptmann prophezeyt hat -- (_Man schießt._) ~Schwarz~ (_aufspringend._) Horch! ein Pistolenschuß! (_Man schießt wieder._) Noch einer! Holla! Der Hauptmann! ~Grimm.~ Nur Geduld! Er muß zum drittenmal schiessen. (_Man hört noch einen Schuß._) ~Schwarz.~ Er ist's! -- Ist's -- Salvier dich, Schweizer -- laßt uns ihm antworten. (Sie schiessen.) Moor. Kosinsky (_treten auf._) ~Schweizer~ (_ihnen entgegen._) Sey willkommen, mein Hauptmann -- Ich bin ein bischen vorlaut gewesen, seit du weg bist. (_Er führt ihn an die Leiche._) Sey du Richter zwischen mir und diesem -- ~von hinten~ hat er dich ermorden wollen. ~Räuber~ (_mit Bestürzung._) Was? Den Hauptmann? ~Moor.~ (_In den Anblick versunken, bricht heftig aus._) O unbegreiflicher Finger der rachekundigen Nemesis! -- Wars nicht dieser, der mir das Sirenenlied trillerte? -- Weihe diß Messer der dunklen Vergelterinn! -- das hast ~Du~ nicht gethan, Schweizer. ~Schweizer.~ Bei Gott! ich habs wahrlich gethan, und es ist beim Teufel nicht das schlechtste, was ich in meinem Leben gethan habe. (_geht unwillig ab._) ~Moor~ (_Nachdenkend._) Ich verstehe -- Lenker im Himmel -- ich verstehe -- die Blätter fallen von den Bäumen -- und mein Herbst ist kommen -- Schafft mir diesen aus den Augen. (_Spiegelbergs Leiche wird hinweg getragen._) ~Grimm.~ Gib uns Ordre, Hauptmann -- was sollen wir weiter thun? ~Moor.~ Bald -- bald ist alles erfüllet -- Gebt mir meine Laute -- Ich habe mich selbst verloren, seit ich dort war -- Meine Laute sag ich -- Ich muß mich zurück lullen in meine Kraft -- verlaßt mich. ~Räuber.~ Es ist Mitternacht, Hauptmann. ~Moor.~ Doch warens nur die Thränen im Schauspielhaus -- den Römergesang muß ich hören, daß mein schlafender Genius wieder aufwacht -- Meine Laute her -- Mitternacht, sagt ihr? ~Schwarz.~ Wohl bald vorüber. Wie Bley liegt der Schlaf in uns. Seit drei Tagen kein Auge zu. ~Moor.~ Sinkt denn der balsamische Schlaf auch auf die Augen der Schelmen? Warum fliehet er mich? Ich bin nie ein Feiger gewesen, oder ein schlechter Kerl -- Legt euch schlafen -- Morgen am Tag gehen wir weiter. ~Räuber.~ Gute Nacht, Hauptmann (_Sie lagern sich auf der Erde und schlafen ein._) Tiefe Stille. Moor. (_Nimmt die Laute und spielt._) ~Brutus.~ Sey willkommen friedliches Gefilde, Nimm den Letzten aller Römer auf! Von Philippi, wo die Mordschlacht brüllte Schleicht mein Gram-gebeugter Lauf. Kassius wo bist du? -- Rom verloren! Hingewürgt mein brüderliches Heer! Meine Zuflucht zu des Todes Thoren! Keine Welt für Brutus mehr! ~Cäsar.~ Wer, mit Schritten eines Niebesiegten, Wandert dort vom Felsenhang? -- Ha! wenn meine Augen mir nicht lügten! Das ist eines Römers Gang. -- Tybersohn -- von wannen deine Reise? Dauert noch die Siebenhügelstadt? Oft geweinet hab ich um die Waise, Daß sie nimmer einen Cäsar hat. ~Brutus.~ Ha! du mit der drei und zwanzigfachen Wunde! Wer rief Todter dich an's Licht? Schaudre rückwärts, zu des Orkus Schlunde, Stolzer Weiner! Triumphire nicht! Auf Philippi's eisernem Altare Raucht der Freiheit letztes Opferblut; Rom verröchelt über Brutus Bahre, Brutus geht zu Minos -- Kreuch in deine Flut. ~Cäsar.~ O ein Todesstoß von Brutus Schwerte! Auch du -- Brutus -- du? Sohn -- es war dein Vater -- Sohn -- die Erde Wär gefallen dir als Erbe zu! Geh -- du bist der gröste Römer worden, Da in Vaters Brust dein Eisen drang, Geh -- und heul es bis zu jenen Pforten: Brutus ist der gröste Römer worden, Da in Vaters Brust sein Eisen drang. Geh -- du weißts nun, was an Lethes Strande Mich noch bannte -- Schwarzer Schiffer, stoß vom Lande! ~Brutus.~ Vater halt! -- Im ganzen Sonnenreiche Hab ich Einen nur gekannt, Der dem großen Cäsar gleiche: Diesen Einen hast du Sohn genannt. Nur ein Cäsar mochte Rom verderben, Nur nicht Brutus mochte Cäsar stehn, Wo ein Brutus lebt, muß Cäsar sterben; Geh du linkwärts, laß mich rechtwärts gehn. (Er legt die Laute hin, geht tiefdenkend auf und nieder.) Wer mir Bürge wäre? -- -- Es ist alles so finster -- verworrene Labyrinthe -- kein Ausgang -- kein leitendes Gestirn -- wenns ~aus~ wäre mit diesem letzten Othemzug -- ~Aus~ wie ein schaales Marionettenspiel -- Aber wofür der heiße ~Hunger~ nach ~Glückseligkeit~? Wofür das Ideal einer ~unerreichten~ Vollkommenheit? Das ~Hinausschieben~ unvollendeter Plane? -- wenn der armselige Druck dieses armseligen Dings (_die Pistolen vors Gesicht haltend_) den Weisen dem Thoren -- den Feigen dem Tapfern -- den Edlen dem Schelmen gleich macht? -- Es ist doch eine so göttliche Harmonie in der seelenlosen Natur, warum sollte dieser Mißklang in der vernünftigen seyn? -- Nein! Nein! es ist etwas mehr, denn ich bin noch nicht glücklich gewesen. Glaubt ihr, ich werde zittern? Geister meiner Erwürgten! ich werde nicht zittern. (~Heftig zitternd.~) -- Euer banges Sterbegewinsel -- euer schwarzgewürgtes Gesicht -- eure fürchterlich klaffenden Wunden sind ja nur Glieder einer unzerbrechlichen Kette des Schicksals, und hängen zuletzt an meinen Feyerabenden, an den Launen meiner Ammen und Hofmeister, am Temperament meines Vaters, am Blut meiner Mutter. -- (_von Schauer geschüttelt_) Warum hat mein Perillus einen Ochsen aus mir gemacht, daß die Menschheit in meinem glühenden Bauche bratet? (_Er setzt die Pistolen an._) ~Zeit und Ewigkeit~ -- gekettet an einander durch ein einzig Moment! -- Grauser Schlüssel, der das Gefängniß des Lebens hinter mir schließt, und vor mir aufriegelt die Behausung der ewigen Nacht -- sage mir -- o sage mir -- ~wohin~ -- ~wohin~ wirst du mich führen? -- Fremdes, nie umsegeltes Land! -- Siehe, die Menschheit erschlafft unter ~diesem~ Bilde, die Spannkraft des Endlichen läßt nach, und die Phantasey, der muthwillige Affe der Sinne, gaukelt unserer Leichtgläubigkeit seltsame Schatten vor -- Nein! Nein! Ein Mann muß nicht straucheln -- Sey wie du willst, ~namenloses Jenseits~ -- bleibt mir nur dieses mein ~Selbst~ getreu -- Sey wie du willst, wenn ich nur ~mich selbst~ mit hinübernehme -- Außendinge sind nur der Anstrich des Manns -- Ich bin mein Himmel und meine Hölle. Wenn du mir irgend einen eingeäscherten Weltkreis ~allein~ ließest, den du aus deinen Augen verbannt hast, wo die einsame Nacht, und die ewige Wüste meine Aussichten sind? -- Ich würde dann die schweigende Oede mit meinen Phantasien bevölkern, und hätte die Ewigkeit zur Musse, das verworrene Bild des allgemeinen Elends zu zergliedern. -- Oder willst du mich durch immer neue Geburten und immer neue Schauplätze des Elends von Stufe zu Stufe -- zur Vernichtung -- führen? Kann ich nicht die Lebensfäden, die mir jenseits gewoben sind, so leicht zerreissen, wie diesen? -- Du kannst mich zu nichts machen -- Diese Freyheit kannst du mir nicht nehmen. (_Er ladet die Pistole. Plötzlich hält er inne._) Und soll ich für Furcht eines qualvollen Lebens sterben? -- Soll ich dem Elend den Sieg über mich einräumen? -- Nein! ich wills dulden. (_Er wirft die Pistole weg._) Die Qual erlahme an meinem Stolz! Ich wills vollenden. (_Es wird immer finstrer._) Herrmann. (_Der durch den Wald kommt._) Horch! Horch! grausig heulet der Kauz -- zwölf schlägts drüben im Dorf -- wohl, wohl -- das Bubenstück schläft -- in dieser Wilde kein Lauscher. (_Tritt an das Schloß und pocht._) Komm heraus, Jammermann, Thurmbewohner! -- Deine Mahlzeit ist bereitet. ~Moor.~ (_Sachte zurücktretend._) Was soll das bedeuten? ~Eine Stimme.~ (_aus dem Schloß._) Wer pocht da? He? Bist du's, Herrmann, mein Rabe? ~Herrmann.~ Bin's, Herrmann, dein Rabe. Steig herauf ans Gitter und iß. (_Eulen schreyen._) Fürchterlich trillern deine Schlafkameraden, Alter -- dir schmeckt? ~Die Stimme.~ Hungerte mich sehr. Habe Dank, Rabensender, fürs Brod in der Wüste! -- Und wie gehts meinem lieben Kind, Herrmann? ~Herrmann.~ Stille -- Horch -- Geräusch wie von Schnarchenden! hörst du nicht was? ~Stimme.~ Wie? hörst ~du~ etwas? ~Herrmann.~ Den seufzenden Windlaut durch die Rizen des Thurms -- Eine Nachtmusik, davon einem die Zähne klappern und die Nägel blau werden -- Horch, noch einmal -- Immer ist mir, als hört' ich ein Schnarchen. -- Du hast Gesellschaft, Alter -- Hu! hu! hu! ~Stimme.~ Siehst du etwas? ~Herrmann.~ Leb wohl -- leb wohl -- Grausig ist diese Stätte -- Steig ab ins Loch -- droben dein Helfer, dein Rächer -- verfluchter Sohn! -- (_Will fliehen._) ~Moor.~ (_Mit Entsetzen hervortretend._) Steh! ~Herrmann.~ (_Schreyend._) Oh mir! ~Moor.~ Steh, sag ich! ~Herrmann.~ Weh! Weh! Weh! Nun ist alles verrathen! ~Moor.~ Steh! Rede! Wer bist du? Was hast du hier zu thun? Rede! ~Herrmann.~ Erbarmen, o Erbarmen, gestrenger Herr! -- Nur Ein Wort höret an, eh ihr mich umbringt. ~Moor.~ (_Indem er den Degen zieht._) Was werd' ich hören? ~Herrmann.~ Wohl habt ihr mirs beym Leben verboten -- Ich konnt' nicht anders -- durft' nicht anders -- im Himmel ein Gott -- euer leiblicher Vater dort -- mich jammerte sein -- Stecht mich nieder. ~Moor.~ Hier steckt ein Geheimniß -- Heraus! Sprich! Ich will alles wissen. ~Die Stimme.~ (_Aus dem Schloß._) Weh! Weh! Bist du's, Herrmann, der da redet? Mit wem redst du, Herrmann? ~Moor.~ Drunten noch jemand -- Was geht hier vor? (_Läuft dem Thurme zu._) Ist's ein Gefangener, den die Menschen abschüttelten? -- Ich will seine Ketten lösen. -- Stimme! noch einmal! wo ist die Thüre? ~Herrmann.~ O habt Barmherzigkeit, Herr -- dringt nicht weiter, Herr -- geht aus Erbarmen vorüber! (_Verrennt ihm den Weg._) ~Moor.~ Vierfach geschlossen! Weg da -- Es muß heraus -- Itzt ~zum erstenmal~ komm mir zu Hülfe, ~Dieberey~! (_Er nimmt Brechinstrumente, und öffnet das Gitterthor. Aus dem Grunde steigt ein ~Alter~, ausgemergelt wie ein Gerippe._) ~Der Alte.~ Erbarmen einem Elenden! Erbarmen! ~Moor.~ (_Springt erschrocken zurück._) Das ist ~meines Vaters~ Stimme! ~D. a. Moor.~ Habe Dank, o Gott! Erschienen ist die Stunde der Erlösung. ~Moor.~ Geist des alten Moors! Was hat dich beunruhigt in deinem Grabe? Hast du eine Sünde in jene Welt geschleppt, die dir den Eingang in die Pforten des Paradieses verrammelt? Ich will Messen lesen lassen, den irrenden Geist in seine Heymath zu senden. Hast du das Gold der Wittwen und Waisen unter die Erde vergraben, das dich zu dieser mitternächtlichen Stunde heulend herumtreibt, ich will den unterirdischen Schatz aus den Klauen des Zauberdrachen reissen, und wenn er tausend rothe Flammen auf mich speyt, und seine spitzen Zähne gegen meinen Degen blöckt, oder kommst du, auf meine Fragen die Räthsel der Ewigkeit zu entfalten? Rede, rede! ich bin der Mann der bleichen Furcht nicht. ~D. a. Moor.~ Ich bin kein Geist. Taste mich an, ich lebe, o ein elendes, erbärmliches Leben! ~Moor.~ Was? Du bist nicht begraben worden? ~D. a. Moor.~ Ich bin begraben worden -- das heißt: ein todter Hund liegt in meiner Väter Gruft; und ich -- drey volle Monde schmacht' ich schon in diesem finstern unterirdischen Gewölbe, von keinem Strahle beschienen, von keinem warmen Lüftchen angeweht, von keinem Freunde besucht, wo wilde Raben krächzen, und mitternächtliche Uhu's heulen. -- ~Moor.~ Himmel und Erde! Wer hat das gethan? ~D. a. Moor.~ Verfluch ihn nicht! -- Das hat mein Sohn Franz gethan. ~Moor.~ Franz? Franz? -- O ewiges Chaos! ~D. a. Moor.~ Wenn du ein Mensch bist, und ein menschliches Herz hast, Erlöser, den ich nicht kenne, o so höre den Jammer eines Vaters, den ihm seine Söhne bereitet haben -- drey Monden schon hab' ich's tauben Felsenwänden zugewinselt, aber ein hohler Wiederhall äffte meine Klagen nur nach. Darum, wenn du ein Mensch bist, und ein menschliches Herz hast -- ~Moor.~ Diese Aufforderung könnte die wilden Bestien aus ihren Löchern hervorrufen! ~D. a. Moor.~ Ich lag eben auf dem Siechbett, hatte kaum angefangen, aus einer schweren Krankheit etwas Kräfte zu sammeln, so führte man einen Mann zu mir, der vorgab, mein Erstgebohrner sey gestorben in der Schlacht, und mit sich brachte ein Schwerdt, gefärbt mit seinem Blut, und sein letztes Lebewohl, und daß ihn mein Fluch gejagt hätte in Kampf und Tod und Verzweiflung. ~Moor.~ (_Heftig von ihm abgewandt._) Es ist offenbar! ~D. a. Moor.~ Höre weiter! ich ward unmächtig bey der Botschaft. Man muß mich für todt gehalten haben, denn als ich wieder zu mir selber kam, lag ich schon in der Bahre, und ins Leichentuch gewickelt wie ein Todter. Ich krazte an dem Deckel der Bahre. Er ward aufgethan. Es war finstere Nacht, mein Sohn Franz stand vor mir. -- Was? rief er mit entsetzlicher Stimme, willst du dann ewig leben? -- und gleich flog der Sargdeckel wieder zu. Der Donner dieser Worte hatte mich meiner Sinne beraubt; als ich wieder erwachte, fühlt' ich den Sarg erhoben und fortgeführt in einem Wagen eine halbe Stunde lang. Endlich ward er geöffnet -- ich stand am Eingang dieses Gewölbes, mein Sohn vor mir, und der Mann, der mir das blutige Schwerdt von Karln gebracht hatte -- zehnmal umfaßt' ich seine Kniee, und bat und flehte, und umfaßte sie und beschwur -- das Flehen seines Vaters reichte nicht an sein Herz -- hinab mit dem Balg! donnerte es von seinem Munde, er hat genug gelebt, -- und hinab ward ich gestossen ohn' Erbarmen, und mein Sohn Franz schloß hinter mir zu. ~Moor.~ Es ist nicht möglich, nicht möglich! Ihr müßt euch geirrt haben. ~D. a. Moor.~ Ich kann mich geirrt haben. Höre weiter, aber zürne doch nicht! So lag ich zwanzig Stunden, und kein Mensch gedachte meiner Noth. Auch hat keines Menschen Fußtritt je diese Einöde betreten, denn die allgemeine Sage geht, daß die Gespenster meiner Väter in diesen Ruinen rasselnde Ketten schleifen, und in mitternächtlicher Stunde ihr Todtenlied raunen. Endlich hört' ich die Thür wieder aufgehen, dieser Mann brachte mir Brod und Wasser, und entdeckte mir, wie ich zum Tod des Hungers verurtheilt gewesen, und wie er sein Leben in Gefahr setze, wenn es herauskäme, daß er mich speise. So ward ich kümmerlich erhalten diese lange Zeit, aber der unaufhörliche Frost -- die faule Luft meines Unraths, -- der grenzenlose Kummer -- meine Kräfte wichen, mein Leib schwand, tausendmal bat ich Gott mit Thränen um den Tod, aber das Maas meiner Strafe muß noch nicht gefüllet seyn -- oder muß noch irgend eine Freude meiner warten, daß ich so wunderbarlich erhalten bin. Aber ich leide gerecht -- Mein Karl! mein Karl! -- und er hatte noch keine graue Haare. ~Moor.~ Es ist genug. Auf! ihr Klötze, ihr Eisklumpen! Ihr träge fühllose Schläfer! Auf! will keiner erwachen? (_Er thut einen Pistolenschuß über die schlafenden Räuber._) ~Die Räuber.~ (_aufgejagt_) He, holla! holla! was giebts da? ~Moor.~ Hat euch die Geschichte nicht aus dem Schlummer gerüttelt? der ewige Schlaf würde wach worden seyn! Schaut her, schaut her! die Gesetze der Welt sind Würfelspiel worden, das Band der Natur ist entzwey, die alte Zwietracht ist los, der Sohn hat seinen Vater erschlagen. ~Die Räuber.~ Was sagt der Hauptmann? ~Moor.~ Nein, nicht erschlagen! das Wort ist Beschönigung! -- der Sohn hat den Vater tausendmal gerädert, gespießt, gefoltert, geschunden! die Worte sind mir zu menschlich -- worüber die Sünde roth wird, worüber der Kannibale schaudert, worauf seit Aeonen kein Teufel gekommen ist. -- Der Sohn hat seinen eigenen Vater -- o seht her, seht her! er ist in Unmacht gesunken, -- in dieses Gewölbe hat der Sohn seinen Vater -- Frost, Blöse, -- Hunger, -- Durst -- o seht doch, seht doch! -- es ist mein eigner Vater, ich wills nur gestehn. ~Die Räuber~ (_springen herbey und umringen den Alten._) Dein Vater? dein Vater? ~Schweizer~ (_tritt ehrerbietig näher, fällt vor ihm nieder._) Vater meines Hauptmanns! Ich küsse dir die Füsse! du hast über meinen Dolch zu befehlen. ~Moor.~ Rache, Rache, Rache dir! grimmig beleidigter, entheiligter Greis! So zerreiß ich von nun an auf ewig das brüderliche Band. (_er zerreißt sein Kleid von oben an bis unten._) So verfluch ich jeden Tropfen brüderlichen Bluts im Antlitz des offenen Himmels! Höre mich, Mond und Gestirne! Höre mich, mitternächtlicher Himmel! der du auf die Schandthat herunterblicktest! Höre mich, dreymal schröcklicher Gott, der da oben über dem Monde waltet, und rächt und verdammt über den Sternen, und feuerflammt über der Nacht! Hier kniee ich -- hier streck ich empor die drey Finger in die Schauer der Nacht -- hier schwör ich, und so speye die Natur mich aus ihren Grenzen wie eine bösartige Bestie aus, wenn ich diesen Schwur verletze, schwör ich das Licht des Tages nicht mehr zu grüssen, bis des Vater-Mörders Blut, vor diesem Steine verschüttet, gegen die Sonne dampft. (_Er steht auf._) ~Die Räuber.~ Es ist ein Belials-Streich! Sag einer, wir seyen Schelmen! Nein bey allen Drachen! So bunt haben wirs nie gemacht! ~Moor.~ Ja! und bey allen schröcklichen Seufzern derer, die jemals durch eure Dolche starben, derer, die meine Flamme fraß, und mein fallender Thurm zermalmte, eh' soll kein Gedanke von Mord oder Raub Platz finden in eurer Brust, bis euer aller Kleider von des Verruchten Blute scharlachroth gezeichnet sind -- das hat euch wohl niemals geträumet, daß ihr der Arm höherer Majestäten seyd? Der verworrene Knäuel unsers Schicksals ist aufgelöst! Heute, heute hat eine unsichtbare Macht unser Handwerk geadelt! Betet an vor dem, der euch dies erhabene Loos gesprochen, der euch hieher geführt, der euch gewürdiget hat, die schröcklichen Engel seines finstern Gerichts zu seyn! Entblöset eure Häupter! Knieet hin in den Staub, und stehet geheiliget auf! (_sie knieen._) ~Schweizer.~ Gebeut, Hauptmann! was sollen wir thun? ~Moor.~ Steh auf, Schweizer! Und rühre diese heilige Locken an! (_Er führt ihn zu seinem Vater, und giebt ihm eine Locke in die Hand._) Du weißt noch, wie du einsmals jenem böhmischen Reuter den Kopf spaltetest, da er eben den Säbel über mich zuckte, und ich athemlos und erschöpft von der Arbeit in die Kniee gesunken war? dazumal verhieß ich dir eine Belohnung, die königlich wäre, ich konnte diese Schuld bisher niemals bezahlen. -- ~Schweizer.~ Das schwurst du mir, es ist wahr, aber laß mich dich ewig meinen Schuldner nennen! ~Moor.~ Nein, itzt will ich bezahlen. Schweizer, so ist noch kein Sterblicher geehrt worden wie du! -- Räche meinen Vater! (_Schweizer steht auf._) ~Schweizer.~ Großer Hauptmann! heute hast du mich zum erstenmal stolz gemacht! -- Gebeut, wo, wie, wann soll ich ihn schlagen? ~Moor.~ Die Minuten sind geweiht, du must eilends gehn -- lies dir die Würdigsten aus der Bande, und führe sie gerade nach des Edelmanns Schloß! zerr ihn aus dem Bette, wenn er schläft, oder in den Armen der Wollust liegt, schlepp ihn vom Mahle weg, wenn er besoffen ist, reiß ihn vom Kruzifix, wenn er betend vor ihm auf den Knieen liegt! Aber ich sage dir, ich schärf es dir hart ein, liefr' ihn mir nicht todt! dessen Fleisch will ich in Stücken reissen, und hungrigen Geiern zur Speise geben, der ihm nur die Haut ritzt, oder ein Haar kränkt! Ganz muß ich ihn haben, und wenn du ihn ganz und lebendig bringst, so sollst du eine Million zur Belohnung haben, ich will sie einem Könige mit Gefahr meines Lebens stehlen, und du sollst frey ausgehn, wie die weite Luft -- hast du mich verstanden, so eile davon! ~Schweizer.~ Genug, Hauptmann -- hier hast du meine Hand darauf: Entweder, du siehst zwey zurückkommen, oder gar keinen. Schweizers Würgengel kommt! (_ab mit einem Geschwader._) ~Moor.~ Ihr Uebrigen zerstreut euch im Wald -- Ich bleibe. Fünfter Akt. Erste Scene. Aussicht von vielen Zimmern. Finstre Nacht. Daniel (_kommt mit einer Laterne und einem Reisebündel._) Lebe wohl, theures Mutterhaus -- Hab so manch Guts und Liebs in dir genossen, da der Herr seeliger noch lebete -- Thränen auf deine Gebeine, du lange Verfaulter! das verlangt er von einem alten Knecht -- es war das Obdach der Waisen, und der Port der Verlassenen, und dieser Sohn hats gemacht zur Mördergrube -- Lebe wohl, du guter Boden! wie oft hat der alte Daniel dich abgefegt -- Lebe wohl, du lieber Ofen, der alte Daniel nimmt schweren Abschied von dir -- es war dir alles so vertraut worden -- wird dir weh thun, alter Elieser -- Aber Gott bewahre mich in Gnaden vor dem Trug und List des Argen -- Leer kam ich hieher -- leer zieh ich wieder hin -- aber meine Seele ist gerettet. (_wie er gehen will, kömmt_) Franz (_im Schlafrock hereingestürzt._) ~Daniel.~ Gott steh mir bey! Mein Herr! (_Löscht die Laterne aus._) ~Franz.~ Verrathen! Verrathen! Geister ausgespieen aus Gräbern -- Losgerüttelt das Todtenreich aus dem ewigen Schlaf brüllt wider mich, ~Mörder~! ~Mörder!~ -- wer regt sich da? ~Daniel~ (_ängstlich._) Hilf, heilige Mutter Gottes! seyd ihr's, gestrenger Herre, der so gräßlich durch die Gewölbe schreit, daß alle Schläfer auffahren? ~Franz.~ Schläfer? Wer heißt euch schlafen? Fort, zünde Licht an. (_Daniel ab, es kommt ein andrer Bedienter._) Es soll niemand schlafen in dieser Stunde. Hörst du? Alles soll auf seyn -- in Waffen -- alle Gewehre geladen -- Sahst du sie dort den Bogengang hinschweben? ~Bedienter.~ Wen, gnädiger Herr? ~Franz.~ Wen, Dummkopf, wen? So kalt, so leer fragst du, wen? hat mich's doch angepackt, wie der Schwindel! wen, Eselskopf! wen? Geister und Teufel! wie weit ist's in der Nacht? ~Bedienter.~ Eben itzt ruft der Nachtwächter zwey an. ~Franz.~ Was? will diese Nacht währen bis an den jüngsten Tag? hörtest du keinen Tumult in der Nähe? Kein Siegsgeschrey? Kein Geräusch galoppirender Pferde? wo ist Kar -- der Graf, will ich sagen? ~Bedienter.~ Ich weiß nicht, mein Gebieter! ~Franz.~ Du weißt's nicht? Du bist auch unter der Rotte? Ich will dir das Herz aus den Rippen stampfen! mit deinem verfluchten: ich weiß nicht! Fort, hole den Pastor! ~Bedienter.~ Gnädiger Herr! ~Franz.~ Murrst du? zögerst du? (_Erster Bedienter eilend ab._) Was? auch Bettler wider mich verschworen? Himmel, Hölle! alles wider mich verschworen? ~Daniel~ (_kommt mit dem Licht._) Mein Gebieter -- ~Franz.~ Nein! ich zittere nicht! Es war ledig ein Traum. Die Todten stehen noch nicht auf -- wer sagt, daß ich zittere und bleich bin? Es ist mir ja so leicht, so wohl. ~Daniel.~ Ihr seyd todtenbleich, eure Stimme ist bang und lallet. ~Franz.~ Ich habe das Fieber. Sage du nur, wenn der Pastor kommt, ich habe das Fieber. Ich will morgen zur Ader lassen, sage dem Pastor. ~Daniel.~ Befehlt ihr, daß ich euch Lebensbalsam auf Zucker tröpfle? ~Franz.~ Tröpfle mir auf Zucker! der Pastor wird nicht sogleich da seyn. Meine Stimme ist bang und lallet, gib Lebensbalsam auf Zucker! ~Daniel.~ Gebt mir erst die Schlüssel, ich will drunten holen im Schrank -- ~Franz.~ Nein, nein, nein! Bleib! oder ich will mit dir geh'n. Du siehst, ich kann nicht allein seyn! wie leicht könnt' ich, du siehst ja -- unmächtig -- wenn ich allein bin. Laß nur, laß nur! Es wird vorübergehen, du bleibst. ~Daniel.~ Oh ihr seyd ~ernstlich~ krank. ~Franz.~ Ja freylich, freylich! das ists alles. -- Und Krankheit verstöret das Gehirn, und brütet tolle und wunderliche Träume aus. -- Träume bedeuten nichts -- nicht wahr, Daniel? Träume kommen ja aus dem Bauch, und Träume bedeuten nichts -- ich hatte so eben einen lustigen Traum. (_er sinkt unmächtig nieder_) ~Daniel.~ Jesus Christus! was ist das? Georg! Conrad! Bastian! Martin! so gebt doch nur eine Urkund von euch! (_Rüttelt ihn._) Maria, Magdalena und Joseph! so nimmt doch nur Vernunft an! So wirds heissen, ich hab ihn todt gemacht, Gott erbarme sich meiner! ~Franz~ (_verwirrt._) Weg -- weg! was rüttelst du mich so, scheußliches Todtengeripp? -- die Todten stehen noch nicht auf -- ~Daniel.~ O du ewige Güte! Er hat den Verstand verloren. ~Franz.~ (_richtet sich matt auf_) Wo bin ich? -- du Daniel? was hab ich gesagt? merke nicht drauf! ich hab eine Lüge gesagt, es sey was es wolle -- komm! hilf mir auf! -- es ist nur ein Anstoß von Schwindel -- weil ich -- weil ich -- nicht ausgeschlafen habe. ~Daniel.~ Wär' nur der Johann da! ich will Hülfe rufen, ich will nach Aerzten rufen. ~Franz.~ Bleib! sez dich neben mich auf diesen Sopha! -- so -- du bist ein gescheuter Mann, ein guter Mann. Laß dir erzählen! ~Daniel.~ Itzt nicht, ein andermal! ich will euch zu Bette bringen, Ruhe ist euch besser. ~Franz.~ Nein, ich bitte dich, laß dir erzählen, und lache mich derb aus! -- Siehe, mir däuchte, ich hätte ein königlich Mahl gehalten, und mein Herz wär' guter Dinge, und ich läge berauscht im Rasen des Schloßgartens, und plözlich -- es war zur Stunde des Mittags -- plözlich, aber ich sage dir, lache mich derb aus! -- ~Daniel.~ Plözlich? ~Franz.~ Plözlich traf ein ungeheurer Donner mein schlummerndes Ohr, ich taumelte bebend auf, und siehe da war mir's, als säh' ich aufflammen den ganzen Horizont in feuriger Lohe, und Berge und Städte und Wälder wie Wachs im Ofen zerschmolzen, und eine heulende Windsbraut fegte von hinnen Meer, Himmel und Erde -- da erscholl's wie aus ehernen Posaunen: Erde gib deine Todten, gib deine Todten, Meer, und das nakte Gefild begann zu kreisen, und aufzuwerfen Schädel und Rippen und Kinnbacken und Beine, die sich zusammenzogen in menschliche Leiber, und daherströmten unübersehlich, ein lebendiger Sturm. Damals sah ich aufwärts, und siehe, ich stand am Fuß des donnernden Sina, und über mir Gewimmel und unter mir, und oben auf der Höhe des Bergs auf drey rauchenden Stühlen drey Männer, vor deren Blick flohe die Kreatur -- ~Daniel.~ Das ist ja das leibhafte Konterfey vom jüngsten Tage. ~Franz.~ Nicht wahr? das ist tolles Gezeuge? Da trat hervor Einer, anzusehen wie die Sternennacht, der hatte in seiner Hand einen eisernen Siegelring, den hielt er zwischen Aufgang und Niedergang und sprach: Ewig, heilig, gerecht, unverfälschbar! Es ist nur ~Eine~ Wahrheit, es ist nur ~Eine~ Tugend! Wehe, wehe, wehe dem zweifelnden Wurme! -- Da trat hervor ein Zweyter, der hatte in seiner Hand einen blitzenden Spiegel, den hielt er zwischen Aufgang und Niedergang, und sprach: Dieser Spiegel ist Wahrheit; Heucheley und Larven bestehen nicht -- da erschrack ich und alles Volk, denn wir sahen Schlangen- und Tieger- und Leoparden-Gesichter zurückgeworfen aus dem entsetzlichen Spiegel. -- Da trat hervor ein Dritter, der hatte in seiner Hand eine eherne Wage, die hielt er zwischen Aufgang und Niedergang, und sprach: tretet herzu, ihr Kinder von Adam -- ich wäge die Gedanken in der Schaale meines Zornes! und die Werke mit dem Gewicht meines Grimms! -- ~Daniel.~ Gott erbarme sich meiner! ~Franz.~ Schneebleich stunden alle, ängstlich klopfte die Erwartung in jeglicher Brust. Da war mir's, als hört' ich meinen Namen zuerst genannt aus den Wettern des Berges, und mein innerstes Mark gefror in mir, und meine Zähne klapperten laut. Schnell begonn die Waage zu klingen, zu donnern der Fels, und die Stunden zogen vorüber, eine nach der andern an der links hangenden Schaale, und eine nach der andern warf eine ~Todsünde~ hinein -- ~Daniel.~ O, Gott vergeb euch! ~Franz.~ Das that er nicht! -- die Schaale wuchs zu einem Gebirge, aber die andere voll von Blut der Versöhnung hielt sie noch immer hoch in den Lüften -- zuletzt kam ein alter Mann, schwer gebeuget von Gram, angebissen den Arm von wüthendem Hunger, aller Augen wandten sich scheu vor dem Mann, ich kannte den Mann, er schnitt eine Locke von seinem silbernen Haupthaar, warf sie hinein in die Schaale der Sünden, und siehe, sie sank, sank plötzlich zum Abgrund, und die Schaale der Versöhnung flatterte hoch auf! -- Da hört' ich eine Stimme schallen aus dem Rauche des Felsen: Gnade, Gnade jedem Sünder der Erde und des Abgrunds! du allein bist verworfen! -- (_Tiefe Pause._) Nun, warum lachst du nicht? ~Daniel.~ Kann ich lachen, wenn mir die Haut schaudert? Träume kommen von Gott. ~Franz.~ Pfui doch, pfui doch! sage das nicht! Heiß mich einen Narren, einen aberwitzigen, abgeschmackten Narren! Thu das, lieber Daniel, ich bitte dich drum, spotte mich tüchtig aus! ~Daniel.~ Träume kommen von Gott. Ich will für euch beten. ~Franz.~ Du lügst, sag ich -- geh den Augenblick, lauf, spring, sieh, wo der Pastor bleibt, heiß ihn eilen, eilen, aber ich sage dir, du lügst. ~Daniel~ (_im Abgehen._) Gott sey euch gnädig! Franz. Pöbel-Weisheit, Pöbel-Furcht! -- Es ist ja noch nicht ausgemacht, ob das Vergangene nicht vergangen ist, oder ein Auge findet über den Sternen -- hum, hum! wer raunte mir das ein? Rächet denn droben über den Sternen einer? -- Nein, nein! Ja, ja! Fürchterlich zischelts um mich: Richtet droben einer über den Sternen! Entgegen gehen dem Rächer über den Sternen diese Nacht noch! Nein! sag ich. -- Elender Schlupfwinkel, hinter den sich deine Feigheit verstecken will -- öd, einsam, taub ist's droben über den Sternen -- Wenn's aber doch etwas mehr wäre? Nein, nein, es ist nicht! Ich befehle, es ist nicht! Wenn's aber doch wäre? Weh dir, wenn's nachgezählt worden wäre! wenn's dir vorgezählt würde diese Nacht noch! -- Warum schaudert mir so durch die Knochen? -- ~Sterben!~ warum packt mich das Wort so? Rechenschaft geben dem Rächer droben über den Sternen -- und wenn er gerecht ist, Waisen und Witwen, Unterdrückte, Geplagte heulen zu ihm auf, und wenn er gerecht ist? -- warum haben sie gelitten, warum hast du über sie triumphiret? -- Pastor Moser (_tritt auf._) ~Moser.~ Ihr ließt mich holen, gnädiger Herr! Ich erstaune. Das erstemal in meinem Leben! Habt ihr im Sinn, über die Religion zu spotten, oder fangt ihr an vor ihr zu zittern? ~Franz.~ Spotten oder zittern, je nachdem du mir antwortest. -- Höre, Moser, ich will dir zeigen, daß du ein Narr bist, oder die Welt für'n Narren halten willst, und du sollst mir antworten. Hörst du? Auf dein Leben sollst du mir antworten. ~Moser.~ Ihr fordert einen Höheren vor euren Richterstuhl. Der Höhere wird euch dermaleins antworten. ~Franz.~ Itzt will ichs wissen, itzt, diesen Augenblick, damit ich nicht die schändliche Thorheit begehe, und im Drange der Noth den Götzen des Pöbels anrufe. Ich habs dir oft mit Hohnlachen bey Burgunder zugesoffen: Es ist kein Gott! -- Itzt red' ich im Ernste mit dir, ich sage dir: es ist keiner! Du sollst mich mit allen Waffen widerlegen, die du in deiner Gewalt hast, aber ich blase sie weg mit dem Hauch meines Mundes. ~Moser.~ Wenn du auch eben so leicht den Donner wegblasen könntest, der mit zehntausendfachem Centner-Gewicht auf deine stolze Seele fallen wird! Dieser allwissende Gott, den du Thor und Bösewicht mitten aus seiner Schöpfung zernichtest, braucht sich nicht durch den Mund des Staubes zu rechtfertigen. Er ist eben so groß in deinen Tyranneien, als irgend in einem Lächeln der siegenden Tugend. ~Franz.~ Ungemein gut, Pfaffe! So gefällst du mir. ~Moser.~ Ich stehe hier in den Angelegenheiten eines gröseren Herrn, und rede mit einem, der Wurm ist wie ich, dem ich nicht gefallen will. Freylich müßt' ich Wunder thun können, wenn ich deiner halsstarrigen Bosheit das Geständniß abzwingen könnte, -- aber wenn deine Ueberzeugung so fest ist, warum ließest du mich rufen? Sage mir doch, warum ließest du mich in der Mitternacht rufen? ~Franz.~ Weil ich lange Weile hab, und eben am Schachbret keinen Geschmack finde. Ich will mir einen Spaß machen, mich mit Pfaffen herumzubeißen. Mit dem leeren Schrecken wirst du meinen Muth nicht entmannen. Ich weiß wohl, daß derjenige auf Ewigkeit hofft, der hier zu kurz gekommen ist: aber er wird garstig betrogen. Ich hab's immer gelesen, daß unser Wesen nichts ist, als Sprung des Geblüts, und mit dem letzten Blutstropfen zerrinnt auch Geist und Gedanke. Er macht alle Schwachheiten des Körpers mit, wird er nicht auch aufhören bey seiner Zerstörung? nicht bey seiner Fäulung verdampfen? Laß einen Wassertropfen in deinem Gehirne verirren, und dein Leben macht eine plötzliche Pause, die zunächst an das Nichtseyn gränzt, und ihre Fortdauer ist der Tod. Empfindung ist Schwingung einiger Saiten, und das zerschlagene Klavier tönet nicht mehr. Wenn ich meine sieben Schlösser schleifen lasse, wenn ich diese Venus zerschlage, so ist's Symmetrie und Schönheit ~gewesen~. Siehe da! das ist eure unsterbliche Seele! ~Moser.~ Das ist die Philosophie eurer Verzweiflung. Aber euer eigenes Herz, das bey diesen Beweisen ängstlich bebend wider eure Rippen schlägt, straft euch Lügen. Diese Spinnweben von Systemen zerreißt das einzige Wort: du mußt sterben! -- Ich fordere euch auf, das soll die Probe seyn, wenn ihr im Tode annoch feste steht, wenn euch eure Grundsätze auch da nicht im Stiche lassen, so sollt ihr gewonnen haben; wenn euch im Tode nur der mindeste Schauer anwandelt, weh euch dann! ihr habt euch betrogen. ~Franz~ (_verwirrt._) Wenn mich im Tode ein Schauer anwandelt? ~Moser.~ Ich habe wohl mehr solche Elende geseh'n, die bis hieher der Wahrheit Riesentrotz boten, aber im Tode selbst flattert die Täuschung dahin. Ich will an eurem Bette steh'n, wenn ihr sterbet -- ich möchte so gar gern einen Tyrannen sehen dahinfahren -- ich will dabey steh'n, und euch starr ins Auge fassen, wenn der Arzt eure kalte nasse Hand ergreift, und den verloren schleichenden Puls kaum mehr finden kann, und aufschaut, und mit jenem schröcklichen Achselzucken zu euch spricht: menschliche Hülfe ist umsonst! Hütet euch dann, o hütet euch ja, daß ihr da ausseh't, wie Richard und Nero! ~Franz.~ Nein, nein! ~Moser.~ Auch dieses Nein wird dann zu einem heulenden Ja -- ein inneres Tribunal, das ihr nimmermehr durch skeptische Grübeleyen bestechen könnt, wird itzo erwachen, und Gericht über euch halten. Aber es wird ein Erwachen seyn, wie des Lebendigbegrabenen im Bauche des Kirchhof's, es wird ein Unwille seyn, wie des Selbstmörders, wenn er den tödlichen Streich schon gethan hat und bereut, es wird ein Blitz seyn, der die Mitternacht eures Lebens zumal überflammt, es wird ~Ein~ Blick seyn, und wenn ihr da noch feste steh't, so sollt ihr gewonnen haben! ~Franz.~ (_unruhig im Zimmer auf- und abgehend_) Pfaffengewäsche, Pfaffengewäsche! ~Moser.~ Itzt zum erstenmal werden die Schwerter einer Ewigkeit durch eure Seele schneiden, und itzt zum erstenmal zu spät. -- Der Gedanke ~Gott~ weckt einen fürchterlichen Nachbar auf, sein Name heißt ~Richter~. Sehet Moor, ihr habt das Leben von Tausenden an der Spitze eures Fingers, und von diesen Tausenden habt ihr neunhundert neun und neunzig elend gemacht. Euch fehlt zu einem Nero nur das römische Reich, und nur Peru zu einem Pizarro. Nun glaubt ihr wohl, Gott werde es zugeben, daß ein einziger Mensch in seiner Welt wie ein Wüthrich hause, und das Oberste zu unterst kehre? Glaubt ihr wohl, diese neunhundert und neun und neunzig seyen nur zum Verderben, nur zu Puppen eures satanischen Spieles da? O glaubt das nicht! Er wird jede Minute, die ihr ihnen getödtet, jede Freude, die ihr ihnen vergiftet, jede Vollkommenheit, die ihr ihnen versperret habt, von euch fordern dereinst, und wenn ihr darauf antwortet, Moor, so sollt ihr gewonnen haben. ~Franz.~ Nichts mehr, kein Wort mehr! willst du, daß ich deinen schwarzlebrigen Grillen zu Gebote steh'? ~Moser.~ Sehet zu, das Schicksal der Menschen stehet unter sich in fürchterlich schönem Gleichgewicht. Die Waagschale dieses Lebens sinkend wird hochsteigen in jenem, steigend in diesem, wird in jenem zu Boden fallen. Aber was hier zeitliches Leiden war, wird dort ewiger Triumph, was hier endlicher Triumph war, wird dort ewige unendliche Verzweiflung. ~Franz.~ (_wild auf ihn losgehend_) Daß dich der Donner stumm mache, Lügengeist, du! Ich will dir die verfluchte Zunge aus dem Munde reißen! ~Moser.~ Fühlt ihr die Last der Wahrheit so früh? Ich habe ja noch nichts von Beweisen gesagt. Laßt mich nur erst zu den Beweisen -- ~Franz.~ Schweig, geh in die Hölle mit deinen Beweisen! zernichtet wird die Seele, sag ich dir, und sollst mir nicht darauf antworten! ~Moser.~ Darum winseln auch die Geister des Abgrunds, aber der im Himmel schüttelt das Haupt. Meynt ihr dem Arm des Vergelters im öden Reich des Nichts zu entlaufen? Und führet ihr gen Himmel, so ist er da! und bettetet ihr euch in der Hölle, so ist er wieder da! und sprächet ihr zu der Nacht: verhülle mich! und zu der Finsterniß: birg mich! so muß die Finsterniß leuchten um euch, und um den Verdammten die Mitternacht tagen -- aber euer unsterblicher Geist sträubt sich unter dem Wort, und siegt über den blinden Gedanken. ~Franz.~ Ich will aber nicht unsterblich seyn -- sey es, wer da will, ich will's nicht hindern. Ich will ihn zwingen, daß er mich zernichte, ich will ihn zur Wuth reizen, daß er mich in der Wuth zernichte. Sag mir, was ist die gröste Sünde, und die ihn am grimmigsten aufbringt? ~Moser.~ Ich kenne nur zwo. Aber sie werden nicht von ~Menschen~ begangen, auch ahnden sie ~Menschen~ nicht. ~Franz.~ Diese zwo! -- ~Moser~ (_sehr bedeutend._) ~Vatermord~ heißt die eine, ~Brudermord~ die andere -- Was macht euch auf einmal so bleich? ~Franz.~ Was Alter? Stehst du mit dem Himmel oder mit der Hölle im Bündniß? Wer hat dir das gesagt? ~Moser.~ Wehe dem, der sie beyde auf dem Herzen hat! Ihm wäre besser, daß er nie geboren wäre! Aber seyd ruhig, ihr habt weder Vater noch Bruder mehr! ~Franz.~ Ha! -- was, du kennst keine drüber? Besinne dich nochmals -- Tod, Himmel, Ewigkeit, Verdammniß schwebt auf dem Laut deines Mundes -- keine einzige drüber? ~Moser.~ Keine einzige drüber. ~Franz~ (_fällt in einen Stuhl._) Zernichtung! Zernichtung! ~Moser.~ Freut euch, freut euch doch! preißt euch doch glücklich! -- Bey allen euren Greueln seyd ihr noch ein Heiliger gegen den Vatermörder. Der Fluch, der euch trift, ist gegen den, der auf diesen lauert, ein Gesang der Liebe -- die Vergeltung -- ~Franz~ (_aufgesprungen._) Geh in tausend Grüfte, du Eule! wer hieß dich hieher kommen? Geh, sag ich, oder ich stoß dich durch und durch! ~Moser.~ Kann das Pfaffengewäsche so einen Philosophen in Harnisch jagen? Blast es doch weg mit dem Hauch eures Mundes! (_geht ab._) ~Franz~ (_wirft sich in seinem Sessel herum in schröcklichen Bewegungen, tiefe Pause._) Ein Bedienter (_eilig._) ~Bedienter.~ Amalia ist entsprungen, der Graf ist plötzlich verschwunden. Daniel (_kommt ängstlich._) ~Daniel.~ Gnädiger Herr, jagt ein Trupp feuriger Reuter die Staig herab, schreyen Mordjo, Mordjo -- das ganze Dorf in Allarm. ~Franz.~ Geh, laß alle Glocken zusammenläuten, alles soll in die Kirche -- auf die Kniee fallen alles -- beten für mich -- alle Gefang'ne sollen los seyn und ledig, ich will den Armen alles doppelt und dreyfach wiedergeben, ich will -- so geh doch -- so ruf doch den Beichtvater, daß er mir meine Sünden hinwegsegne -- Bist du noch nicht fort? (_Das Getümmel wird hörbarer._) ~Daniel.~ Gott verzeih mir meine schwere Sünde! Wie soll ich das wieder reimen? Ihr habt ja immer das liebe Gebet über alle Häuser hinausgeworfen, habt mir so manche Postill und Bibelbuch an den Kopf gejagt, wenn ihr mich ob dem Beten ertapptet -- ~Franz.~ Nichts mehr davon -- ~Sterben!~ siehst du? ~Sterben!~ -- Es wird zu spät (_man hört Schweizern toben._) Bete doch! Bete! ~Daniel.~ Ich sagt's euch immer -- ihr verachtet das liebe Gebet so -- aber gebt acht, gebt acht! wenn die Noth an Mann geht, wenn euch das Wasser an die Seele geht, ihr werdet alle Schätze der Welt um ein christliches Seufzerlein geben -- Seht ihr's? Ihr verschimpftet mich! Da habt ihr's nun! Seht ihr's? ~Franz~ (_umarmt ihn ungestüm._) Verzeih, lieber, goldner Perlendaniel, verzeih -- ich will dich kleiden von Fuß auf -- so bet doch -- ich will dich zum Hochzeiter machen -- ich will -- so bet doch -- ich beschwöre dich -- auf den Knieen beschwör ich dich -- Ins T--ls Namen! so bet doch (_Tumult auf den Strassen, Geschrey -- Gepolter --_) ~Schweizer~ (_auf der Gasse._) Stürmt! Schlagt todt! Brecht ein! Ich sehe Licht! dort muß er seyn. ~Franz~ (_auf den Knieen._) Höre mich beten, Gott im Himmel! -- Es ist das erstemal -- soll auch gewiß nimmer geschehen -- Erhöre mich, Gott im Himmel! ~Daniel.~ Mein doch! Was treibt ihr? Das ist ja gottlos gebetet. Volksauflauf. ~Volk.~ Diebe! Mörder! wer lärmt so gräßlich in dieser Mitternachtsstunde! ~Schweizer~ (_immer auf der Gasse._) Schlag sie zurück, Kamerad -- der Teufel ists, und will euren Herrn holen -- Wo ist der Schwarz mit seinen Haufen? -- Postir dich ums Schloß, Grimm -- Lauf Sturm wider die Ringmauer! ~Grimm.~ Holt ihr Feuerbrände -- wir hinauf oder er herunter -- Ich will Feuer in seine Säle schmeißen. ~Franz~ (_betet._) Ich bin kein gemeiner Mörder gewesen, mein Herrgott -- hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben, mein Herrgott -- ~Daniel.~ Gott sey uns gnädig! Auch seine Gebete werden zu Sünden. (_Es fliegen Steine und Feuerbrände. Die Scheiben fallen. Das Schloß brennt._) ~Franz.~ Ich kann nicht beten -- hier, hier! (_Auf Brust und Stirn schlagend._) Alles so öd -- so verdorret (_steht auf._) Nein, ich will auch nicht beten -- diesen Sieg soll der Himmel nicht haben, diesen Spott mir nicht anthun die Hölle -- ~Daniel.~ Jesus Maria! helft -- rettet -- das ganze Schloß steht in Flammen! ~Franz.~ Hier, nimm diesen Degen. Hurtig. Jag mir ihn hinterrücks in den Bauch, daß nicht diese Buben kommen und treiben ihren Spott mit mir. (_Das Feuer nimmt überhand._) ~Daniel.~ Bewahre! Bewahre! Ich mag niemand zu früh in den Himmel fördern, viel weniger zu früh. (_er entrinnt._) Franz (_ihm graß nachstierend, nach einer Pause._) In die Hölle wolltest du sagen -- Wirklich! ich wittere so etwas -- (_wahnsinnig._) Sind das ihre hellen Triller? hör ich euch zischen, ihr Nattern des Abgrunds? -- Sie dringen herauf -- Belagern die Thüre -- warum zag ich so vor dieser bohrenden Spitze? -- die Thüre kracht -- stürzt -- unentrinnbar -- Ha! so erbarm du dich meiner! (_er reißt seine goldene Hutschnur ab, und erdrosselt sich._) Schweizer (_mit seinen Leuten._) ~Schweizer.~ Mordkanaille, wo bist du? -- Saht ihr, wie sie flohen? -- hat er so wenig Freunde? -- Wohin hat sich die Bestie verkrochen? ~Grimm~ (_stößt an die Leiche._) Halt! was liegt hier im Weg? Zündet hieher -- ~Schwarz.~ Er hat das Prevenire gespielt. Steckt eure Schwerter ein, hier liegt er wie eine Katze verreckt. ~Schweizer.~ Todt! was? todt? ohne mich todt -- Erlogen sag ich -- Gebt acht, wie hurtig er auf die Beine springt! (_rüttelt ihn._) Heh du! Es gibt einen Vater zu ermorden. ~Grimm.~ Gib dir keine Müh. Er ist maustodt. ~Schweizer~ (_tritt von ihm weg._) Ja! Er freut sich nicht -- Er ist maustodt -- Gehet zurück, und saget meinem Hauptmann: Er ist maustodt -- mich sieht er nicht wieder. (_Schießt sich vor die Stirn._) Zweyte Scene. Der Schauplatz wie in der letzten Scene des vorigen Akts. Der alte Moor (_auf einem Stein sitzend._) Räuber Moor (_gegenüber._) Räuber (_hin und her im Wald._) ~R. Moor.~ Er kommt nicht! (_Schlägt mit dem Dolch auf einen Stein, daß es Funken gibt._) ~D. a. Moor.~ Verzeihung sey seine Strafe -- meine Rache verdoppelte Liebe. ~R. Moor.~ Nein, bey meiner grimmigen Seele! das soll nicht seyn. Ich wills nicht haben. Die grose Schandthat soll er mit sich in die Ewigkeit hinüber schleppen! -- Wofür hab ich ihn dann umgebracht? ~D. a. Moor~ (_in Thränen ausbrechend._) O mein Kind! ~R. Moor.~ Was? -- du weinst um ihn -- an diesem Thurme? ~D. a. Moor.~ Erbarmung! o Erbarmung! (_Heftig die Hände ringend._) Itzt -- itzt wird mein Kind gerichtet! ~R. Moor~ (_erschrocken._) Welches? ~D. a. Moor.~ Ha! was ist das für eine Frage? ~R. Moor.~ Nichts! Nichts! ~D. a. Moor.~ Bist du kommen, Hohngelächter anzustimmen über meinem Jammer? ~R. Moor.~ Verrätherisches Gewissen! -- Merket nicht auf meine Rede! ~D. a. Moor.~ Ja, ich hab einen Sohn gequält, und ein Sohn mußte mich wieder quälen, das ist Gottes Finger. -- O mein Karl! mein Karl! wenn du um mich schwebst, im Gewand des Friedens! Vergib mir! O vergib mir! ~R. Moor~ (_schnell._) Er vergibt euch. (_Betroffen._) Wenn er's werth ist, euer Sohn zu heissen -- Er muß euch vergeben. ~D. a. Moor.~ Ha! Er war zu herrlich für mich -- Aber ich will ihm entgegen mit meinen Thränen, meinen schlaflosen Nächten, meinen quälenden Träumen, seine Kniee will ich umfassen -- rufen -- laut rufen: Ich hab gesündigt im Himmel und vor dir. Ich bin nicht werth, daß du mich Vater nennst. ~R. Moor~ (_sehr gerührt._) Er war euch lieb, euer andrer Sohn? ~D. a. Moor.~ Du weißt es, o Himmel. Warum ließ ich mich doch durch die Ränke eines bösen Sohnes bethören? Ein gepriesener Vater ging ich einher unter den Vätern der Menschen. Schön um mich blühten meine Kinder voll Hoffnung. Aber -- o der unglückseligen Stunde! -- der böse Geist fuhr in das Herz meines zweyten, ich traute der Schlange -- verloren meine Kinder beyde. (_Verhüllt sich das Gesicht._) ~Moor~ (_geht weit von ihm weg._) Ewig verloren! ~D. a. Moor.~ O, ich fühl es tief, was mir Amalia sagte, der Geist der Rache sprach aus ihrem Munde. Vergebens ausstrecken deine sterbenden Hände wirst du nach einem Sohn, vergebens wähnen zu umfassen die warme Hand deines Karls, der nimmermehr an deinem Bette steht -- ~R. Moor~ (_reicht ihm die Hand mit abgewandtem Gesicht._) ~D. a. Moor.~ Wär'st du meines Karls Hand! -- Aber er liegt fern im engen Hause, schläft schon den eisernen Schlaf, höret nimmer die Stimme meines Jammers -- weh mir! Sterben in den Armen eines Fremdlings -- Kein Sohn mehr -- kein Sohn mehr, der mir die Augen zudrücken könnte -- ~R. Moor~ (_in der heftigsten Bewegung._) Itzt muß es seyn -- itzt -- verlaßt mich (_zu den Räubern._) Und doch -- kann ich ihm denn seinen Sohn wieder schenken? -- Ich kann ihm seinen Sohn doch nicht mehr schenken -- Nein! Ich will's nicht thun. ~D. a. Moor.~ Wie Freund? Was hast du da gemurmelt? ~R. Moor.~ Dein Sohn -- ja alter Mann -- (_stammelnd._) dein Sohn -- ist -- ewig verloren. ~D. a. Moor.~ Ewig? ~R. Moor~ (_in der fürchterlichsten Beklemmung gen Himmel sehend._) O nur dißmal -- Laß meine Seele nicht matt werden -- nur dißmal halte mich aufrecht! ~D. a. Moor.~ Ewig, sagst du? ~R. Moor.~ Frage nichts weiter. Ewig, sagt' ich. ~D. a. Moor.~ Fremdling! Fremdling! Warum zogst du mich aus dem Thurme? ~R. Moor.~ Und wie? -- Wenn ich jetzt seinen Segen weghaschte -- haschte wie ein Dieb, und mich davon schliche mit der göttlichen Beute? -- Vatersegen, sagt man, geht niemals verloren. ~D. a. Moor.~ Auch mein Franz verloren? -- ~R. Moor~ (_stürzt vor ihm nieder._) Ich zerbrach die Riegel deines Thurms -- Gib mir deinen Segen. ~D. a. Moor~ (_mit Schmerz._) Daß du den Sohn vertilgen mußtest, Retter des Vaters! -- Siehe, die Gottheit ermüdet nicht im Erbarmen, und wir armseligen Würmer gehen schlafen mit unserm Groll (_legt seine Hand auf des Räubers Haupt._) Sey so glücklich, als du dich erbarmest. ~R. Moor~ (_weichmüthig aufstehend._) O -- wo ist meine Mannheit? Meine Sehnen werden schlapp, der Dolch sinkt aus meinen Händen. ~D. a. Moor.~ Wie köstlich ist's, wenn Brüder einträchtig beysammen wohnen, wie der Thau, der vom Hermon fällt auf die Berge Zion -- Lern diese Wollust verdienen, junger Mann, und die Engel des Himmels werden sich sonnen in deiner Glorie. Deine Weisheit sey die Weisheit der grauen Haare, aber dein Herz -- dein Herz sey das Herz der unschuldigen Kindheit. ~R. Moor.~ O einen Vorschmack dieser Wollust! Küsse mich, göttlicher Greis! ~D. a. Moor~ (_küßt ihn._) Denk, es sey Vaterskuß, so will ich denken, ich küsse meinen Sohn -- du kannst auch weinen? ~R. Moor.~ Ich dacht', es sei Vaterskuß! -- Weh mir, wenn sie ihn jetzt brächten! (Schweizers Gefährten treten auf im stummen Trauerzug, mit gesenkten Häuptern, und verhüllten Gesichtern.) ~R. Moor.~ Himmel! (_tritt scheu zurück, und sucht sich zu verbergen. Sie ziehen an ihm vorüber. Er sieht weg von ihnen. Tiefe Pause. Sie halten._) ~Grimm~ (_mit gesenktem Ton._) Mein Hauptmann! (_R. Moor antwortet nicht, und tritt weiter zurück._) ~Schwarz.~ Theurer Hauptmann! (_Räuber Moor weicht weiter zurück._) ~Grimm.~ Wir sind unschuldig, mein Hauptmann! ~R. Moor~ (_ohne nach ihnen hinzuschau'n._) Wer seid ihr? ~Grimm.~ Du blickst uns nicht an? Deine Getreuen. ~R. Moor.~ Weh euch, wenn ihr mir getreu war't! ~Grimm.~ Das letzte Lebewohl von deinem Knecht Schweizer -- er kehrt nie wieder, dein Knecht Schweizer. ~R. Moor~ (_aufspringend._) So habt ihr ihn nicht gefunden? ~Schwarz.~ Todt gefunden. ~R. Moor~ (_froh empor hüpfend._) Habe Dank, Lenker der Dinge -- Umarmet mich, meine Kinder -- Erbarmung sei von nun an die Loosung -- Nun wär' auch das überstanden -- Alles überstanden. Neue Räuber. Amalia. ~Räuber.~ Heysa, heysa! Ein Fang, ein superber Fang! ~Amalia~ (_mit fliegenden Haaren._) Die Todten, schreyen sie, seyen erstanden auf seine Stimme -- mein Oheim lebendig -- in diesem Wald -- wo ist er? Karl! Oheim! -- Ha! (_Stürzt auf den Alten zu._) ~D. a. Moor.~ Amalia! Meine Tochter! Amalia! (_Hält sie in seinen Armen gepreßt._) ~R. Moor~ (_zurückspringend._) Wer bringt diß Bild vor meine Augen? ~Amalia~ (_entspringt dem Alten, und springt auf den Räuber zu, und umschlingt ihn entzückt._) Ich hab ihn, o ihr Sterne! Ich hab ihn! -- ~Moor~ (_sich losreissend, zu den Räubern._) Brecht auf ihr! Der Erzfeind hat mich verrathen! ~Amalia.~ Bräutigam, Bräutigam, du rasest! Ha! Vor Entzückung! Warum bin ich auch so fühllos, mitten im Wonnewirbel so kalt? ~D. a. Moor~ (_sich aufraffend._) Bräutigam? Tochter! Tochter! Ein Bräutigam? ~Amalia.~ Ewig sein! Ewig, ewig, ewig mein! -- Oh ihr Mächte des Himmels! Entlastet mich dieser tödlichen Wollust, daß ich nicht unter der Bürde vergehe! ~R. Moor.~ Reißt sie von meinem Halse! Tödtet sie! Tödtet ihn! mich! euch! alles! Die ganze Welt geh zu Grunde! (_Er will davon._) ~Amalia.~ Wohin? was? Liebe Ewigkeit! Wonn Unendlichkeit, und du fliehst? ~R. Moor.~ Weg, weg! -- Unglückseligste der Bräute! -- Schau selbst, frage selbst, höre! -- Unglückseligster der Väter! Laß mich immer ewig davon rennen! ~Amalia.~ Haltet mich! Um Gottes willen, haltet mich! -- Es wird mir so Nacht vor den Augen -- Er flieht! ~R. Moor.~ Zu spät! Vergebens! Dein Fluch, Vater, -- frage mich nichts mehr! -- ich bin, ich habe -- dein Fluch -- dein vermeinter Fluch! -- Wer hat mich hergelockt? (_Mit gezogenem Degen auf die Räuber losgehend._) Wer von euch hat mich hieher gelockt, ihr Kreaturen des Abgrunds? So vergeh dann, Amalia! -- Stirb, Vater! Stirb durch mich zum drittenmal! -- Diese, deine Retter, sind Räuber und Mörder! Dein Karl ist ihr Hauptmann! (_Der alte Moor gibt seinen Geist auf._) ~Amalia~ (_steht stumm, und starr wie eine Bildsäule. Die ganze Bande in fürchterlicher Pause._) ~R. Moor~ (_wider eine Eiche rennend._) Die Seelen derer, die ich erdrosselte im Taumel der Liebe -- derer, die ich zerschmetterte im heiligen Schlaf, derer, -- hahaha! Hört ihr den Pulverthurm knallen über der Kreisenden Stühlen? Seht ihr die Flammen schlagen an den Wiegen der Säuglinge? das ist Brautfackel, das ist Hochzeitmusik -- oh, er vergißt nicht, er weiß zu knüpfen -- darum von mir die Wonne der Liebe! darum mir zur Folter die Liebe! das ist Vergeltung! ~Amalia.~ Es ist wahr! Herrscher im Himmel! Es ist wahr! -- Was hab ich gethan, ich unschuldiges Lamm? Ich hab diesen geliebt! ~R. Moor.~ Das ist mehr, als ein Mann erduldet. Hab ich doch den Tod aus mehr denn tausend Röhren auf mich zupfeifen gehört, und bin ihm keinen Fußbreit gewichen, soll ich itzt erst lernen beben wie ein Weib? beben vor einem Weib? -- Nein, ein Weib erschüttert meine Mannheit nicht -- Blut, Blut! Es ist nur ein Anstoß vom Weibe -- Blut muß ich saufen, es wird vorübergehen. (_Er will davon flieh'n._) ~Amalia~ (_fällt ihm in die Arme._) Mörder! Teufel! Ich kann dich Engel nicht lassen. ~Moor~ (_schleudert sie von sich._) Fort, falsche Schlange, du willst einen Rasenden höhnen, aber ich poche dem Tyrannen-Verhängniß -- was, du weinest! Oh ihr losen boshaften Gestirne! Sie thut, als ob sie weine, als ob um mich eine Seele weine. (_Amalia fällt ihm um den Hals._) Ha, was ist das? Sie speyt mich nicht an, stößt mich nicht von sich -- Amalia! Hast du vergessen? weißt du auch, wen du umarmest, Amalia? ~Amalia.~ Einziger, Unzertrennlicher! ~Moor~ (_aufblühend in ekstatischer Wonne._) Sie vergibt mir, sie liebt mich! Rein bin ich wie der Aether des Himmels, sie liebt mich. -- Weinenden Dank dir, Erbarmer im Himmel! (_Er fällt auf die Knie, und weinet heftig._) Der Friede meiner Seele ist wiedergekommen, die Qual hat ausgetobt, die Hölle ist nicht mehr -- Sieh, o sieh, die Kinder des Lichts weinen am Hals der weinenden Teufel -- (_aufstehend zu den Räubern._) So weinet doch auch! weinet, weinet, ihr seyd ja so glücklich -- O Amalia! Amalia! Amalia! (_Er hängt an ihrem Munde, sie bleiben in stummer Umarmung._) ~Ein Räuber~ (_grimmig hervortretend._) Halt ein, Verräther! -- Gleich laß diesen Arm fahren -- oder ich will dir ein Wort sagen, daß dir die Ohren gellen, und deine Zähne vor Entsetzen klappern! (_Streckt das Schwert zwischen beyde._) ~Ein alter Räuber.~ Denk an die böhmischen Wälder! Hörst du, zagst du? -- an die böhmischen Wälder sollst du denken! Treuloser, wo sind deine Schwüre? Vergißt man Wunden so bald? da wir Glück, Ehre und Leben in die Schanze schlugen für dich? Da wir dir standen wie Mauren, auffiengen wie Schilder die Hiebe, die deinem Leben galten, -- hubst du da nicht deine Hand zum eisernen Eid auf, schwurest, ~uns nie zu verlassen~, wie wir dich nicht verlassen haben? -- Ehrloser! Treuvergeßner! Und du willst abfallen, wenn eine Metze greint? ~Ein dritter Räuber.~ Pfui, über den Meineid! der Geist des geopferten ~Rollers~, den du zum Zeugen aus dem Todtenreich zwangest, wird erröthen über deine Feigheit, und gewaffnet aus seinem Grabe steigen, dich zu züchtigen. ~Die Räuber~ (_durcheinander, reissen ihre Kleider auf._) Schau her, schau! Kennst du diese Narben? du bist unser! Mit unserm Herzblut haben wir dich zum Leibeigenen angekauft, unser bist du, und wenn der Erzengel Michael mit dem Moloch ins Handgemeng kommen sollte! -- Marsch mit uns, ~Opfer um Opfer~! ~Amalia für die Bande!~ ~R. Moor~ (_läßt ihre Hand fahren._) Es ist aus! -- Ich wollte umkehren und zu meinem Vater geh'n, aber der im Himmel sprach, es soll nicht seyn. (_Kalt._) Blöder Thor ich, warum wollt' ich es auch? Kann denn ein grosser Sünder noch umkehren? Ein grosser Sünder kann nimmermehr umkehren, das hätt' ich längst wissen können -- Sey ruhig, ich bitte dich, sey ruhig! so ists ja auch recht -- Ich habe nicht gewollt, da er mich suchte, itzt da ich ihn suche, will ~Er~ nicht, was ist billiger? -- Rolle doch deine Augen nicht so -- er bedarf ja meiner nicht. Hat er nicht Geschöpfe die Fülle, Einen kann er so leicht missen, und dieser Eine bin nun ich. -- Kommt, Kameraden! ~Amalia~ (_reißt ihn zurück._) Halt, halt! Einen Stoß! einen Todesstoß! Neu verlassen! Zeuch dein Schwert, und erbarme dich! ~R. Moor.~ Das Erbarmen ist zu den Bären geflohen, -- ich tödte dich nicht! ~Amalia~ (_seine Knie umfassend._) Oh, um Gotteswillen, um aller Erbarmungen willen! Ich will ja nicht Liebe mehr, weiß ja wohl, daß droben unsre Sterne feindlich von einander fliehen, -- Tod ist meine Bitte nur. -- Verlassen, verlassen! Nimm es ganz in seiner entsetzlichen Fülle, verlassen! Ich kanns nicht überdulden. Du siehst ja, das kann kein Weib überdulden. Tod ist meine Bitte nur! Sieh, meine Hand zittert! Ich habe das Herz nicht, zu stoßen. Mir bangt vor der blitzenden Schneide -- dir ists ja so leicht, so leicht, bist ja Meister im Morden, zeuch dein Schwert, und ich bin glücklich! ~R. Moor.~ Willst du allein glücklich seyn? Fort, ich tödte kein Weib! ~Amalia.~ Ha, Würger! du kannst nur die Glücklichen tödten, die Lebenssatten gehst du vorüber! (_Kriecht zu den Räubern._) So erbarmet euch meiner, ihr Schüler des Henkers! -- Es ist ein so blutdürstiges Mitleid in euren Blicken, das dem Elenden Trost ist -- euer Meister ist ein eitler feigherziger Prahler. ~R. Moor.~ Weib, was sagst du? (_Die Räuber wenden sich ab._) ~Amalia.~ Kein Freund? auch unter diesen nicht ein Freund? (_Sie steht auf._) Nun denn, so lehre mich Dido sterben! (_Sie will gehen, ein Räuber zielt._) ~R. Moor.~ Halt! Wag es -- Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben! (_Er ermordet sie._) ~Die Räuber.~ Hauptmann, Hauptmann! Was machst du, bist du wahnsinnig worden? ~Moor~ (_auf den Leichnam mit starrem Blick._) Sie ist getroffen! Diß Zucken noch, und dann wirds vorbey seyn -- Nun, seht doch! habt ihr noch was zu fordern? Ihr opfertet mir ein Leben auf, ein Leben, das schon nicht mehr euer war, ein Leben voll Abscheulichkeit und Schande -- ich hab euch einen Engel geschlachtet. Wie, seht doch recht her! Seyd ihr nunmehr zufrieden? ~Grimm.~ Du hast deine Schuld mit Wucher bezahlt. Du hast gethan, was kein Mann würde für seine Ehre thun. Kommt itzt weiter! ~Moor.~ Sagst du das? Nicht wahr, das Leben einer Heiligen um das Leben der Schelmen, es ist ungleicher Tausch? -- O ich sage euch, wenn jeder unter euch aufs Blutgerüste gieng, und sich ein Stück Fleisch nach dem andern mit glühender Zange abzwicken ließ, daß die Marter eilf Sommertäge dauerte, es wiege diese Thränen nicht auf. (_Mit bitterem Gelächter._) Die Narben, die böhmischen Wälder! Ja, ja! Diß mußte freylich bezahlt werden. ~Schwarz.~ Sey ruhig, Hauptmann! Komm mit uns, der Anblick ist nicht für dich. Führe uns weiter! ~R. Moor.~ Halt -- noch ein Wort, eh wir weiter gehn -- Merket auf, ihr schadenfrohe Schergen meines barbarischen Winks -- Ich höre von diesem ~Nun~ an auf, euer Hauptmann zu seyn -- Mit Schaam und Grauen leg ich hier diesen blutigen Stab nieder, worunter zu freveln ihr euch berechtiget wähntet, und mit Werken der Finsterniß diß himmlische Licht zu besudeln -- Gehet hin zur Rechten und Linken -- Wir wollen ewig niemals gemeine Sache machen. ~Räuber.~ Ha, Muthloser! Wo sind deine hochfliegenden Plane? Sinds Saifenblasen gewesen, die beym Hauch eines Weibes zerplatzen? ~R. Moor.~ O über mich Narren, der ich wähnete, die Welt durch Greuel zu verschönern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache und Recht -- Ich maßte mich an, o Vorsicht, die Scharten deines Schwerts auszuwetzen und deine Partheylichkeiten gut zu machen -- aber -- o eitle Kinderey -- da steh ich am Rand' eines entsetzlichen Lebens, und erfahre nun mit Zähnklappern und Heulen, daß ~zwey Menschen, wie ich, den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grunde richten würden~. Gnade -- Gnade dem Knaben, der ~Dir~ vorgreifen wollte -- ~Dein~ eigen allein ist die Rache. ~Du~ bedarfst nicht des Menschen Hand. Freylich stehts nun in meiner Macht nicht mehr, die Vergangenheit einzuholen -- schon bleibt verdorben, was verdorben ist -- was ich gestürtzt habe, steht ewig niemals mehr auf -- Aber noch blieb mir etwas übrig, womit ich die beleidigten Gesetze versöhnen, und die mißhandelte Ordnung wiederum heilen kann. Sie bedarf eines Opfers -- Eines Opfers, das ihre unverletzbare Majestät vor der ganzen Menschheit entfaltet -- dieses Opfer bin ich selbst. Ich selbst muß für sie des Todes sterben. ~Räuber.~ Nimmt ihm den Degen weg -- Er will sich umbringen. ~R. Moor.~ Thoren ihr! Zu ewiger Blindheit verdammt! Meynet ihr wohl gar, eine Todsünde werde das Aequivalent gegen Todsünden seyn, meynet ihr die Harmonie der Welt werde durch diesen gottlosen Mißlaut gewinnen? (_Wirft ihnen seine Waffen verächtlich vor die Füße._) Er soll mich lebendig haben. Ich gehe, mich selbst in die Hände der Justiz zu überliefern. ~Räuber.~ Legt ihn an Ketten! Er ist rasend worden. ~R. Moor.~ Nicht, als ob ich zweifelte, sie werde mich zeitig genug finden, wenn die oberen Mächte es so wollen. Aber sie möchte mich im Schlaf überrumpeln, oder auf der Flucht ereilen, oder mit Zwang und Schwert umarmen, und dann wäre mir auch das einige Verdienst entwischt, daß ich mit Willen für sie gestorben bin. Was soll ich gleich einem Diebe ein Leben länger verheimlichen, das mir schon lang im Rathe der himmlischen Wächter genommen ist? ~Räuber.~ Laßt ihn hinfahren! Es ist die Groß-Mann-Sucht. Er will sein Leben an eitle Bewunderung setzen. ~R. Moor.~ Man könnte mich darum bewundern. (_Nach einigem Nachsinnen._) Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben, als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat -- Man hat tausend Louisdore geboten, wer den großen Räuber lebendig liefert -- dem Mann kann geholfen werden. (_Er geht ab._) Fußnoten [1] Eine Frau in Paris soll es durch ordentlich angestellte Versuche mit Giftpulvern so weit gebracht haben, daß sie den entfernten Todestag mit ziemlicher Zuverläßigkeit voraus bestimmen konnte. Pfui über unsere Aerzte, die diese Frau im Prognostiziren beschämt! In der Johann Georg ~Cotta~'schen Buchhandlung zu Tübingen sind erschienen: Allgemeine Zeitung 1805. 4. Der Jahrgang 8 Rthlr. 20 gr. 16 fl. Der achte Jahrgang dieses für die Zeitgeschichte so wichtigen Tagblattes hat sich, bei der veränderten Redaktion, in dem gleichen Werth der Vollständigkeit, Unpartheylichkeit, und zweckmäßigen Darstellung der neuesten Begebenheiten erhalten. Als Repertorium alles dessen, was die jetzige und künftige Generationen interessiren kann, verdient dieses Institut die Unterstützung, die ihm die zunehmende Anzahl seiner Abnehmer gewährt, und die so weit ging, daß die ersten Monate eine neue Auflage erforderten. Einige wenige vollständige Exemplare von 1798 an, sind in der Verlagshandlung für 6 Carolins zu haben. * * * * * =Almanach des Dames pour l'an 1805, avec gravures. relié. 16. 1 Rthlr. 16 gr. 3 fl.= Der Inhalt und Kupfer dieses nun seit 4 Jahren in Paris erscheinenden Almanachs sind so gewählt, daß er einen steten, nicht blos vorübergehenden, Genug gewährt, und eine Stelle in jeder Damenbibliothek verdient. * * * * * Von der Amman-Bohnenbergerschen Karte von Schwaben sind in obengenannter Buchhandlung Nro. 17. 32. und 44. oder die Gegend von Ellwangen, Siegmaringen und Mörsburg erschienen, denen in einigen Wochen drei neue Blätter Nro. 18. 43. und 44. oder die Gegend von Neuburg, Kempten und Kaufbeuren folgen werden. Die bisherigen Herren Pränumeranten können die Exemplare gegen die gewöhnliche Vorausbezahlung bei uns ablangen lassen. Diejenigen, welche die Vortheile der Pränumeration noch genießen wollen, müssen sich vor Ende dieses Jahrs unmittelbar an uns wenden, und mit 9 =Kais. Dukaten=, auf die ganze in 45 Blättern bestehende Karte, pränumeriren. Einzelne Blätter können, wegen Abnutzung der Kupferplatten, nur für 2 fl. abgegeben werden. * * * * * Archiv, juridisches, von ~Gönner~, ~Gmelin~ und ~Tafinger~, 5r Bd. in 4 Heft. gr. 8. 3 Rthlr. 5 fl. 24 kr. Den Werth dieses, die ganze juridische Literatur umfassenden, Archivs verbürgen die berühmten Herausgeber und der ungetheilte Beyfall, mit welchem die strenge Unpartheylichkeit und die gründliche Beurtheilung der darin angezeigten Werke vom Publikum aufgenommen wird. * * * * * =Archives littéraires de l'Europe ou Mélanges de Littérature, d'Histoire et de Philosophie, par MM. Suard, Segur l'ainé, Pastoret etc. Suivis d'une gazette littéraire universelle, gr. 8. 1805. 12 cahiers. 7 Rthlr. 4 gr. 12 fl. 24 kr.= Der zweyte Jahrgang einer, in Paris redigirten, Monathsschrift, die von den vorzüglichsten kritischen Blättern Frankreichs und Teutschlands, ihrer Art und Zweck nach, als die beste anerkannt ist, und die durch die fortdauernde Bemühung der bisherigen Mitarbeiter und durch die Anschließung einiger berühmten deutschen Gelehrten sich immer mehr vervollkommnen, und als allgemeiner Sammelplatz der europäischen Literatur eine Stelle in jeder öffentlichen Bibliothek und Leseanstalt verdienen wird. * * * * * ~Crome~ =D.= Europens Produkte mit einer neuen Produkten-Karte von Europa. Erste Abtheilung, welche Portugall, Spanien, Frankreich, Helvetien und Wallis enthält, mit 4 großen Tabellen. Vierte, ganz umgearbeitete Auflage. gr. 8. Schreibpapier 2 Rthlr. 8 gr. 4 fl. 12 kr. Druckpapier 2 Rthlr. 3 fl. 36 kr. Die Karte illuminirt 2 Rthlr. 3 fl. 36 kr. Diese neue Auflage eines längst als vorzüglich anerkannten Werkes wurde durch mancherlei Umstände verzögert: es hat dafür desto mehr an Vollständigkeit gewonnen, und wird, so wie die Karte selbst, eine wichtige Lücke unserer Literatur ausfüllen. * * * * * Elementarbuch, teutsches, 4. 12 gr. 54 kr. Ein nicht unwichtiger Beitrag eines Veteranen zur Vervollkommnung unsrer teutschen Sprache und Schreibart. * * * * * ~Flatt~ (=D.= J. F.) Magazin für christl. Dogmatik und Moral, deren Geschichte und Anwendung im Vortrag der Religion, fortges. von =D.= Süßkind. 128 St. gr. 8. 20 gr. 1 fl. 30 kr. Diese jedem Theologen wichtige Sammlung von interessanten Abhandlungen hat unter der veränderten Redaktion ihren gleichen, anerkannten Werth erhalten. * * * * * ~Göthe~ (von) Winkelmann und sein Jahrhundert, in Briefen und Aufsätzen. gr. 8. 2 Rthlr. 8 gr. 4 fl. Winkelmanns Briefe an Berendis gehören unter die wichtigsten Denkmäler, die der einzelne Mensch hinterlassen kann, und die Herausgabe derselben ist eine wichtige Bereicherung der Literatur. Der beigefügte: »~Entwurf einer Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts, und die Skizzen zu einer Schilderung Winkelmanns~« erheben dies Werk zu einem der vorzüglichsten der diesjährigen Büchererndte. * * * * * ~Grotesken, Satyren und Naivitäten~ auf das Jahr 1806. ~Mit 11 Umrissen nach Raphael, Michael Angelo, Teniers und andern alten Meistern.~ Herausgegeben v. ~J. D. Falk~, 16. brochirt. 2 Rthlr. 3 fl. 36 kr. In diesen ~Grotesken, Satyren und Naivitäten~, die als eine Fortsetzung des Taschenbuchs für ~Freunde des Scherzes~ und der ~Satyren~ nur nach einem erweiterten Plane zu betrachten sind, gedenkt der Verfasser ein kleines ~Magazin für das Grotesk-Komische~ und die feineren daran ~grenzenden naiven~ Gattungen anzulegen. ~Beschreibung lustiger Volksfeste, Jahrmarktspossen, kleine originelle Stücke in schwäbischen und andern Volksdialekten, geistliche und weltliche Komödien, Christmetten, Osterfeiern, Hofgalla, Anekdoten von Hofnarren und Pritschmeistern aller Art, Faschingslustbarkeiten, Masken, Schönbartsspiele, Erklärung lustiger alter Kupferstiche~ und ~Holzschnitte~: Alles dieses wird nach und nach in diesem Magazin mit einander abwechseln. Schon die blose Angabe des ~Inhalts vom ersten Bändchen~ wird den Liebhabern einer ~scherzhaften Lektüre~ anzeigen, was sie hier zu erwarten haben. 1) Stanzen an die Poesie von ~Stoll~. 2) ~Unser Herr und der Schmidt von Apolda.~ Ein Schwank vom ~Herausgeber~. Mit 5 Umrissen. 3) Der Schmidt von Apolda vor der Himmelspforte, ein Nachspiel zum Schmidt von Apolda von ~ebendems.~ 4) Nochbestehendes satyrisches Sittengericht zu Altona von Hrn. Pred. ~Kleinschmidt~. 5) Die Hirten an der Krippe. Ein Weihnachtsspiel. Oberösterreichisch. Von ~ebend.~ 6) Der Mond und seine Mutter. Ein Schwank. Von ~ebend.~ 7) Der Pfingstmontag zu Heilbronn, von einem Ungenannten aus Schwaben. 8) Einige neue Gedichte von ~Grübel~ in Nürnberger Mundart, nebst einer Vorerinnerung vom ~Herausgeber~. 9) Der Peter in der Fremde, von ~Grübel~. 10) Der Peter als Bedienter. 11) Der Peter auf dem Vogelmarkte. 12) Der Peter als Schweinhirt. 13) Der Peter in der Kinderlehre. 14) Die unterbrochene Scheidung von ~Grübel~. 15) Der Pfarrer und der Wirthsknecht, von ~Grübel~. 16) =Fête Flamande=, oder die lustige Hahnreyschaft von Teniers. Nebst Umriß nach einem Gemählde desselben in Dresden. 17) Der Graf und die kleine Tirolerin. Eine Bregenzer Idylle. Nach einem oberösterreichischen Originale. Vom Herausgeber. Nebst einem Umriß nach Flaxmann. 18) Colombina als Hausmutter, oder die zwei Apfelsinen-Diebe. Nebst einem Umriß nach einer Antike. 19) =Consilium Medicum=, oder die Aerzte unserer Zeit. ~P. E. Hartert.~ 20) Der Doktor und die Recensenten. Ein Beispiel, was für Unglück oft eine Recension anrichten kann. 21) Das Leichteste. 22) Das Schwerste. 23) Humanität, oder der Fürst und der Dichter, eine wahre Anekdote. 24) Aus der Barbarey, oder Erklärung Sr. Durchlaucht des Dey's von Algier, an sämmtliche deutsche Autoren und Dichter. 25) Vorschlag nach ~Doktor Gall~, die Maulschellen in unsere Literatur einzuführen. 26) Adam und Eva, oder das wiedergefundene Paradies. Eine Feldpredigt, gehalten von dem Feldprediger ~Kummer~, herausgegeben von ~J. D. Falk~. Je seltener in ~Deutschland~ Produkte von ächt-komischem Gehalt sind, um so mehr dürfen wir für dieses, bei dem Publikum auf eine geneigte Aufnahme hoffen. * * * * * ~Hoyer, J. G. allgemeines Wörterbuch der Artillerie~, welches die Erklärung aller verschiedenen Kunstwörter, Begriffe und Lehrsätze der Geschützkunst in theoretischer und praktischer Hinsicht, nebst der Geschichte der wichtigsten Erfindungen derselben, enthält 2r Band F bis I gr. 8. 2 Rthlr. oder 3 fl. 36 kr. Mit diesem zweiten Bande wäre nun die Hälfte eines Werks geliefert, das in möglichster Kürze und Deutlichkeit alles umfaßt, was zur Geschützkunst gehört. * * * * * Leben, wunderbare Reisen und Irrfahrten des Johannes von der Ostsee, herausgegeben von ~J. D. Falk~. 1 Rthlr. 4 gr. oder 2 fl. Das erste Bändchen des ~Johannes von der Ostsee~ enthält einen kleinen, in sich völlig abgeschlossenen Roman. Wer je die schönen Gegenden der Ostsee sah, und das regsame Leben, das ~Schiffahrt~ und ~Handel~ unter den dortigen Menschen hervorbringt, in der Nähe beobachtete: wer irgend einmal das friedliche Küstenvolk von ~Reval~ bis ~Danzig~ herunter, in der Mitte ihrer Wohnstädt besuchte und liebgewann; dem wird die Wahrheit dieses heitern Gemähldes sogleich einleuchten, so wie die Aufstellung von Charakteren, in ihrer ganzen national-naiven Gutmüthigkeit, durchaus dazu geeignet ist, um einem jedweden, auch dem entferntesten, Vergnügen und Unterhaltung zu gewähren. Vor allen dürften die Jugendschicksale des Helden selbst, sein Leiden und seine ~Liebe mit Jeanetten~, so wie sein früheres Leben in einer Werkstatt, und seine nicht ohne vielfache Mühe errungene Ausbildung, die Theilnahme aller gefühlvollen Leser und Leserinnen erwecken, und das Interesse rechtfertigen, das die Geschichte, von Anfang bis zu Ende, in einem immer steigenden Grade, zu behaupten weiß. * * * * * Phädra, Trauerspiel von Racine, übersetzt von ~Schiller~. Mit gegenüberstehendem französischen Text, 16. geb. 2 fl. 24 kr. oder 1 Rthlr. 8 gr. Es wäre überflüssig, zur Empfehlung einer der letzten Arbeiten des verewigten Schiller's etwas sagen zu wollen: der Beifall, den sie bei der Aufführung fand, kann ihr auch beim Lesen nicht fehlen, und die Beidruckung des französischen Originals wird durch die Vergleichung den Genuß noch erhöhen. * * * * * ~Poetische Versuche von Pfeffel~, 8r Theil, mit dem Bildniß des Verfassers. 8. Velin-Pap. Subscr. Preiß 1 fl. 30 kr. Laden-Preiß 1 fl. 48 kr. Postpapier -- -- -- 1 fl. 4 kr. -- -- -- 1 fl. 12 kr. Druckpapier -- -- -- 48 kr. -- -- -- 54 kr. Mit diesem 8ten Theil erhält das Publikum nun alle die lieblichen Gaben, die wir bis Ende vorigen Jahres der frohen Muse dieses Lieblingsdichters verdanken. Das ähnlich getroffene Portrait des Verfassers wird eine willkommene Beilage seyn. Wer sich unmittelbar an uns wendet, kann noch die Vortheile des Subscriptionspreises genießen. * * * * * ~Taschenbuch für Damen auf 1806.~ von ~Huber, Lafontaine, Pfeffel und andern~. Mit Kupfern und Holzschnitten von Gubitz. Preiß 2 fl. 24 kr. oder 1 Rthlr. 8 gr. ~Inhalt.~ Erklärung der Kupfer. -- Zum Andenken Schillers von ~Göthe~. -- Der Derwisch und der Chan von ~Pfeffel~. -- Der Findling von ebendems. -- Die zwo Fliegen von ebendems. -- Lots Weib von ebendems. -- Der Kater und die Ratze von ebendems. -- Reichsstädtische Tugend, eine Geschichte von ~Huber~. -- Das Leben von ~Schreiber~. -- Freude, Friede und Hoffnung von ebendems. -- Die Blume von ebendems. -- Das Testament von ~Pfeffel~. -- Zeus und die Gans von ebendems. -- Das Kameel und das Trampelthier von ebendems. -- Der Exorcismus von ebendems. -- Der Condor und der Adler von ebendems. -- Die zween Räuber von ebendems. -- Räthsel von ~Schiller~. -- Einem Freunde ins Stammbuch von ebendems. -- An Laidon von ~Haug~. -- An Beatrix von ebendems. -- An Lilla von ebendems. -- Gaskogner Liebeserklärung von ebendems. -- Andeutung von ebendems. -- Malchen an ihres Gatten Silhouette von ebendems. -- Hauslehren von Hesiodus von Voß. -- Weltleben von ~Theone~. -- Die Brüder, eine Erzählung von ~Lafontaine~. -- Der Pudel und der Seehund von ~Pfeffel~. -- Die Schöpfer von ebendems. -- Die Amme, von ~ebendems.~ -- Die Mutter, von ~ebendems.~ -- Die Brüder, eine chinesische Sage von ebendems. -- Die Genesung aus Tibull von ~Voß~. -- Der Zweifler von ~Theone~. -- Lehren für Weiber von ebenders. -- Das weibliche Geschlecht von ~Herder~. -- Der Schäfer und die Schäferinn von ~Schreiber~. -- Lob der Musik von ebendems. Der angeführte Inhalt belegt hinlänglich, daß auch dieser Jahrgang eines so sehr beliebten Almanachs seinen Vorgängern nicht nachstehen darf, und die äussern Verzierungen in Kupfer können auf gleichen Beifall Anspruch machen; eine besondere Auszeichnung ist die Holzschnitt-Arbeit des Hrn. Prof. ~Gubitz~. Durch verschiedene Umstände sind hievon noch nicht hinlängliche Abdrucke bei uns eingetroffen, so daß nur einige Gegenden bis jetzt mit Exemplaren versehen werden konnten; in wenig Wochen hoffen wir aber die Speditionen überall hin machen zu können. Wer indessen bei uns selbst Bestellungen machen will, erhält das Exemplar für 2 fl. und bei 6 Exempl. das 7te gratis. * * * * * Theater von Schiller, 1r Band. Inhalt: Huldigung der Künste; Don Karlos; Jungfrau von Orleans. -- Velin-Papier 9 fl. -- oder 5 Rthlr. Schreibpapier 4 fl. 48 kr. oder 2 Rthlr. 16 gr. Weiß Druckpapier 3 fl. -- oder 1 Rthlr. 16 gr. Ordin. Druckpapier 1 fl. 48 kr. oder 1 Rthlr. Der unsterbliche Verfasser hat zwar die Erscheinung dieses ersten Theils seines Theaters nicht mehr erlebt, da er aber nach seiner gewohnten Vorsicht die Einrichtung des Ganzen, so wie die Verbesserungen der einzelnen Stücke gleich bei dem Beginnen des Drucks bestimmt hatte, so kann die Herausgabe vollkommen nach seinen Angaben besorgt werden. Diese vollständige Sammlung aller seiner theatralischen Werke wird daher aus fünf Theilen bestehen, die in den oben angegebenen viererley Ausgaben in allen Buchhandlungen zu haben sind. Bis Ostern 1806. wird das Ganze abgeliefert werden, und wer von jetzt bis Ende Aprils 1806. sich unmittelbar an die Verlagshandlung wendet, genießt folgende Vortheile: Statt des gewöhnlichen Preises darf nur drey Viertel desselben pränumerirt werden, so daß alle 5 Theile auf Velin-Papier statt 25 Rthlr. -- od. 45 fl. für 18 Rthlr. 18 gr. od. 33 fl. 45 kr. Schreibpapier statt 13 Rthlr. 8 gr. od. 24 fl. für 10 Rthlr. -- od. 18 fl. Weiß Druckp. statt 8 Rthlr. 8 gr. od. 15 fl. für 6 Rthlr. 6 gr. od. 11 fl. 15 kr. Ord. Druckp. statt 5 Rthlr. -- od. 9 fl. für 3 Rthlr. 18 gr. od. 6 fl. 45 kr. erlassen werden. Ausserdem erhalten diejenigen, welche auf 6 Exemplare pränumeriren, noch das 7te gratis. +------------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | | gebräuchlich waren, wie: | | | | abgeschmakten -- abgeschmackten | | andere -- andre | | ans -- an's | | aufs -- auf's | | Aug-Braunen -- Augenbraun | | ausgehn -- ausgehen | | äußerste -- äusserste | | bankerott -- bankrut | | barfus -- baarfuß | | begann -- begonn | | bei -- bey | | Bildnis -- Bildniß | | bischen -- bisgen | | Bliz -- Blitz | | Bursche -- Pursche | | büßen -- büssen | | Contrast -- Kontraste | | deucht -- däucht | | Deutschland -- Teutschland | | dies -- dis -- diß -- dieß | | dörfen -- dürfen | | dreysig -- dreyßig | | entblössen -- entblöset | | einige -- einzige | | ers -- er's | | ersticken -- erstikest | | Finstre -- Finstere | | flossen -- floßen | | fortreissen -- fortreißen | | funfzig -- fünfzig | | Füsse -- Füße | | gebehrdet -- geberdet | | gebohren -- geboren | | Gebiet -- Gebieth | | Gebirge -- Gebürge | | geiseln -- geisseln | | Geissel -- Geißel | | Gemälde -- Gemählde | | gesehen -- gesehn | | gestehen -- gestehn | | gibt -- giebt | | goldene -- gold'ne -- goldne | | greifen -- greiffen | | groser -- grosser | | hab's -- habs | | hangt -- hängt | | hat's -- hats | | Heiden -- Heyden | | Heimath -- Heymath | | heis -- heiß | | heisse -- heiße | | Helfte -- Hälfte | | heßlich -- häßlich | | hinterrucks -- hinterrücks | | ichs -- ich's | | ihrs -- ihr's | | ins -- in's | | ists -- ist's | | knien -- knieen | | Krucifix -- Kruzifix | | Lerm -- lärmt | | liessest -- ließest | | Lis -- Lies | | Loosung -- Losung | | Loths -- Lots | | Louisd'ore -- Louisdore | | Luder-Leben -- Luderleben | | Maalen -- Mahle | | Mädchen -- Mädgen | | mahlerische -- malt | | Mann's -- Manns | | Menschen -- Menschern | | mir's -- mirs | | mußt -- must | | Ocean -- Ozean | | Otterbrut -- Otternbrut | | pakt -- packt | | Phantasey -- Phantasie | | plötzlich -- plözlich | | prakticirt -- praktizier | | Preis -- Preiß | | Reichs-Grafen -- Reichsgrafen | | reißen -- reissen | | Reitzen -- Reizen | | ritzt -- Rizen | | sah't -- saht | | samt -- sämmtliche | | sas -- saß | | Schaam -- Scham | | Schätzen -- Schäzen | | Schädel -- Schedel | | Schiessen -- Schießen | | schmeissen -- schmeißen | | schrecklich -- schröcklich | | schwatzen -- schwäzt | | Schwerdt -- Schwert | | sclavischen -- Sklaven | | sechszig -- sechzig | | Seegen -- Segen | | sei -- sey | | setzen -- sezen | | steh'n -- stehn | | stiehlt -- stihlt | | stoßen -- stossen | | Strahl -- Stral | | Strasen -- Strassen | | studierte -- studirt | | tod -- todt | | treflich -- trefflich | | trifft -- trift | | Tieger -- Tyger | | um's -- ums | | ungefähr -- ungefehr | | ungestüm -- ungestümm | | unsere -- unsre | | unter'm -- unterm | | Vater-Herz -- Vaterherz | | Vater-Mörder -- Vatermörder | | verhehlen -- verhelen | | verlorenen -- verlornen | | vor's -- vors | | Waage -- Wage | | wackerer -- wakerer | | war's -- wars | | weinest -- weinst | | weißt -- weist | | wenn's -- wenns | | wird's -- wirds | | will's -- wills | | Wittwen -- Witwen | | Wohllust -- Wollust | | wohl -- wol | | worin -- worinn | | wüte -- wüthen | | zehen -- zehn | | zerplatzen -- zerplazt | | zwei -- zwey -- zwo | | | | Interpunktion wurde korrigiert, ohne dies hier im Einzelnen | | anzuführen. Im Text wurden die folgenden Änderungen | | vorgenommen: | | | | S. 9 "gewissermaasen" in "gewissermaßen" geändert. | | S. 21 "Antwortet?" in "Antwortet!" geändert. | | S. 28 "Drathfäden" in "Drahtfäden" geändert. | | S. 38 "wagen?" in "wagen!" geändert. | | S. 38ff "Ratzmann" in "Razmann" geändert. | | S. 48 "Hüthen" in "Hüten" geändert. | | S. 49 "woh" in "wohl" geändert. | | S. 55 "Lotterbude" in "Lotterbube" geändert. | | S. 56 "Müßen" in "Müssen" geändert. | | S. 56 "unterirrdischen" in "unterirdischen" geändert. | | S. 58 "Zerstörinnen" in "Zerstörerinnen" geändert. | | S. 59 "Hermann" in "Herrmann" geändert. | | S. 60 "stosen" in "stoßen" geändert. | | S. 68 "weis" in "weiß" geändert. | | S. 69 "dre" in "der" geändert. | | S. 71 "Carl" in "Karl" geändert. | | S. 74 "himmlsschen" in "himmlischen" geändert. | | S. 75 "verlassenen" in "Verlassenen" geändert. | | S. 75 "Klagege-Lied" in "Klage-Lied" geändert. | | S. 76 "sterbenden" in "Sterbenden" geändert. | | S. 79 "Psevdo-Spiegelberg" in "Pseudo-Spiegelberg" geändert. | | S. 80 "Bettlacken" in "Bettlaken" geändert. | | S. 80 "ihrerer" in "ihrer" geändert. | | S. 82 "ansezen" in "ansetzen" geändert. | | S. 83 "Färthe" in "Fährte" geändert. | | S. 84 "fangt" in "fängt" geändert. | | S. 91 "Mordbleu" in "Morbleu" geändert. | | S. 92 "schröklichen" in "schröcklichen" geändert. | | S. 93 "Pulverthurn" in "Pulverthurm" geändert. | | S. 95 "in Mutterleib" in "im Mutterleib" geändert. | | S. 96 "hölkische" in "höllische" geändert. | | S. 96 "besezt" in "besetzt" geändert. | | S. 104 "denn" in "den" geändert. | | S. 105 "niemal" in "einmal" geändert. | | S. 110 "Hofnungen" in "Hoffnungen" geändert. | | S. 111 "Gaße" in "Gasse" geändert. | | S. 112 "Hermann" in "Herrmann" geändert. | | S. 112 "seine" in "deine" geändert. | | S. 113 "einiges" in "einziges" geändert. | | S. 120 "Farth" in "Fahrt" geändert. | | S. 121 "versteht" in "verstehst" geändert. | | S. 121 "misglücken" in "mißglücken" geändert. | | S. 122 "anmasen" in "anmaßen" geändert. | | S. 123 "Sie" in "sie" geändert. | | S. 124 "Innhalts" in "Inhalts" geändert. | | S. 130 "Dritte Scene" in "Zweite Scene" geändert. | | S. 137 "habe" in "haben" geändert. | | S. 138 "Begrif" in "Begriff" geändert. | | S. 141 "Vierte Scene" in "Dritte Scene" geändert. | | S. 144 "weiser" in "weißer" geändert. | | S. 146 "alte" in "alten" geändert. | | S. 148 "Fünfte Scene" in "Vierte Scene" geändert. | | S. 149 "öfnet" in "öffnet" geändert. | | S. 151 "verlohren" in "verloren" geändert. | | S. 154 "Beule" in "Beile" geändert. | | S. 154 "Ratzmann" in "Razmann" geändert. | | S. 154 "Spidnen" in "Spionen" geändert. | | S. 157 "zulezt" in "zuletzt" geändert. | | S. 160 "Brutes" in "Brutus" geändert. | | S. 160 "Schwerde" in "Schwerte" geändert. | | S. 161 "Misklang" in "Mißklang" geändert. | | S. 162 "willt" in "willst" geändert. | | S. 165 "eie" in "ein" geändert. | | S. 181 "hoft" in "hofft" geändert. | | S. 183 "fodern" in "fordern" geändert. | | S. 183 "Mnnde" in "Munde" geändert. | | S. 188 "springt?" in "springt!" geändert. | | S. 197 "gewafnet" in "gewaffnet" geändert. | | S. 199 "fo" in "so" geändert. | | Werbung "Heilbroun" in "Heilbronn" geändert. | | Werbung doppeltes "24 kr." entfernt. | | Werbung "Hofnung" in "Hoffnung" geändert. | | Werbung "Schiffarth" in "Schiffahrt" geändert. | | Werbung "Stüke" in "Stücke" geändert. | | | +------------------------------------------------------------------+ End of the Project Gutenberg EBook of Die Räuber, by Friedrich Schiller *** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RÄUBER *** ***** This file should be named 47804-8.txt or 47804-8.zip ***** This and all associated files of various formats will be found in: http://www.gutenberg.org/4/7/8/0/47804/ Produced by Jana Srna, Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned images of public domain material from the Google Print project.) Updated editions will replace the previous one--the old editions will be renamed. Creating the works from public domain print editions means that no one owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you do not charge anything for copies of this eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, performances and research. They may be modified and printed and given away--you may do practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is subject to the trademark license, especially commercial redistribution. *** START: FULL LICENSE *** THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free distribution of electronic works, by using or distributing this work (or any other work associated in any way with the phrase "Project Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project Gutenberg-tm License (available with this file or online at http://gutenberg.org/license). Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm electronic works 1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the terms of this license and intellectual property (trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. 1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or associated in any way with an electronic work by people who agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works even without complying with the full terms of this agreement. See paragraph 1.C below. 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It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life. Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws. The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org For additional contact information: Dr. Gregory B. Newby Chief Executive and Director gbnewby@pglaf.org Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS. The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition. Most people start at our Web site which has the main PG search facility: http://www.gutenberg.org This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.